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LONDON. Finanzmarktaufseher warnen eindringlich davor, die Arbeit an einer strengeren Bankenregulierung einzustellen. "Angesichts der derzeitigen Entspannung vergessen wir das dramatische Ausmaß der Krise", sagte der designierte Präsident der Schweizer Nationalbank, Philipp Hildebrand, gestern auf einer Konferenz der britischen Finanzaufsicht Financial Services Authority (FSA) in London. "Das birgt die große Gefahr, dass wir jetzt zu wenig gegen die Auslöser der Krise unternehmen und eine erneute Krise heraufbeschwören."
FSA-Chef Adair Turner sieht derzeit vor allem ein Problem, das die Finanzaufseher angehen sollten: "Wir müssen eine Lösung finden, wie man mit Banken umgeht, die so groß und so komplex sind, dass sie im Notfall stets durch den Staat gerettet werden", forderte Turner. "Too big to fail" heißt das Problem im Fachjargon. Weil sich große Banken darauf verlassen könnten, dass sie vom Staat aufgefangen würden, hätten sie im Boom hohe Anreize, übermäßige Risiken einzugehen. Diesen Mechanismus sehen viele Beobachter als eine Ursache für die Finanzkrise.
Im Kampf gegen die akute Krise haben die Staaten das Problem noch verschärft. Sie haben Banken oft zur Übernahme angeschlagener Wettbewerber gedrängt. So haben sich Finanzkolosse wie die Bank of America (NYSE: IKJ - Nachrichten) oder JP Morgan Chase noch vergrößert - ebenso wie die britische Lloyds, die den Hypothekenfinanzierer HBOS übernommen hat.
Derzeit arbeitet vor allem die britische Regierung daran, den Bankenmarkt neu zu restrukturieren und Kreditinstitute wie Lloyds und Royal Bank of Scotland (London: RBS.L - Nachrichten) (RBS) aufzuteilen. Beide Banken gehören zu den größten Nutznießern der staatlichen Rettungsprogramme. Nun werden die Institute wohl Teile ihres Geschäfts abstoßen müssen. Wie gestern aus Finanzkreisen verlautete, wird die RBS sich wohl auch ihr Investmentbankgeschäft verkleinern und damit tiefere Einschnitte hinnehmen müssen als bislang erwartet. Der britische Finanzminister Alistair Darling wird voraussichtlich noch in dieser Woche Details zur neuen Struktur des Bankenmarkts vorlegen.
Mit dem Umbau reagiert die Regierung unter Gordon Brown auf den wachsenden Druck der EU-Wettbewerbshüter und offenbar auch auf die Debatte im eigenen Lande. So hatte der britische Notenbankpräsident Mervyn King jüngst vorgeschlagen: Geldhäuser, die so groß sind, dass sie im Notfall vom Staat gerettet werden müssen, sollten aufgespalten werden. Diskutiert wird eine Teilung in systemrelevante Universalbanken, die der Staat im Notfall auffängt, und riskante Investmentbanken, die sich selbst überlassen werden könnten.
FSA-Chef Turner sieht dagegen neue Risiken, die bei einer solchen Aufspaltung entstehen könnten. "Es gibt nicht eine einzelne Maßnahme, mit der man das "too big to fail"-Problem auf einen Schlag lösen könne", sagte er, "sondern ein ganze Reihe von Ansätzen". So sollen Großbanken größere Eigenkapital- und Liquiditätspolster bilden als andere Institute. In Zukunft soll auch die Gefahr, die der Kollaps einer Bank für die Stabilität des Finanzsystems spielt, für die Höhe ihrer Reserven mitentscheidend sein.
Darüber hinaus drängt die FSA darauf, die Strukturen von großen Instituten zu vereinfachen. Dann fiele es kleineren Staaten leichter, das nationale Geschäft einer Bank zu retten. Sie müssten nicht dem kompletten Konzern unter die Arme greifen und sich so möglicherweise übernehmen.
Die Bankenbranche wehrt sich gegen diese Debatte: "Eine Fragmentierung des Marktes ist keinesfalls von Vorteil, im Gegenteil", sagte Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) und Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF auf der FSA-Tagung. "Größere Banken haben - gesamtwirtschaftlich betrachtet - mehr Vorteile als Nachteile." Sie seien effizienter und könnten die Bedürfnisse großer Kunden besser befriedigen.