Google beherrscht den US-Internetmarkt, den weltgrößten, mit einem Anteil von über 70 Prozent. Ginge es nach den Managern in Mountain View, soll das auch so bleiben. Zwar ist die Anzahl der Widersacher groß und die Liste der Angriffe lang. Deren Auswirkungen hielten sich bislang jedoch in Grenzen. Hier eine Übersicht über die jüngsten Bemühungen, Googles Monopolstellung zu knacken. Webbündnis zwischen Bing und News Corp. Sollte der geplante Pakt zwischen der Suchmaschine von Microsoft und Rupert Murdochs News Corp. greifen, könnte Bing seinen Marktanteil zwar vergrößern - müsste diesen Reichweitezuwachs aber teuer bezahlen. Am meisten könnte Murdochs Medienkonzern profitieren, der mit Mühe den Weg aus der Gratiskultur des Internets sucht. Die bisherigen Erfahrungen mit erkaufter Reichweite sind jedoch eher schlecht: Bislang hat es noch kein Suchdienst mittels erkaufter Zugriffe geschafft, seine Reichweite nachhaltig zu erhöhen. Ob es Microsoft besser gelingt, steht dahin. Zusammengehen mit
Italienisches Bündnis gegen Google Im Januar 2009 vereinten italienische Verlage die Kräfte gegen den mächtigen Suchmaschinenbetreiber in einem Bündnis, das Premium Publisher Network genannt wurde. Es launchte im April und stellt einen Versuch da, 50 redaktionell gesteuerte Sites in Italien gemeinsam zu vermarkten, darunter auch international bekannte wie La Repubblica, Corriere de la Sera, La Stampa und Oggi. Das PPN erreicht eigenen Angaben zufolge mittlerweile 55 Prozent aller italienischen Internetzugänge. Ziel des Bündnisses ist es, vor allem die Vormachtstellung von Google für Textanzeigen in Italien anzugreifen. Angriffsversuch durch Ask.com Schon 1996 als klassisches Start-up in Kalifornien gegründet, bewegte sich die Suchmaschine Ask.com lange im Fahrwasser von Google. Durch cleveres Bundling, also dem Verweben der Suche mit anderer Software, war Ask zumindest zeitweise ein nennensweiter Wettbewerber. In Deutschland machte sich der Suchanbieter einen Namen durch die Kooperation mit dem Internetportal Lycos. Spätestens mit dessen Ende ist Ask.com auch auf regionalen Märkten kein Gegner mehr für Google.
Microsofts Launch der MSN-Suche Der neuesten Attacke auf die Vorherrschaft ging eine - gescheiterte - aus dem Jahr 2004 voraus. Damals hatte Microsoft seinen Suchdienst MSN gelauncht. Zwar verlautbarte der Softwarekonzern schon kurz nach der Veröffentlichung der Suche, dass der MSN-Suchdienst fünf Milliarden Seiten indiziert habe, was sich in der gleichen Region wie Google mit acht Milliarden ansiedeln ließ. Dennoch scheiterte die Attacke kläglich - Gewöhnungseffekte und Qualität der Google-Suche waren damals so groß, dass sich keine nennenswerte Anzahl von Google-Nutzern begeistern ließ.
Angriff durch Echtzeitsuchen Eines der derzeit am stärksten diskutierten Suchkonzepte ist die sogenannte Echtzeitsuche. Dabei überspringt die Suchmaschine einen derzeit in der Regel vorkommenden Zwischenschritt: Nach Eingabe eines Suchbegriffs erscheint zunächst eine Linkliste, aus der sich der Suchende den augenscheinlich am besten passenden Link heraussuchen muss. Bei der Echtzeitsuche würde die Suche nach "Oscars" gleich eine Liste der Oscar-Gewinner auswerfen - und vor allem diejenigen Seiten, die im Sekundentakt aktualisiert werden, durchsuchen.
Die bisherigen Gehversuche wie Twitterfall und Tweetmeme nennen sich zwar Echtzeitsuchmaschinen, nehmen aber tatsächlich nur die Twitter-Dienste unter die Lupe. Ein weiterer Dienst heißt Oneriot, er findet zumindest aktuelle Artikel, wenn auch mit unklarem Kontextbezug. Die Microsoft Entwickler von Bing schrecken derzeit vom Angebot einer Echtzeitsuche zurück - sie wollen die Nutzer nicht verschrecken.
Indirekter Angriff durch Verlage Seit Jahresmitte versuchen von Deutschland aus rund 200 Verlage, Google Paroli zu bieten. In der "Hamburger Erklärung" verschrieben sich namhafte Printhäuser dem gemeinsamen Kampf gegen die illegale Nutzung von Texten und Bildern im Netz. Europaweit schloss sich eine Vielzahl von Verlagshäusern der Initiative zum Schutz geistigen Eigentums an. Allerdings ist der technische Aufwand groß, um Inhalte mit speziellen Suchprogrammen aufzuspüren. Noch größer ist der Aufwand, die Rechte zudem noch durchzusetzen.
Auch wäre der Erfolg bestenfalls gering: Laut einer Untersuchung der Beratungsfirma The Reach Group (TRG) hätten die Domains, die den 148 ersten Unterschreibern der Hamburger Erklärung angehören, einen Anteil von maximal fünf Prozent an Suchergebnissen auf der ersten Seite einer Google-Suchanfrage. Der Effekt ihres Wegfalls wäre also - nach rein rechnerischen Kriterien - gering.
Wie sich Google bislang wehrte
Der Suchmaschinenanbieter hat es bislang stets geschafft, die Angriffe gegen sein Kerngeschäft abzuschmettern. Allerdings leidet der Dienst im Grunde unter dem eigenen Erfolg - denn der Suchmaschinenbetreiber verdient sein Geld vor allem mit der Suche. Die anderen Geschäftszweige müssen ihren wirtschaftlichen Erfolg noch unter Beweis stellen.
Im Kerngeschäft erwies sich Google in der Vergangenheit aber als überaus erfolgreich. So kaufte der Suchmaschinenbetreiber Ende 2005 einen fünfprozentigen Anteil an dem damals noch wesentlich gesünder als heute dastehenden Onlinedienst AOL - und dehnte damit seine Reichweite erneut aus. Nichts weniger als ein massiver Gegenangriff auf Microsoft sind die jüngsten Pläne Googles, mit Hilfe von Chrome OS ein auf einem offenen Code basierendes Betriebssystem auf den Markt zu bringen. Sollte sich Chrome OS etablieren, öffnet sich im Zweikampf zwischen Microsoft und Google eine neue Front. Der Konzern aus Redmond hält dagegen - mit Windows 7.