RHEINAU-LINX. Zwischen den Weinbergen am Rande des Schwarzwalds und den vielen Obstgärten nahe am Rhein bei Kehl lässt sich gut leben, essen und trinken - und wohl auch wohnen. Dies jedenfalls muss sich Hans Weber gedacht haben, als er Anfang der 60er-Jahre eine Fertighausfabrik in Rheinau-Linx mitten in die badische Provinz bauen ließ. Dass er den Fertigbau von Skandinavien nach Deutschland gebracht hat und den Bau von Einfamilienhäusern damit revolutionierte, weist er aber bescheiden zurück. "Ich hatte 800 DM Startkapital und habe damit Lizenzen aus Skandinavien gekauft", sagt der gelernte Zimmermann. Es reichte, um Weberhaus aufzubauen, einen der größten Fertighaushersteller in Deutschland.
Im Jahr 1960 hat sich Hans Weber selbstständig gemacht und seine ersten drei Fertighäuser in Lizenz gebaut. Dabei setzt er gleich Maßstäbe: Ein Edelputz sorgt dafür, dass die Fertighäuser wie konventionelle Häuser aussehen. 2010 feiert Weberhaus das 50. Firmenjubiläum.
Pionier in Sachen Marketing errichtet Freizeitpark
Stolz führt der 73-jährige Seniorchef Gäste durch seine Fertighauswelt. Direkt gegenüber dem Werk hat er im Jahr 2000 mit der "World of Living" eine Art Freizeitpark errichten lassen und war damit ein Pionier in Sachen Marketing, lange bevor Autokonzerne die Idee abkupferten und gläserne Manufakturen errichteten: Das sinnliche Erlebnis als besonderes Marketinginstrument.
Zwischen den alten, hohen Bäumen eines ehemaligen Kasernengeländes präsentiert Weberhaus seine Welt des Wohnens. Die hat er sich 20 Mio. Euro kosten lassen. Heute strömen jährlich Zehntausende auf das riesige Areal und können sich in einer virtuellen Präsentation zur Kultur des Wohnens wie Höhlenmenschen oder alte Römer fühlen, aber auch tagen, feiern und ein dutzend Ausstellungshäuser besichtigen, wie zum Beispiel das erste serienreife Null-Heizenergie-Haus.
Doch trotz großer Tradition und vieler Innovationen: Bau- und Finanzkrise sind an Weberhaus nicht spurlos vorübergezogen. Seine Hochzeit hatte das Unternehmen in den 70er- bis 90er-Jahren, als jährlich 1 000 Häuser die Werke verließen. Dreistellige Wachstumsraten waren bis dahin an der Tagesordnung, schwarze Zahlen keine Frage. 1994 wurde mit 410 Mio. DM (London: DMP.L - Nachrichten) der höchste Umsatz der Firmengeschichte erzielt. Doch zuletzt kämpfte Weberhaus mit Verlusten. Nur noch 600 Häuser werden jährlich gebaut. Mit 870 Mitarbeitern lag der Umsatz 2008 bei 140 Mio. Euro. Einst beschäftigte Weberhaus 1 000 Mitarbeiter.
Damit spielt Weberhaus aber in der Branche immer noch vorne mit. Viele Konkurrenten haben die energetischen Innovationen im Fertighausbau längst aufgegriffen. Konkurrent Schwörer Haus hat Weberhaus inzwischen von der Top-1-Position in der Branche verdrängt. Das schwäbische Unternehmen Schwörer baut mit 1 750 Mitarbeitern 1 000 Häuser jährlich und hat inzwischen 32 000 Einfamilienhäuser in Holzbauweise errichtet. Der Umsatz ist zwar von 250 auf 230 Mio. Euro im Jahr 2008 gesunken, liegt aber deutlich höher als bei Weber.
Schwiegersohn kommt als Nachfolger nicht zum Zuge
Eigentlich wollte sich Hans Weber im Jahr 2004 aus dem operativen Geschäft verabschieden. Künftig wollte er sich um repräsentative Aufgaben kümmern und nur noch beratend zur Seite stehen. Mit Ralph Mühleck, früher Projektmanager bei der Unternehmensberatung Roland Berger, hatte Webers Schwiegersohn das Ruder übernommen. Doch angesichts der Krise und der Unruhe im Unternehmen im Zuge der Sparmaßnahmen hat es sich "der Alte", wie ihn langjährige Mitarbeiter nennen, anders überlegt und blieb.
In der Branche halten sich seitdem hartnäckig Gerüchte, dass es Reibungen zwischen dem Patriarchen und seinem Nachfolger gibt. Nach außen aber wird Einigkeit demonstriert: "Wir sind ein gutes Team (NASDAQ: TISI - Nachrichten) , Herr Dr. Mühleck und ich", sagt Weber. Doch gleichzeitig schimpft er über abgehobene Konzernvorstände, die vor der Universität noch ein Handwerk lernen sollten, um sich besser in die Lage der arbeitenden Bevölkerung versetzen zu können.
Wie dem auch sei, die Sparanstrengungen gingen wohl manchem zu weit und sorgten für jede Menge Unruhe im Betrieb. Hieß es doch von liebgewordenen Gewohnheiten Abschied nehmen, wie etwa kostenlosem Brennholz. Die Holzabfälle werden nun in der Firma verheizt. Auch die eigene Spedition hat Weberhaus gestrichen. Denn das Unternehmen musste ihren Fahrern die hohen Bautarife zahlen. Es regierte der Rotstift, wie man es sonst nur von Konzernen kennt. Von der gerne zitierten "besonderen Kultur in Familienunternehmen" war kaum noch die Rede.
Die Lage des Unternehmens hat sich wieder stabilisiert
Inzwischen hat sich die Lage des Unternehmens stabilisiert. "Wir werden 2009 wieder Gewinn erzielen", sagt Weber. Die Zahl der Mitarbeiter sei auf 800 reduziert worden. Der Umsatz werde bei 130 Mio. Euro liegen. Dem derzeitigen Auftragsbestand zufolge peile Weberhaus für 2010 die gleiche Umsatzhöhe an. Im Frühjahr 2010 werde das Weber-Haus Nummer 30 000 gebaut.
Gerade rechtzeitig haben sich die Rahmenbedingungen für Häuslebauer verbessert. Ein historisch niedriges Zinsniveau und die steigenden Energiepreise führen dazu, dass vermehrt in Wohneigentum investiert wird. Im Vergleich zu anderen Anlageformen sei Wohneigentum eine verlässliche Wertanlage, so Weber.
Stichwort: Fertighausbaumarkt
Krisenfest
Laut der Herbstumfrage des Fertigbauverbands BDF erwarten die 45 Mitgliedsunternehmen nach einem schwachen Vorjahr für das Jahr 2009 sowohl steigende Umsätze als auch eine höhere Zahl an gebauten Häusern. Danach wird mit einem Umsatzplus beim Bau von Fertighäusern in diesem Jahr um 4,6 Prozent auf rund 1,2 Mrd. Euro gerechnet. Die Anzahl der gebauten Häuser steigt um 7,6 Prozent auf knapp 7 000. Die Fertigungskapazitäten seien für das nächste halbe Jahr ausgelastet.
Erfolgsursache
BDF-Präsident Detlef Bühmann führt die positiven Zahlen der Branche auf die energiesparende Bauweise der Fertighausunternehmen zurück. Die hervorragenden Dämmeigenschaften von Holz würden immer mehr Bauherren erkennen, meint er. Ursächlich für Investitionen in den Wohnungsbau dürften aber auch die historisch niedrigen Zinsen und die Wertbeständigkeit von Immobilien sein.
Marktanteile
Besonders hoch ist laut BDF der Marktanteil der Fertigbauweise in Baden-Württemberg, gefolgt von Rheinland-Pfalz. In beiden Regionen ist etwa jedes vierte neugebaute Einfamilienhaus ein Fertighaus. Bundesweit liegt der Marktanteil für Fertighäuser seit Jahren stabil bei 15 Prozent.
Marktstrukturen
Der Markt der Häuslebauer wird traditionell von vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt, darunter zahlreiche Familienunternehmen, wie Weberhaus, Schwörer Haus, FingerHaus oder Streif.