VW bläst zum Angriff auf Toyota & Co

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, Montag, 23. November 2009, um 12:00 CET

PEKING. Volkswagen (Xetra: 766400 - Nachrichten) hat sich zum Ziel gesetzt, weltweit den Weltmarktführer Toyota in den kommenden Jahren vom Thron zu stoßen. Jetzt bläst Europas größter Autobauer in China - dem wichtigsten Absatzmarkt der Branche für die Zukunft - zum Frontalangriff auf die japanische Konkurrenz. Mit einer Modelloffensive soll in den kommenden Jahren die Dominanz von Toyota in Südchina beseitigt werden. Die Ziele sind mutig: Bis 2018 soll der Volkswagenverkauf in den wohlhabenden Provinzen Südchinas von 150 000 Stück auf mehr als eine halbe Million wachsen, kündigte VW-China-Chef Winfried Vahland auf der heute beginnenden Automesse im südchinesischen Guangzhou an.

In der Industrie-Region zwischen Hongkong und Schanghai, die in den vergangenen Jahrzehnten einen besonders starken Wirtschaftsboom erlebt hat, ist bislang vor allem eine Hochburg der japanische Autohersteller. Um das zu ändern, will Volkswagen nicht nur seine Verkäufe in der Küstenregion verdreifachen, sondern dort soll auch der VW-Marktanteil auf das landesweite Niveau gebracht werden, so Vahland. Das ist eine klare Kampfansage: Volkswagen ist seit Jahren in China Marktführer.

Mit den Hauptmarken VW, Skoda und Audi (Xetra: 675700 - Nachrichten) bläst der Wolfsburger Konzern nun zur Südchina-Offensive. In den kommenden zwei Jahren wird Volkswagen laut Vahland 20 neue Modelle auf den Markt bringen - vor allem in den Südenprovinzen Hainan, Guangzhou, Shenzhen, Zhejiang, Fujian und Guangxi. Damit dürfte der Hersteller sein China-Absatzziel schneller erreichen als geplant. Bislang gilt die Vorgabe, dass Volkswagen bis 2018 jährlich zwei Mio. Fahrzeuge in der Volksrepublik verkaufen will. Dieses Ziel werde nun bereits "deutlich früher" erreicht, sagte Vahland zur Automesse.

Bereits in den ersten drei Quartalen hat der deutsche Hersteller mit einer Million Autos schon so viel Fahrzeuge verkauft wie im ganzen Vorjahr. In diesem Jahr dürfte Volkswagen rund 1,4 Mio. Autos in China verkaufen. Toyota konnte 2008 trotz eines Zuwachses um 17 Prozent in China lediglich 585 000 Fahrzeuge absetzen, dominiert aber vor allem die attraktive Südregion. Und wie auch Honda oder Nissan legen die China-Verkäufe der japanischen Hersteller ebenfalls momentan stark zu: Im Oktober verkaufte Toyota in der Volksrepublik 45 Prozent mehr Autos als vor einem Jahr.

Ausgelöst hat den jüngsten Boom auf dem größten Pkw-Markt der Welt die Regierung in Peking. China fördert mit seinem massiven Konjunkturprogramm besonders die Autoindustrie. So wird der Kauf von Kleinwagen erheblich mit Steuernachlässen und Subventionen angekurbelt. Erstmals wurden in der Volksrepublik bereits in den ersten zehn Monaten mehr als zehn Mio. Fahrzeuge (inklusive Nutzfahrzeuge) in einem Jahr verkauft. Experten rechnen nun für das Gesamtjahr zwölf Mio. Verkäufe.

Chinas Automarkt wurde in der Vergangenheit mit zweistelligen Zuwachsraten um die 20 Prozent verwöhnt, ab Mitte 2008 war die Nachfrage aber im Zuge der globalen Wirtschaftskrise zunächst deutlich gesunken. Volkswagen rechnet damit, die Verkäufe in China 2009 um mehr als ein Drittel zu steigern. "Wir wollen mindestens zehn Prozent über der Konkurrenzpositionierung liegen", so die Vorgabe von Vahland in Guangzhou.

Ausgeweitet werden soll auch das Händlernetz. Die Marke VW will dies von derzeit 800 auf mehr als 1500 Händler ausweiten. Bei Audi sollen sich die Zahl der Autohäuser auf mehr als 200 verdoppeln. Für die relativ neu in China eingeführte Marke Skoda soll das Netz auf mehr als 300 Händler ausgebaut werden.

Volkswagen hat in China zwei Gemeinschaftsunternehmen, einmal im Norden mit FAW sowie im Süden mit Shanghai Volkswagen Automotive Co (Saic). Mit diesen zwei Partnerunternehmen ist der deutsche Hersteller seit Jahren Marktführer auf dem stark zersplitterten chinesischen Automarkt. Im vergangenen Jahr lag der VW-Marktanteil bei 17,5 Prozent, Toyota kam in China auf einen Marktanteil von knapp zehn Prozent.

Angreifen will Vahland die japanische Konkurrenz auch bei alternativen Antrieben. Vor allem beim Hybridauto sind Toyota & Co in China bereits gut positioniert. "Wir wollen hier die gesamte Klaviatur des Konzerns spielen", sagte der VW-Manager zum Auftakt der Automesse. Er könne sich sehr gut Ein-Liter-Motoren bei VW-Modellen vorstellen. "Hier haben wir bereits einen großen Vorsprung vor den Japanern", so der China-Chef. Und das Elektroauto sei im China-Programm von Volkswagen "unbedingt" vorgesehen.