Wenn Eltern ihre Kinder dazu auffordern, dass sie sich mehr in der Schule anstrengen und im Haushalt helfen sollen, nervt die Jugendlichen das gewaltig. Wenn zudem das Taschengeld nicht reicht, belastet das zusätzlich. So ähnlich muss sich zurzeit die Führung von Nokia Siemens Networks (NSN) fühlen: Der Netzwerkausrüster verdirbt seinen Muttergesellschaften die Bilanzen und hat nun bereits die zweite Niederlage in einer Nortel -Versteigerung hinnehmen müssen. Die Geschäftsfelder Optische Netzwerke und Ethernet des insolventen Rivalen sichert sich US-Ausrüster Ciena für 769 Mio. $. NSN geht wieder leer aus.
Nokia Siemens Networks ist zum Wachstum verdammt. Anders als etwa ein Hersteller von Unterhaltungselektronik kann das Unternehmen nicht einfach seine Produktpalette ausmisten. Nur wenn Netzwerkausrüster Technik auf dem aktuellsten Stand anbieten können oder wenigstens günstiger sind als die Wettbewerber, werden sie für Kunden wie Telekomkonzerne interessant. Diese fordern etwa Ausrüstung zum Bau von Mobilfunknetzen an oder lagern gleich den gesamten Netzbetrieb aus.
Die Unternehmen setzen zunehmend auf chinesische Ausrüster wie ZTE und Huawei. Die sind billiger und können mittlerweile zum Teil auch technologisch Schritt halten. So drängen sie die europäischen Wettbewerber ins Service- und Softwaregeschäft ab.
Die Folge: Im dritten Quartal hat Huawei der US-Marktforschungsfirma Dell'Oro zufolge erstmals Nokia Siemens Networks von Platz zwei der weltgrößten Netzwerkausrüster verdrängen können.
Während die Chinesen unterstützt vom Staat den Weltmarkt aufrollen und stetig Marktanteile hinzugewinnen, fährt NSN ebenso wie Branchenprimus Ericsson einen harten Sparkurs. Bis 2011 will das Gemeinschaftsunternehmen pro Jahr 1 Mrd. Euro einsparen, aus derzeit fünf Sparten sollen drei werden. Den Konzernmüttern Nokia und Siemens bleibt nur Warten auf Besserung: Die Zusammenarbeit ist noch bis 2013 schriftlich fixiert, potenzielle Käufer sind nicht in Sicht.
Das defizitäre Joint Venture ist weder Technologie- noch Preisführer und gilt somit nicht als Wertanlage. Gleichzeitig verpatzt Nokia Siemens Networks die Chance, den eigenen Wert über Zukäufe zu steigern: NSN gelang es bislang nicht, sich aus Nortels Insolvenzmasse zu bedienen und so das schwache US-Geschäft zu stärken. Erst im Juli hatte Ericsson in letzter Minute das Rennen um Nortels Mobilfunkgeschäft für sich entschieden.
"Was NSN fehlt, ist eine Expansionsstrategie", weiß Gesamtbetriebsratschef Georg Nassauer. Von Nortel ist kaum mehr etwas zu holen. Jetzt kommt noch der alte Mobilfunkstandard GSM unter den Hammer. NSN gilt als potenzieller Bieter.
Mitarbeit: Thomas Wendel