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Versicherer VIG gerät ins Zwielicht

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, Dienstag, 3. November 2009, um 17:06 CET

FRANKFURT/WIEN. Österreichs größter Versicherer hatte Anlegern über eine Tochtergesellschaft in Liechtenstein seit 2004 fondsgebundene Versicherungen verkauft, die in Genussrechte von Kieners K1 Invest Ltd. investierten.

Kiener war am vergangenen Donnerstag unter dem Verdacht des Betrugs und der Untreue verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 50-jährigen Psychologen vor, rund um den in der Karibik registrierten Hedge K1 Global Sub Trust-Fonds ein verzweigtes Netz an Firmen aufgebaut und Gelder für Luxusimmobilien in Florida, Flugzeuge und Helikopter abgezweigt zu haben. Er soll damit Banken wie Barclays (London: BARC.L - Nachrichten) , BNP Paribas (Paris: FR0000131104 - Nachrichten) , Societe Generale (Paris: FR0000130809 - Nachrichten) und JP Morgan eine Schaden von rund 400 Mio. Dollar beschert haben. Auch Anleger zittern um ihr Geld. Bei den Fonds der K1 Invest Ltd. mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln sind das immerhin 348 Mio. Euro, so Eigenangaben. In sie investierte auch die VIG-Tochter Vienna Life.

Sowohl die Vienna Life in Liechtenstein als auch der österreichische Mutterkonzern weisen jegliche Verantwortung von sich. Vienna Life sei nur für die Versicherung verantwortlich gewesen, K1 für die Performance. Zudem habe Vienna Life die Policen in Kooperation mit der Finanzaufsicht entwickelt, so VIG-Chef Günter Geyer. Der Schaden für den Versicherungskonzern liege bei zehn Millionen Euro, die Versicherung sei an etwa 1 600 Anleger verkauft worden.

In Liechtenstein gibt es genauso wie in Deutschland keine Vorschriften in welche Art Fonds Versicherungen investieren dürfen. Informiert waren die fürstlichen Finanzaufseher dennoch: Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, sollen deutsche Behörden ihre Kollegen vor Kiener gewarnt haben - vergeblich. Die Liechtensteinische Finanzaufsicht wollte sich dazu nicht äußern. In Wiener Finanzkreisen wird vermutet, dass der Versicherer mit den geschädigten Anlegern eine schnelle Einigung anstrebt. Die VIG könne sich einen größeren Reputationsschaden nicht erlauben, hieß es.

"Vienna Life hätte ihren Produktpartner auf jeden Fall prüfen müssen", sagt der Münchener Kapitalmarktrechtler Peter Mattil, "besser noch die Finger von Kiener lassen müssen." Stattdessen warb Vienna Life damit, "exklusiv" als "eines der ersten Unternehmen in Europa" mit der K1 Invest Ltd. Vienna Life Fonds Police das "Spektrum der herkömmlichen Investmentfonds um die Sparte der alternativen Investments" zu erweitern. Mindestens 2 500 Euro mussten Anleger dafür zahlen. "Bei Vienna Life hätten beim Namen Kiener und K1 auf jeden Fall die Alarmglocken schrillen müssen", sagt auch Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber, der Kiener seit langem beobachtet. Und der Versicherer hätte dafür noch nicht einmal detektivische Fähigkeiten gebraucht: Die deutsche Finanzaufsicht BaFin untersagte Kiener und K1 bereits seit 2001 immer wieder das Geschäft. Die Verbote sind auf der Homepage der BaFin zu finden.