New York (dapd). Das verpatzte Facebook-Börsendebüt zieht immer weitere Kreise. US-Finanzaufseher untersuchen inzwischen, ob die Investmentbank Morgan Stanley lediglich einige handverlesene Kunden über einen negativen Analystenbericht über das soziale Online-Netzwerk informierte. Die Angelegenheit bereite "aus Regulierungssicht Sorge", sagte der Chef der Aufsichtsbehörde der Finanzindustrie (FINRA), Rick Ketchum, am Dienstag (Ortszeit).
Die Vorsitzende der US-Börsenaufsicht SEC, Mary Schapiro, kündigte ebenfalls Untersuchungen ihrer Behörde im Zusammenhang mit dem Börsengang vom Freitag an. Es gebe viele Gründe, den Märkten und ihrer Funktionsweise zu vertrauen. "Aber es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit Facebook."
Die Talfahrt des Aktienkurses von Facebook hat auch am Dienstag, dem dritten Handelstag, kein Ende genommen und bei Investoren Fragen über den Wert des Unternehmens aufgeworfen. Der Kurs stürzte um weitere 8,55 Prozent oder 2,91 Dollar auf einen Schlusswert von 31,12 Dollar (24,44 Euro) ab. Im Vergleich zum Ausgabekurs von 38 Dollar am Donnerstag ist das ein Verlust von über 18 Prozent. Lag der Börsenwert des Unternehmens am Freitag noch bei 104 Milliarden Dollar, so betrug er am Dienstag noch rund 85 Milliarden Dollar. Der Suchmaschinenbetreiber Google ist fast 200 Milliarden Dollar wert.
Das Börsendebüt ist zumindest mit Blick auf die ersten drei Handelstage das miserabelste für ein Unternehmen dieser Größenordnung in den vergangenen fünf Jahren. Das geht aus Daten des US-Anbieters Dealogic hevor, die das "Wall Street Journal" veröffentlichte. Unter den 24 Börsengängen seit 2007, die jeweils über eine Milliarde Dollar einsammelten, hätten nur acht die ersten drei Tage in der Verlustzone geendet und keines so tief wie Facebook.
Der Handel mit der Aktie hatte am Freitag über eine halbe Stunde später als geplant begonnen, weil die Software der US-Technologiebörse Nasdaq mit dem Ansturm nicht zurecht kam. Es habe "ganz klar Fehler" gegeben, sagte Nasdaq-Chef Robert Greifeld.
Morgan Stanley als Konsortialführer für das Facebook-Aktiendebüt teilte nach Bekanntwerden der Vorwürfe mit, man habe sich so verhalten wie bei anderen Börsengängen auch. Vorschriften seien dabei nicht verletzt worden, betonte die Investmentbank.
dapd

