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FRANKFURT. In der Finanzkrise boomen Kreditbörsen im Internet. Gerade in den vergangenen Monaten zog das Geschäft auf Online-Marktplätzen wie Smava, Auxmoney oder Money4Friends deutlich an.
"Wir konnten das Kreditvolumen von 2,5 Mio. Euro im zweiten Quartal auf knapp fünf Mio. im dritten Quartal 2009 verdoppeln", sagt Alexander Artope, Geschäftsführer und Mitgründer von Smava. "Das zeigt, dass unser Konzept eines selbstbestimmten und transparenten Kreditmarktplatzes funktioniert. Die Menschen haben mit Smava eine gute Alternative zur Bank gefunden - gerade in Zeiten der Kreditklemme". Smava ist zurzeit die größte deutsche Online-Kreditplattform. Seit dem Start vor zweieinhalb Jahren hat sie mehr als 15 Mio. Euro an Krediten vermittelt.
Das Geld kommt von Privatleuten, die das Kreditgeschäft als Geldanlage betrachten. Zurzeit sind 10 000 Anleger bei Smava registriert. Die Menschen, denen sie Geld leihen, kennen sie nicht. Es können andere Privatleute, Freiberufler oder mittelständische Unternehmer sein. Sie tragen Nicknames wie "Maltafan", "Unternehmer 52" oder "Hemingway". Sie benötigen Geld zum Beispiel für den Autokauf, einen Umzug oder die Ablösung eines anderen Kredits.
Die Plattformen funktionieren wie eine Auktion. Wer Geld sucht, stellt seinen Wunsch auf die Seite. Er beschreibt, wofür er das Geld braucht und wie viel Zinsen er zahlen will. Der Zinssatz sollte allerdings so attraktiv sein, dass auch Geldgeber anbeißen. Die wiederum schauen sich die Gesuche an und entscheiden, wem sie Geld leihen wollen. Meist kommen mehrere Anleger zusammen, um die benötigte Summe bereit zu stellen. Wenn das Projekt voll finanziert ist, wird der Betrag vom Konto der Anleger abgebucht und dem Kreditnehmer gutgeschrieben.
Ganz ohne Bank kommen auch die Online-Kreditvermittler nicht aus. Zur Abwicklung der Transaktionen ist bei Smava die Bank für Investments und Wertpapiere (BIW) zwischengeschaltet. Auxmoney arbeitet mit der SWK Bank zusammen. Das funktioniert so: Der Kreditgeber zahlt sein Geld auf ein Konto der Bank ein, diese überweist es weiter an den Kreditnehmer. Rein rechtlich vergibt die Bank also den Kredit.
Was aber passiert, wenn ein Schuldner nicht bezahlt? Bei Auxmoney ist die Bonitätsprüfung freiwillig. Es besteht die Gefahr, dass sich wenig zuverlässige Schuldner unter die Kreditnehmer mischen. Bei Smava werden dagegen vorab Einkommensnachweise und Schufa-Bonität der Kreditnehmer geprüft. Die Schuldner sind eingeteilt in Bonitätsklassen von A bis H. Trotzdem lässt sich nicht vermeiden, dass Kredite platzen.
Die Ausfallraten lagen in der Vergangenheit bei rund drei Prozent. Für diese Fälle gibt es den so genannten Anlegerpool. Jeder Anleger zahlt monatlich einen Betrag in den Pool (NASDAQ: POOL - Nachrichten) . Aus diesem gemeinsamen Topf bekommen Kreditgeber ihr eingesetztes Kapital zurück, wenn ein Schuldner nicht zahlt. So soll sichergestellt werden, dass kein Geldgeber leer ausgeht. Zudem wird der Kreditvertrag an ein Inkassounternehmen verkauft, welches das Geld eintreiben soll. Durch diese Zahlungen in den Anleger-Pool reduziert sich allerdings die Rendite. Wer einen Kredit zum Zinssatz von sechs Prozent vergibt, kann mit einer Rendite von etwa vier Prozent rechnen.
Für Experten sind nicht alle Angebote empfehlenswert. Sie warnen, dass verzweifelte Schuldner auf manchen Kreditbörsen dazu verleitet werden, sich auf abenteuerliche Konditionen einzulassen. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Finanztest heißt es: "Mit Slogans wie 'ohne Schufa' spricht Auxmoney zudem Menschen an, die wegen ihrer schlechten Bonität anderswo kein Geld bekommen. Mit weiterer Verschuldung ist ihnen aber zumeist nicht geholfen und für Anleger könnten sie zum Risiko werden."
Verbraucherschützer kritisieren außerdem Angebote, bei denen schon vorab und ohne jede Gegenleistung eine Gebühr bezahlt werden muss. Manche Anbieter verlangen zum Beispiel einen Mitgliedsbeitrag oder lassen sich schon für die Veröffentlichung des Kreditprojekts bezahlen - unabhängig davon, ob wirklich ein Kredit vergeben wird. Kommt der Vertrag zustande, wird dann oft noch eine zusätzliche Gebühr fällig. Am besten kommt bei den Verbraucherschützern die Plattform Smava weg. Auch Finanztest urteilt, der Anbieter sei "erste Wahl". Das Geschäftsmodell von Smava basiert darauf, dass der Kreditnehmer eine einmalige Erfolgsgebühr zahlt. Gebühren für die Mitgliedschaft oder Kontoführung gibt es nicht.
Die Ursprünge
Vorreiter unter den Internetkreditbörsen war die britische Plattform Zopa. Sie begann 2005 mit der Vermittlung von Krediten. Ähnliche Marktplätze entstanden in den USA. Der US-Anbieter Prosper stieg seit dem Start im Februar 2006 schnell zum weltweit größten Kreditmarktplatz auf.
Allerdings gab es im letzten Jahr Ärger mit der Börsenaufsicht SEC. Die Behörde war der Meinung, dass über Prosper angebotene Kredite die amerikanischen Wertpapiergesetze verletzt hätten. Die Plattform wurde für neun Monate gesperrt. Seit diesem Sommer hat sie wieder geöffnet, jetzt mit dem Segen der SEC und neuen regulatorischen Auflagen. Nach eigenen Angaben hat Prosper bisher rund 180 Millionen Dollar vermittelt. In Deutschland nimmt die Finanzaufsicht Bafin die Kreditportale zwar zur Kenntnis, sieht aber offenbar keinen Anlass, diese schärfer zu kontrollieren.