ThyssenKrupp (Xetra: 750000 - Nachrichten) hat freie Bahn für den milliardenschweren Verkauf seines Edelstahlgeschäfts an den finnischen Stahlkonzern Outokumpu. Die Unternehmen einigten sich am Dienstag mit den mächtigen Arbeitnehmervertretern auf eine vierjährige Sicherung deutscher Standorte und Arbeitsplätze der ThyssenKrupp-Edelstahltochter Inoxum, die in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht wird. Daran soll ThyssenKrupp 29,9 Prozent halten.
Inoxum wird dabei mit 2,7 Mrd. Euro bewertet. Outokumpu (Düsseldorf: 472618.DU - Nachrichten) zahle zudem einen signifikanten Betrag, um Schulden von Inoxum abzulösen, teilte ThyssenKrupp mit. Mit dem Verkauf, dem der Aufsichtsrat von ThyssenKrupp am Nachmittag zustimmen soll, verschafft ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger dem Konzern Freiräume für neues Wachstum.
´So kann der Konzern nicht nur die Schulden senken, sondern erhält zudem Mittel für Investitionen in Wachstumsgeschäfte wie die Technologiesparte. Nach den Milliardenabschreibungen auf die neuen Stahlwerke in Übersee will er das Technologiegeschäft stärken, in dem ThyssenKrupp unter anderem Aufzüge, Maschinen und U-Boote herstellt. Jüngst hatte ThyssenKrupp mit seinem Brasilien-Debakel für Schlagzeilen gesorgt. Die neuen, 10 Mrd. Euro teuren Stahlwerke in Brasilien galten als Kern der Konzernstrategie: sollten günstig Stahl-Vorprodukte produziert werden, die dann im nordamerikanischen Stahlwerk weiterverarbeitet werden sollten. Doch Verzögerungen, Pannen und Missmanagement ließen die Kosten aus dem Ruder laufen. Der Konzern war im zurückliegenden Geschäftsjahr 2010/2011 mit einem Verlust von 1,8 Mrd. Euro tief in die roten Zahlen gerutscht.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen den Wert der neuen Werke um mehr als 2 Mrd. Euro reduzieren müssen. Ex-ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz war daraufhin aus dem Aufsichtsrat zurückgetreten. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ist kritischen Fragen der Aktionäre zu seiner Verantwortung für das Debakel bisher ausgewichen. Die Nachricht sorgte für Freunde bei den Anlegern: Die Aktie legte am Vormittag ordentlich zu und erreichte ein Tageshoch von 4,6. Die Aktie war damit größter Gewinner im DAX (Xetra: ^GDAXI - Nachrichten) . Die Outokumpu-Titel erreichten zeitweise ein Hoch von 4,9 in Helsinki, rutschten allerdings am späten Vormittag auf -2,2 Prozent ab. Zugleich wird der Weg frei für die lange erwartete Konsolidierung der Stahlbranche: Outokumpu und ThyssenKrupp schmieden den größten Edelstahlhersteller Europas. Zu den Wettbewerbern gehören die ArcelorMittal (Other OTC: ARCXF.PK - Nachrichten) -Abspaltung Aperam und die spanische Arcerinox. Der Deal muss noch von den Kartellbehörden freigegeben werden.
Stahproduktion in Bochum bis Ende 2016 gesichertDie Arbeitnehmervertreter hatten gedroht, ohne Zugeständnisse der Unternehmen die Verkaufspläne im Aufsichtsrat abzulehnen. Ein Verkauf gegen den Willen von Gewerkschaftern und Betriebsräten wäre eine schwere Hypothek für den traditionell auf einen Ausgleich mit den Arbeitnehmern bemühten Konzern gewesen. Die Vereinbarung der Unternehmen mit den Arbeitnehmern schließt betriebsbedingte Kündigungen bei der Edestahlfirma für vier Jahre aus. Jedoch müssen die Beschäftigten eine bittere Pille schlucken: Das Edelstahlwerk in Krefeld wird bis Ende 2013 geschlossen. Die Arbeitnehmervertreter standen jedoch unter dem Druck, ohne Vereinbarung mit Outokumpu mit leeren Händen da zu stehen. "Wir haben kein Ergebnis erreicht, das zum Jubeln Anlass bietet", sagte IG Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler. "Für die Beschäftigten und ihre Familien konnten wir aber Arbeitsplätze, Einkommen und Perspektiven absichern", fügte der Gewerkschafter hinzu, der auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats von ThyssenKrupp ist.
Inoxum beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Ein großer Standort ist neben Krefeld auch Bochum. Diesem Werk drohte in den Verhandlungen das Aus. Die Stahlproduktion soll hier der Vereinbarung zufolge nun aber mindestens bis Ende 2016 fortgeführt werden. Inoxum hatte im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 14 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro gesteigert. Allerdings lag der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit 15 Mio. Euro nur knapp über der Null-Linie.





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