Rund 5 Mrd. $ pumpte Großinvestor Warren Buffett im Krisenherbst 2008 in die US-Bank Goldman Sachs - ein Jahr später notieren die Aktien gut 50 Prozent im Plus. Damit nicht genug: Zusätzlichen Gewinn bringen die Optionen auf Goldman-Stammaktien zu 115 $ - derzeit notiert die Aktie bei rund 172 $. Auch ohne Kursfeuerwerk hätte sich die Beteiligung gerechnet. Denn wie bei fast all seinen Investments setzt Buffett auch bei diesem Geschäft auf Dividenden - in diesem Fall eine Garantieausschüttung von zehn Prozent.
Von solchen Konditionen können Privatanleger nur träumen. Aber auch ohne Buffett-Bonus sind die Ausschüttungen der Unternehmen langfristig ein wichtiger Renditebringer. Analysten der LBBW beziffern den Anteil der Dividenden an der Gesamtrendite auf 45 Prozent im Schnitt der vergangenen 20 Jahre. "Mit Blick auf das aktuelle Marktumfeld sollten Dividendenwerte auch in den kommenden Jahren zu den Gewinnern gehören", glaubt Berndt Maisch von LBBW Asset Management. Und nennt dafür einige Gründe: Die Leitzinsen seien am Boden, Rentenmärkte wenig attraktiv - selbst die Risikoprämien für Unternehmensanleihen seien nach dem Boom wieder zusammengeschmolzen. "Zudem liegen die Dividendenrenditen vieler Aktien deutlich über den Renditen der korrespondierenden Unternehmensanleihen", meint Maisch.
Dividende gut, alles gut? "Das wäre zu kurz gedacht", sagt Bert Flossbach, Vorstand von Flossbach & von Storch Vermögensmanagement. Nur wer nachhaltig hohe Ausschüttungen durch stabile Erträge und ein profitables Geschäftsmodell erwirtschaftet, schafft es auf die Kaufliste des Profis. Warum, hat sich im Jahr 2008 gezeigt. Finanzaktien boten zu Beginn der Hauptversammlungssaison die höchsten Dividendenrenditen. Folge: Wer ausschließlich auf diese eine Kennzahl setzte, war in Finanzwerten deutlich übergewichtet und wurde gleich doppelt gebeutelt: Die Kurse der Krisenbranche implodierten - und die Dividenden wurden größtenteils komplett gestrichen. So fiel auch der DivDax (Xetra: Nachrichten) als Index mit den 15 dividendenstärksten Aktien des Dax (Xetra: Nachrichten) in der Finanzkrise hinter den Leitindex zurück.
Das Beispiel zeigt: Ganz ohne Risiken ist die Dividendenstrategie nicht. Eine hohe Ausschüttungsrendite ergibt sich, wenn die Dividende steigt. Aber eben auch, wenn der Aktienkurs einbricht - und gerade dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Unternehmen die Zahlung streicht. Flossbach betrachtet bei der Auswahl neben der Dividendenrendite deshalb gleich ein ganzes Bündel anderer Kennzahlen. Die wichtigsten: freier Cashflow, Bilanzqualität, Verschuldung - aber auch die Auszahlungsquote sowie die Stabilität des Geschäftsmodells.
Ein gutes Renditepotenzial sieht der Profi aktuell vor allem bei nichtzyklischen Konsumwerten wie Nestlé , Coca-Cola , Unilever (London: ULVR.L - Nachrichten) oder Danone (Paris: FR0000120644 - Nachrichten) . "Die Aktien haben in der Krise weniger verloren, aber seit März auch nicht sonderlich vom Anstieg profitiert", sagt Flossbach, der einen Favoritenwechsel bei den Investoren beobachtet hat: weg von schnellen Renditebringern, hin zu mehr Substanz: "Zuletzt ist der Markt um fünf Prozent gefallen, die Aktie von Nestlé jedoch hat zehn Prozent zugelegt." Auch Maisch, Manager des LBBW Dividenden Strategie Euroland, sieht Sektoren mit geringer zyklischer Abhängigkeit im Vorteil. So liefern Konsum- und Telekomwerte stabile Ergebnisse und verlässliche Dividenden ab, ebenso Versorger wie Eon (Xetra: ENAG99 - Nachrichten) oder RWE (Xetra: 703712 - Nachrichten) . Auch die Chemiebranche überzeugt den Fondsmanager. "Ob Automobil, Konsum, Chemie oder Bau: Dank der gut diversifizierten Kundenstruktur und einer soliden Bilanzstruktur kann BASF Konjunkturtrends gut abfedern und damit Risiken reduzieren", glaubt Maisch.
Wichtig: Die Regelmäßigkeit der Ausschüttung festigt das Vertrauen. "Unternehmen, die Dividenden kürzen oder streichen, müssen mit einem Abzug der Anleger rechnen", weiß Thomas Schüssler, der für die Deutsche Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) den DWS Top Dividende managt. Klar ist aber auch: Ausgeschüttet werden kann langfristig nur das Geld, das verdient wird. Stabile Cashflows sind deshalb der beste Schutz vor bösen Überraschungen. Auch eine nicht zu hohe Ausschüttungsquote senkt die Risiken - weil ein Minus bei den Gewinnen nicht automatisch auf die Dividende durchschlägt.
Anleger, die das Einzelwertrisiko vermeiden möchten, setzen auf Fonds oder ETFs. Die kostengünstigen passiv gemanagten Indexfonds haben in der Krise allerdings auch ihre Schattenseiten gezeigt. Denn Indizes wie der Euro Stoxx Select Dividend 30 oder der DivDax der Deutschen Börse (Xetra: 581005 - Nachrichten) werden nur einmal jährlich im März beziehungsweise September neu zusammengesetzt. Passen Unternehmen ihre Prognosen in der Zwischenzeit an, können die Indexmacher darauf nicht reagieren.
Aber auch die aktiven Dividendenfonds mussten im Zuge der Finanzkrise kräftig Federn lassen. "Dividendenwerte sind in erster Linie Aktien - und die sind immer riskant", sagt Schüssler. Allerdings waren auch die meisten Fondsmanager zumindest in den ersten Krisenmonaten noch in Banken übergewichtet. So verlor der Vier-Sterne-Fonds der LBBW, jahrelang einer der stärksten Europa-Fonds überhaupt, auf Sicht von drei Jahren im Schnitt 9,3 Prozent pro Jahr; der Fünf-Sterne-Top-Dividende der Deutschen Bank verlor jährlich im Schnitt knapp fünf Prozent, und auch Jens Ehrhardts DJE - Dividende & Substanz hat Anleger auf Sicht von drei Jahren nicht vor Miesen bewahrt. Alle drei Fonds jedoch haben den Gesamtmarkt übertroffen. Zum Vergleich: Der marktbreite MSCI World hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 30 Prozent verloren.