WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Neue Hiobsbotschaften für Spanien

    AKTUELLER KURS

    SymbolKursVeränderung
    BBVA.MC6,74-0,11
    SAN.MC5,25-0,07

    Madrid (dapd). Nach dem Antrag auf Finanzhilfe hagelt es weiter schlechte Nachrichten für Spanien. Erst stufte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit von 28 Banken des Landes herunter, am Dienstag musste Spanien dann auch noch deutlich höhere Zinsen bezahlen, um sich frisches Geld an den Kapitalmärkten zu besorgen. Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte derweil, die EU habe für neue Kredite keine zusätzlichen Sparauflagen gemacht.

    Die geforderten Zinsen für drei Monate laufende Papiere verdreifachten sich bei einer Auktion am Dienstag nahezu auf 2,36 Prozent. Bei der vorangegangenen Auktion derartiger Papiere am 22. Mai waren es noch 0,85 Prozent gewesen. Auch die Kosten für sechsmonatige Anleihen verdoppelten sich gegenüber der Auktion Ende Mai fast von 1,7 Prozent auf 3,24 Prozent. Auf dem Sekundärmarkt, wo versteigerte Schuldwechsel frei gehandelt werden, stieg auch die Rendite für zehnjährige Anleihen um 0,23 Prozentpunkte und schloss bei 6,81 Prozent. Die höheren Zinsen sind ein Zeichen dafür, dass die Investoren Angst haben, die Regierung in Madrid könnte sich trotz der internationalen Gelder mit der Unterstützung des Bankensektors überheben.

    Bereits am Montag - wenige Stunden nach dem offiziellen Hilfsantrag für Spaniens marode Banken - hatte die Ratingagentur Moody's die Bonität von 28 spanischen Geldhäusern herabgestuft - darunter waren auch Schwergewichte wie Banco Santander (Amsterdam: SANT.AS - Nachrichten) und Banco Bilbao Vizcaya Argentina. Moody's begründete den Schritt mit der schlechter werdenden Finanzlage der spanischen Regierung. Zudem seien die Banken anfällig für Verluste infolge der geplatzten Immobilienblase.

    Der spanische Hilfsantrag war seit Wochen erwartet worden und letztlich nur noch eine Formalie. Allerdings verriet Wirtschaftsminister de Guindos bislang nicht, in welcher Höhe die Regierung die internationale Hilfe in Anspruch nehmen will. Die Kreditlinie liegt bei 100 Milliarden Euro.

    Während die Gelder vor allem den Banken helfen werden, muss die Regierung im Zweifelsfall für die Kredite gerade stehen. Die Angst, dass der ohnehin stark verschuldete spanische Staat auf einem weiteren riesigen Schuldenberg sitzen bleiben könnte, manifestierte sich in den Zinsforderungen.

    Laut de Guindos keine Auflagen für Kredite

    In einer Ansprache an eine Parlamentskommission erklärte de Guindos am Dienstag, Brüssel habe im Gegenzug für die Kredite keine weiteren Sparauflagen gemacht. Das könnte andere Empfänger von internationalen Hilfskrediten verärgern, die das Geld nur im Gegenzug für zum Teil schmerzliche Reformen erhielten. Allerdings hatte der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy bereits am Montag erklärt, neue "wirtschaftliche Maßnahmen" seien in Arbeit, auch wenn Spanien sich derzeit in einer Rezession befinde.

    Die konservative spanische Regierung hat bereits eine Reihe von Sparmaßnahmen verabschiedet, die Einkommens- und Grundsteuer erhöht und die Löhne von öffentlichen Angestellten eingefroren. Nun soll wahrscheinlich auch die Mehrwertsteuer angehoben werden.

    Die drei größten spanischen Banken - Santander (Madrid: SAN.MC - Nachrichten) , BBVA (Madrid: BBVA.MC - Nachrichten) und CaixaBank - benötigen laut de Guindos keine Hilfe, um die neuen Kapitalanforderungen zu erreichen. Die Hilfsersuchen würden insgesamt die zur Verfügung stehenden 100 Milliarden Euro nicht überschreiten, sagte er. Die Bedingungen für die Kredite würden noch verhandelt und könnten am 9. Juli bekannt gegeben werden.

    © 2012 AP. All rights reserved

    Meistgelesene Artikel