Mittten in der schweren Absatzkrise legt MAN -Chef Hakan Samuelsson sein Amt nieder. Der Schwede werde das Unternehmen auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung verlassen, teilte der Nutzfahrzeughersteller mit. Ein MAN-Sprecher sagte der FTD, sein Rückzug hänge mit den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den Konzern in der Schmiergeldaffäre zusammen. Es sei aber seine persönliche Entscheidung gewesen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München stellte klar, dass nicht gegen Samuelsson ermittelt wird. "Herr Samuelsson wird bei uns nicht als Beschuldigter geführt."
Einen Nachfolger gibt es noch noch nicht. Kommissarisch wird das Amt Georg Pachta-Reyhofen übernehmen. Er übernimmt die Funktion zusätzlich zu seiner bisherigen Aufgabe als Vorstandschef der Konzerntochter MAN Diesel. In der Schmiergeldaffäre geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht nach, dass vor allem im Lastwagen-Geschäft Verkäufer in den Niederlassungen Bestechungsgelder an Mitarbeiter von MAN-Kunden zahlten, um den Verkauf anzukurbeln.
Die Ermittler haben weit mehr als 100 Beschuldigte im Visier. Das Geld soll teils über
Konten von Angehörigen und Freunden der Empfänger geflossen sein. Seitdem musste bereits eine Reihe von Führungskräften bei MAN gehen, darunter der Vertriebsvorstand von MAN Nutzfahrzeuge.
Er "will mit seiner Entscheidung dazu beitragen, dass sich die MAN-Gruppe wieder zügig voll und ganz ihren Kerngeschäften und ihrer weiteren Unternehmensentwicklung widmen kann", teilte der Lastwagenhersteller mit. "Samuelsson ist zu der Überzeugung gekommen, dass es zum Wohle des Unternehmens einen personellen Neuanfang auf höchster Ebene geben sollte."
Der Rücktritt sei auch für MAN überraschend gekommen. "Er steht nicht im Zusammenhang mit Scania", sagte ein Konzernsprecher. Samuelsson hatte 2006 vergeblich versucht, den schwedischen Konkurrenten Scania zu übernehmen, war aber vom gemeinsamen
Hauptaktionär VW ausgebremst worden.
MAN-Aktien reagierten mit starken Schwankungen auf den Rücktritt. "An der Börse wird gespielt, dass sich etwas in Richtung eines Zusammenschlusses von MAN und Scania bewegen könnte", sagte LBBW-Analyst Frank Biller. Die Titel stiegen zeitweise um 4,9 Prozent
auf ein Jahreshoch von 62,44 Euro. Anschließend gaben sie jedoch einen Großteil der Gewinne wieder ab.
"Sollte ein Lkw-Gigant entstehen, kann es ja nur einen CEO geben", sagte ein Börsianer. Ein anderer schloss nicht aus, dass einer der MAN-Großaktionäre mit Samuelsson unzufrieden
war. Volkswagen hält 30 Prozent an MAN. Branchenexperten erwarten, dass VW auch die Mehrheit am Münchner Konzern anstrebt.
Die IG Metall begrüßte die Entscheidung. "Aus Sicht der IG Metall müssen Manager die politische Verantwortung für gravierendes Fehlverhalten oder Missstände in ihrem Zuständigkeitsbereich übernehmen und entsprechende Konsequenzen ziehen", teilte die
Gewerkschaft mit. Bezirksleiter Werner Neugebauer sagte, mit dem Rücktritt werde nach der Korruptionsaffäre der Weg frei für einen unbelasteten Neuanfang.
Der 58-Jährige Samuelsson stand seit Januar 2005 an der Spitze des Konzerns. Zuvor hatte er fünf Jahre lang die Lastwagen- und Bussparte geführt und erfolgreich saniert. Samuelsson war 23 Jahre lang Scania-Manager gewesen, ehe er 2000 nach München wechselte. Das Präsidium des MAN-Aufsichtsrats bekundete "größten Respekt vor der Entscheidung von Hakan Samuelsson". Seit 2000 habe er durch seinen Einsatz dazu beigetragen, MAN positiv weiterzuentwickeln.