Die US-Geheimdienste glauben trotz beunruhigender Berichte aus Teheran einem Medienbericht zufolge nicht, dass der Iran eine Atombombe entwickelt. Es gebe keine eindeutigen Beweise, dass Teheran beschlossen habe, an einer Bombe zu bauen, berichtete die "New York Times (NYSE: NYT - Nachrichten) " am Samstag. Sie berief sich dabei auf Geheimdienstkreise und Regierungsmitarbeiter. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte in ihrem am Freitag veröffentlichten Iran-Bericht hingegen festgehalten, dass der Iran seine Urananreicherung deutlich gesteigert habe.
Laut "New York Times" bestätigten jüngste Erkenntnisse die Einschätzung der Geheimdienste von 2007, dass der Iran sein Atomwaffenprogramm schon Jahre zuvor eingestellt habe. Der US-Geheimdienstdirektor James Clapper hatte Ende Januar gesagt, dass sich der Iran zwar noch alle Optionen offen halte. Es gebe aber keine Hinweise, dass Teheran eine Entscheidung getroffen habe, ein Programm zum Bau der Bombe zu beginnen.
Das beruhigende Urteil der US-Geheimdienste könnte mit der neuen Eskalationsstufe des Atomstreits zwischen Israel und dem Iran zusammenhängen. Teheran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Israels Regierung sieht das Programm als "existenzielle Bedrohung" und droht mit einem Militärschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen. Die USA und die EU setzen auf verschärfte Sanktionen. So sollen Öleinfuhren aus dem Iran in die EU ab spätestens zum 1. Juli eingestellt werden. Die Äußerungen der US-Geheimdienste stehen im Widerspruch zu einem vertraulichen Bericht, den IAEA-Chef Yukiya Amano am Freitag fertig gestellt hat. Darin heißt es laut Nachrichtenagentur dpa, dass der Iran seine Kapazitäten zur hochprozentigen Anreicherung von Uran (Frankfurt: A0J3GR - Nachrichten) verdreifacht habe. Bereits in seinem letzten Bericht im November (Stuttgart: A0Z24E - Nachrichten) hatte Amano (Other OTC: AMANF.PK - Nachrichten) darauf hingewiesen, dass der Iran in allen Entwicklungsschritten, die zur Herstellung von Atomwaffen nötig sind, aktiv ist. In dem neuen Bericht macht die IAEA erneut Angaben über die technische Ausstattung der Urananreicherungsanlagen in Fordo und Natans. Dpa meldet, dass das Land mindestens 100 Kilogramm Uran auf bis zu 20 Prozent angereichert hat. Das ist zwar weniger als die Hälfte dessen, was für die Herstellung eines atomaren Sprengkopfes nötig ist. Doch schon das nur bis zu fünf Prozent angereicherte Uran würde bei weiterer Verarbeitung ausreichen, vier Atomsprengköpfe zu bestücken. Die Analyse stellt Irans stete Behauptung, sein Nuklearprogramm sei ausschließlich friedlich ausgerichtet, damit abermals in Frage. IAEA-Chef Amano hält ausdrücklich fest, dass das Vorantreiben der Anreicherung den Resolutionen sowohl des Gouverneursrats als auch des Uno-Sicherheitsrats widerspricht.
Der Iran wertet den Bericht unterdessen positiv. Er beweise die "friedliche Natur" des Nuklearprogramms des Landes. Zudem reflektiere der Report die Fortschritte, die der Iran in der Nukleartechnologie gemacht habe, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Fars den IAEA-Botschafter des Landes, Ali-Asgar Soltanieh. Soltanieh sagte, was im IAEA-Bericht stehe, sei bereits früher von iranischer Seite bekanntgegeben worden. Dass den IAEA-Inspekteuren der Zugang zur Militärzone Parchin verweigert worden sei, habe technische Gründe gehabt. Darüber könne aber verhandelt werden. Der Iran wolle sowohl internationale Vorschriften einhalten als auch die Zusammenarbeit mit der IAEA fortsetzen, sagte Soltanieh. Teheran werde aber keine Zugeständnisse machen, wenn es um sein Recht gehe, Nuklearprogramme für zivile Zwecke voranzutreiben.





5 Kommentare