Was den Strompreis treibt

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, Donnerstag, 19. November 2009, um 17:57 CET

Zum 1. Januar 2010 erhöhen mindestens 40 Stromanbieter ihre Preise um durchschnittlich fünf Prozent, darunter die Branchengrößen EnBW und Vattenfall . RWE (Xetra: 703712 - Nachrichten) und Eon (Xetra: ENAG99 - Nachrichten) halten die Preise weitgehend stabil, andere locken Kunden mit Nachlässen. Wie funktioniert das? FTD.de bringt Licht ins Dunkel. Nach Angaben der Bundesnetzagentur setzt sich der Strompreis aus vier Faktoren zusammen. Demnach besteht der größte Posten mit 41 Prozent aus staatlichen Abgaben und Steuern. Das beinhaltet eine Konzessionsabgabe als Entgelt für die Kommunen, eine Abgabe zur Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung und die Umlage nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Dazu kommen noch Öko- und Mehrwertsteuer.

31 Prozent des Strompreises gehen auf die Netznutzung zurück. Sie ist staatlich reguliert und deckt die Kosten für Übertragung und Verteilung des Stroms. Dies geschieht entweder durch externe Betreiber oder durch die Stromkonzerne selbst.

Die Energieerzeugung und der Vertrieb über einen Großhandelsmarkt wie die Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EXX) machen 24 Prozent des Strompreises aus. Auch die Gewinnmarge der Stromerzeuger wird davon abgedeckt. Ablesen und Abrechnung sind ebenfalls nicht umsonst: Die Dienstleistungen fließen mit vier Prozent in den Strompreis ein. Inbegriffen ist auch der Preis für den Stromzähler zu Hause. Jeder Versorger hat eine unterschiedliche Strategie. Normalerweise kaufen die Energieunternehmen für zwei oder drei Jahre im Voraus ein. Das bedeutet, dass sie jährlich die Hälfte beziehungsweise ein Drittel des zukünftigen Absatzes beschaffen. Momentan versuchen zahlreiche Versorger, die günstigen Konditionen zu nutzen und ihr Portfolio komplett neu aufzubauen.

Es könne passieren, "dass hohe Preise für eine längere Periode Bestand haben, weil der Versorger zu hohen Preisen eingekauft hatte", sagt Tobias Federico, Vorstand des Beratungshauses Energybrainpool. So geschehen bei EWE.

Der Versorger mit Sitz in Oldenburg hebt die Preise zum 1. Januar um bis zu 14 Prozent an. EWE hatte sich im Sommer 2008 eingedeckt, als der Jahreskontrakt bis zu 90 Euro kostete. Kurz darauf fiel der Preis um die Hälfte. "In dem Strom, den EWE an Privathaushalte verkauft, stecken auch Mengen, die EWE zu hohen Handelspreise 2008 eingekauft hat", gestand EWE-Vertriebschef Christian Haferkamp jüngst der FTD. Der Strompreis ist momentan saisonal betrachtet deutlich niedriger als in den Vorjahren. Als Indikator dient der Phelix-Base, der täglich an der EEX ermittelt wird und als Referenzgröße dient. Momentan kostet die Megawattstunde 33,40 Euro. Der Durchschnittspreis im November liegt bei 38,70 Euro.

Zum Vergleich: 2008 und 2007 hatten die Preise bei 62,60 Euro und 63,75 Euro notiert. Der Jahreskontrakt für 2010 liegt bei 46 Euro. Zum Vergleich: 2008 hatte er zeitweise bei 90 Euro notiert.

Grund dafür ist eine geringere Nachfrage. In Deutschland wurde in den ersten drei Quartalen sieben Prozent weniger Strom verbraucht als in der Vorjahresperiode. Wegen des wirtschaftlichen Abschwungs ist der Einbruch bei den Industriekunden besonders stark. Das Minus wird auf 12 bis 14 Prozent geschätzt.

Als weitere Faktoren werden geringere Rohstoffpreise angeführt. Entscheidend ist hierbei der Gaspreis. Sowohl in den USA als auch Europa gibt es aufgrund neuer Fördertechniken und verflüssigtem Erdgas (Liquified Natural Gas, LNG) derzeit ein Überangebot an Gas. Der Preis ist deshalb außergewöhnlich tief.

"Im Sommer schalteten Versorger sogar teilweise ihre Kohlekraftwerke ab und ließen die Gaskraftwerke laufen. Das ist ungewöhnlich", sagte Nadim Kaabour, Energiehändler bei Markedskraft. Gaskraftwerke bestimmen als Grenzkraftwerk häufig den Strompreis. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) verpflichtet Versorger zur Abnahme von Strom aus Energiequellen wie Wind, Sonne und Wasser. DIe Menge richtet sich nach der Abgabe an die Endverbraucher. Im Zuge der EEG-Novelle kommen zum 1. Januar Mehrkosten auf die Unternehmen zu. Die sogenannte EEG-Umlage, aus der die Mehrkosten von Ökostrom gegenüber konventionell erzeugtem Strom gedeckt werden, ist von 1,3 auf 2,05 Cent angehoben worden.

Mehrere Versorger nannten die EEG-Novelle als Grund für kommende Preissteigerungen, darunter Vattenfall . Der Konzern erhöht die Preise in Berlin und Hamburg um bis zu 8,9 Prozent. Das rechtfertige jedoch nicht "Erhöhungen von 1,5 oder 2 Cent je Kilowattstunde für den Verbraucher", sagt Energybrainpool-Chef Federico.

Auch die Netzentgelte würden nicht zwingend steigen. Denn die Übertragungsnetzbetreiber müssen nicht länger Windenergie abnehmen und verändert weiterleiten. Stattdessen werden die Windmengen über den Spotmarkt verkauft. "Das spart den Netzbetreibern eher Kosten", sagt Federico. Die Versorger gehen derweil von einer Erhöhung der Entgelte aus und führen auch das als Begründung für steigende Preise an. Nach Angaben des unabhängigen Verbraucherportals Verivox.de erhöhen mit EnBW und Vattenfall auch zwei der größten deutschen Versorger die Preise. Die beiden anderen, Eon und RWE , verzichten weitgehend darauf. Grund ist der aufkeimende Wettbewerb. Denn Versorger müssen um Marktanteile fürchten.

So sagte ein RWE-Sprecher der FTD, die Preise blieben bis in die zweite Jahreshälfte hinein stabil. Auch Preissenkungen seien nicht ausgeschlossen. Nach Angaben von Verivox.de haben bereits 28 Versorger sinkende Preise zum Jahreswechsel angekündigt, im Durchschnitt um 3,8 Prozent.