Woolworths kommt zurück

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, Mittwoch, 25. November 2009, um 12:53 CET

LONDON. Dieses Jahr wird den Briten an Weihnachten etwas fehlen. Für die Bürger des Königreichs wird es seit 100 Jahren das erste Fest ohne die traditionsreiche Kaufhauskette Woolworths. Erst als der britische Einzelhändler nach langer Leidenszeit 2008 Insolvenz anmelden und seine 815 Filialen auf der Insel schließen musste, haben viele Briten begriffen, wie hart die Finanzkrise ihr Land getroffen hat. Damals verloren 27 000 Mitarbeiter ihren Job.

Doch jetzt gibt es neue Hoffnung, für die Kette, die in Großbritannien hohen Nostalgiewert genießt. Der Onlineversandhändler Shop Direct will im kommenden Jahr eine dreistellige Zahl der Filialen wieder eröffnen. Im Februar hatte der Onlineeinzelhändler die Namensrechte der Kaufhauskette, die seit einigen Jahren nichts mehr mit dem deutschen Namensvetter zu tun hat, aus der Konkursmasse gekauft.

Shop Direct gehört zum Reich der exzentrischen Zwillinge David und Frederick Barclay. Die beiden Milliardäre besitzen den Daily Telegraph, die auflagenstärkste Qualitätszeitung des Landes und bewohnen die einsame Kanalinsel Brecqhou, auf der sie sogar ihre eigenen Briefmarken herausgeben.

Shop Direct-Vorstandschef Mark Newton-Jones hofft, dass aus Woolworths (München: 886853 - Nachrichten) wieder eine erfolgreiche Kette mit bis zu 200 Läden entstehen kann. Allerdings plant Shop Direct die Geschäfte nicht in eigener Regie zu führen, sondern will mit Franchisenehmern zusammenarbeiten.

Fachleute halten diese Strategie für sinnvoll, es gebe einen enormen Bedarf im Einzelhandel. Die Woolworths Pleite vor einem Jahr habe eine Art Goldrausch ausgelöst, meint Andrew Garbutt, Konsumfachmann bei der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers. "Woolworths' Niedergang hat riesige Auswirkungen auf den britischen Einzelhandel sowohl aufgrund der Umsatzlücke von 1,7 Mrd. Pfund als auch wegen des Wegfalls der mehr als 800 Filialen", sagt Garbutt.

Kaum stand die Insolvenz fest, machte sich die Konkurrenz dran diese Lücke zu füllen. So schnappte sich Hussein Lalani, der Gründer der Billigkette 99p, in deren Läden alles für 99 Pences zu haben ist, sofort Fotoapparat und Notizblock. Er klapperte sämtliche Londoner Woolworths-Filialen ab, um sich erfolgversprechende Standorte zu sichern. Mit Erfolg, 99p übernahm 52 der ehemaligen Geschäfte.

Während 99p allerdings auf Großstadtkunden aus ist, ziele das Franchisekonzept von Shop Direct eher auf die Provinz ab, meint Richard Perks vom Marktforschungsinstitut Mintel. "In den kleineren Städten war Woolworths häufig das einzige Kaufhaus im Ort." Seit der Pleite klaffen dort Lücken.

Einige ehemalige Mitarbeiter der insolventen Handelskette haben diesen Bedarf bereits erkannt. Schon wenige Monate nach der Pleite eröffnete eine frühere Woolworths Mitarbeiterin im südwestenglischen Dorchester ein Geschäft und benannte es in Wellworths um.

Und vor wenigen Wochen stellten zwei ehemalige leitende Angestellte mit einem befreundeten Investmentbanker ihr Konzept vor: fünf Filialen unter dem Namen Alworths.