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    Roubini - Erholung der Weltwirtschaft rückt in die Ferne

    Nouriel Roubini ist Ökonomieprofessor an der New York University und Mitverfasser des Buches "Das Ende der Weltwirtschaft und ihrer Zukunft: Crisis Economics"

    Seit Ende letzten Jahres hat eine Reihe positiver Entwicklungen das Anlegervertrauen gestärkt und zu einer steilen Erholung bei riskanten Anlagewerten geführt, wobei globale Aktien und Rohstoffwerte den Anfang machten: Die gesamtwirtschaftlichen Daten aus den USA haben sich verbessert, die Blue-Chip-Unternehmen in den hoch entwickelten Ländern sind weiter hochprofitabel, in China und den Schwellenmärkten war lediglich eine moderate Abschwächung zu verzeichnen, und das Risiko einer ungeordneten Zahlungsunfähigkeit einiger Länder der Euro-Zone und ihres Ausstiegs aus der Währungsunion hat sich verringert. Zudem scheint die Europäische Zentralbank (EZB) bereit zu sein, den auf dem Bankensystem und den Regierungen der Euro-Zone lastenden Druck zu verringern und die Zinsen zu senken. Die Notenbanken sowohl in den hoch entwickelten Ländern als auch in den Schwellenvolkswirtschaften haben für massive Liquiditätsspritzen gesorgt. Die Volatilität ist gefallen, das Vertrauen gestiegen, und die Risikoaversion hat deutlich abgenommen - fürs Erste.

    Dennoch könnten in diesem Jahr zumindest vier Risiken Realität werden und das weltweite Wachstum schwächen, das Verbrauchervertrauen und die Marktbewertungen riskanter Anlagen durchaus negativ beeinflussen. Erstens steckt die Euro-Zone in einer tiefen Rezession, vor allem an der Peripherie, aber inzwischen auch in den Kernländern; jüngste Daten zeigen einen Produktionsrückgang in Deutschland und Frankreich. Die Kreditverknappung im Bankensystem nimmt an Schwere zu, da sich die Banken entschulden, indem sie Vermögenswerte verkaufen und ihre Kreditvergabe einschränken. Das verschärft den Abschwung. Zugleich ist es nicht allein die Sparpolitik, die die Euro-Länder an der Peripherie wirtschaftlich in den freien Fall versetzt. Vielmehr wird sich der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit dort fortsetzen, weil die schwindende Aussicht auf ungeordnete Zahlungsausfälle den Wert des Euro in die Höhe treibt. Um in diesen Ländern Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum wiederherzustellen, muss der Euro in Richtung Dollar-Parität fallen. Und die derzeit schwindende Gefahr eines ungeordneten Zusammenbruchs Griechenlands wird im weiteren Jahresverlauf wieder zunehmen, wenn politische Instabilität, Bürgerunruhen und weitere Sparmaßnahmen die griechische Rezession in eine Depression verwandeln.

    Teil 2: Geopolitische Risiken im Nahen Osten

    Zweitens gibt es jetzt Anzeichen für eine Abschwächung der Entwicklung in China und im übrigen Asien. Nicht nur ist das Exportwachstum deutlich zurückgegangen. Auch das Importwachstum - ein Hinweis auf die künftige Exportentwicklung - ist gesunken. Zudem beginnen die Eigenheimpreise zu fallen, und die Investitionen in die Infrastruktur gehen zurück. Anderswo in Asien sieht es kaum besser aus: Die Volkswirtschaft von Singapur ist Ende 2011 zum zweiten Mal innerhalb von drei Quartalen geschrumpft. Die indische Regierung prognostiziert für 2012 ein jährliches BIP-Wachstum von 6,9 Prozent; das wäre der niedrigste Wert seit 2009. Die taiwanische Volkswirtschaft ist im vierten Quartal 2011 in eine technische Rezession gerutscht. Die südkoreanische Volkswirtschaft wuchs im selben Zeitraum um lediglich 0,4 Prozent - so langsam wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das japanische BIP ist um 2,3 Prozent und damit starker als erwartet geschrumpft, da die Stärke des Yen auf den Export drückt.

    Drittens scheint Amerikas Wachstumsdynamik nun ihren Höhepunkt zu erreichen. Die restriktive Fiskalpolitik wird sich 2012 und 2013 noch verschärfen und - wie das Auslaufen der Steuererleichterungen - zum Abschwung beitragen. Zudem wird sich der private Konsum angesichts der anhaltenden Malaise auf den Kredit- und Wohnungsmärkten weiter in Grenzen halten; tatsächlich spiegeln zwei Prozentpunkte des 2,8-prozentigen Anstiegs im letzten Quartal 2011 nur steigende Lagerbestände wider. Viertens schließlich steigen die geopolitischen Risiken im Nahen Osten. Die Angst vor einer militärischen Antwort Israels auf die nuklearen Ambitionen des Iran ist real. Zumindest der verbale Konflikt als auch der heimliche Krieg, den Israel und die USA gegen den Iran führen, eskalieren bereits, der Iran wehrt sich mit Terroranschlägen gegen israelische Diplomaten.

    Die Islamische Republik, die mit dem Rücken zur Wand steht, könnte auch anders reagieren, zum Beispiel indem sie die Straße von Hormus blockiert oder ihr nahe stehende Kräfte in der Region - die proiranischen Schiiten im Irak, in Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien sowie die Hisbollah im Libanon und die Hamas im Gazastreifen - von der Leine lässt. Zudem hat der Arabische Frühling zwar in Tunesien zu relativ günstigen Ergebnissen geführt, aber die Entwicklungen in Ägypten, Libyen und im Jemen bleiben deutlich unsicherer, während Syrien am Rande eines Bürgerkriegs steht. Es gibt also einige Dinge, die im Nahen Osten schiefgehen könnten. Und ein Zusammenwirken mehrerer davon könnte zu deutlich höheren Ölpreisen führen. Trotz schwachen Wirtschaftswachstums in den hoch entwickelten Volkswirtschaften und des Konjunkturabschwungs in vielen Schwellenmärkten steht der Ölpreis schon jetzt bei etwa 100 Dollar pro Barrel. Der Angstaufschlag könnte ihn noch deutlich weiter in die Höhe treiben. Angesichts derart vieler Risiken an so vielen Stellen werden die Anleger, was kaum überraschen dürfte, letzten Endes auf Liquidität setzen und, wenn diese Risiken Realität werden, die riskanteren Sachanlagen wieder fallen lassen. Dies ist nur ein weiterer Grund, anzunehmen, dass die Weltwirtschaft von einer ausgewogenen, nachhaltigen Erholung noch weit entfernt ist.

     

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