GENF (A038920.KQ - Nachrichten) . Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger bei Genf hat einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung der Erforschung der innersten Tiefen der Materie geschafft. Protonenstrahlen schossen am Montag mit hoher Geschwindigkeit in entgegengesetzter Richtung durch die 27 Kilometer lange Anlage unter der schweizerisch-französischen Grenze. Bereits innerhalb der kommenden zehn Tage könnten erste Protonenkollisionen simuliert werden, erklärten Vertreter des Europäischen Kernforschungszentrums (CERN).
Die am Wochenende nach mehr als einjährigen Reparaturarbeiten im zweiten Anlauf gestartete Anlage hat demnach fast ihren Vollbetrieb erreicht. Wissenschaftler erhoffen sich von der Auswertung der Daten der Protonenkollisionen Hinweise über die Entstehung des Universums, Antimaterie und den Ursprung der Materie selbst. Unter anderem soll auch ein bislang nur theoretisch bestimmbares Teilchen der Elementarphysik, das Higgs-Boson, nachgewiesen werden, das anderen subatomischen Teilchen Masse verleiht - und damit allem im Universum. Das Experiment der Protonenkollision beruht auf der Theorie des Urknalls, englisch "Big Bang".
Die Experten rechnen vor nächstem Jahr nicht mit ersten Ergebnissen. Der Nachweis des Higgs-Boson etwa könnte mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Der Large Hadron Collider (LHC) wird vorerst auch nur mit gedrosselter Energie betrieben. Erst im nächsten Jahr sollen die Protonen mit 3 500 Gigaelektronenvolt zirkulieren - 3,5 Mal so stark wie der bislang größte Teilchenbeschleuniger Fermilab bei Chicago. In der maximalen Stärke sind dann sogar 7 000 Gigaelektronenvolt möglich.
Die vier Mrd. Euro teure Anlage wurde bereits im September vergangenen Jahres gestartet, musste aber wegen eines Defekts bereits nach 36 Stunden wieder außer Betrieb gesetzt werden. Reparaturen und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen kosteten seither rund 27 Mio. Euro.