Ehingen (dapd). Die verzweifelte Investorensuche bei der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker läuft auf Hochtouren, während das Unternehmen selbst immer schlanker wird. Nach der tschechischen Auslandsgesellschaft hat Schlecker auch die französische Tochter veräußert. Der Verkauf hat laut einem Sprecher des Insolvenzverwalters keine Signalwirkung für die Investorensuche bei der Drogeriemarktkette. Der geplante Verkauf sei noch vom alten Management angedacht und von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bereits vor Wochen kommuniziert worden, sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur dapd am Donnerstag.
Die nicht insolvente französische Tochtergesellschaft mit 139 Märkten geht an das französische Einzelhandelsunternehmen Système U. Über die Kaufsumme vereinbarten beide Vertragspartner Stillschweigen. "Système U bietet dem Unternehmen eine attraktive Zukunftsperspektive, die den Fortbestand der Beschäftigungsverhältnisse und des Filialnetzes als Nahversorger" sichere, hieß es. Bereits Anfang Mai war die tschechische Tochter verkauft worden.
Am (morgigen) Freitag tagt der Gläubigerausschuss und soll entscheiden, ob Schlecker stillgelegt oder mit einem Investor weitergeführt wird. Bis dahin muss ein ausreichendes Angebot eines Investors vorliegen. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen, in keine Richtung", betonte der Sprecher. Geiwitz spreche sehr intensiv mit den Investoren.
Die Namen der Interessenten nennt der Insolvenzverwalter nicht. Ein Sprecher des deutsch-amerikanischen Milliardärs Nicolas Berggruen hat allerdings bereits bestätigt, dass Berggruen mit dem Insolvenzverwalter in Kontakt stehe. Berggruen hatte auch Karstadt aus der Insolvenz übernommen. Die "Stuttgarter Nachrichten" hatten berichtet, der 50-Jährige sei an dem gesamten Konzern interessiert und biete einen Kaufpreis zwischen 100 und 150 Millionen Euro. Laut Medienberichten ist zudem der US-Investor Cerberus an Schlecker interessiert.
Dem Verkauf stehen zum einen Tausende Kündigungsschutzklagen entlassener Schlecker-Mitarbeiter im Weg, die für einen Investor ein Risiko von mehr als 100 Millionen Euro darstellen. Zum anderen schreibt die Drogeriemarktkette aber auch horrende Verluste. Geiwitz konnte sie nach eigenen Angaben bereits von 200 Millionen Euro jährlich auf etwa 25 Millionen Euro reduzieren. 2013 erwartet er noch Verluste von 20 Millionen Euro.
Vor allem die Personalkosten gelten als enorm. Geiwitz hatte deswegen von den derzeit noch 13.500 Beschäftigten einen zeitweisen Lohnverzicht von 15 Prozent gefordert. Am Mittwoch hatte die Gewerkschaft ver.di mitgeteilt, knapp drei Viertel der Beschäftigten seien laut Mitgliederbefragung bereit, auf 10,5 Prozent zu verzichten. Das wollen sie erreichen durch das dreijährige Aussetzen von Sonderzahlungen und das Verschieben tariflicher Lohnerhöhungen.
Der Sprecher des Insolvenzverwalters sagte, das Entgegenkommen werde wertgeschätzt. "Ob es am Ende des Tages reicht, dahinter steht ein Fragezeichen", sagte er.
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