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    Münchner Handwerkskammer holt Fachkräfte aus Spanien

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    München (dapd-bay). Die letzten beiden Vorstellungsgespräche liefen über Skype: Die Bewerber in Spanien und ihre potenziellen Chefs in Deutschland saßen vor Computerbildschirmen und unterhielten sich per Videotelefonie. Um spanische Fachkräfte fürs Handwerk nach Bayern zu holen, gehen Betriebe, Bewerber und die Handwerkskammer für München und Oberbayern neue Wege.

    Kürzlich rief die Handwerkskammer das bundesweit einzigartige Modellprojekt ins Leben, mit dem der Fachkräftemangel in der Region bekämpft werden soll. Aber auch in die andere Richtung soll die Initiative wirken. Handwerkskammer-Präsident Heinrich Traublinger war es ein Anliegen, angesichts der enorm hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien Unterstützung zu bieten. Auch wenn es nur ein "Tropfen auf den heißen Stein" sein könne, wie sein Sprecher Rudolf Baier sagt.

    "Mit unserer Unterstützung finden beruflich qualifizierte Spanierinnen und Spanier und oberbayerische Handwerksbetriebe mit Fachkräftebedarf zusammen. Eine Situation, von der beide Seiten profitieren", sagt Traublinger. Er will für eine seiner Bäckereien selbst einen spanischen Bäcker einstellen.

    In den nächsten Wochen und Monaten sollen im Rahmen des Projekts 21 spanische Fachkräfte zwischen 18 und 30 Jahren in oberbayerischen Betrieben die Arbeit aufnehmen. Die Handwerkskammer knüpfte dazu Kontakte zu spanischen Kommunen mit hoher Arbeitslosigkeit, arbeitet mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit zusammen und setzt auf Mundpropaganda durch bereits in Deutschland lebende Spanier. Durch die enge Kooperation mit der Arbeitsagentur sei auch sichergestellt, dass keine Inländerdiskriminierung stattfinde und deutsche Bewerber zu kurz kämen, sagt Projektleiterin Katrin Budick.

    "Rundum-sorglos-Paket" für spanische Handwerker

    Derzeit sichten sie und ihre Mitarbeiter mehr als 200 Bewerbungen aus Spanien. Das sei zeitintensiv, berichtet Budick, weil in Spanien ein anderes Bewerberverhalten üblich sei. Es gebe beispielsweise keine Arbeitszeugnisse, Lücken im Lebenslauf seien nicht ungewöhnlich. Geeignete Bewerber werden dann von spanischsprachigen Mitarbeitern kontaktiert, intensiv befragt und im positiven Fall passenden Betrieben vorgeschlagen, die im Rahmen des Projekts Mitarbeiter suchen. Auch für Vorstellungsgespräche, sei es per Telefon, Skype oder vor Ort, stellt die Kammer einen Übersetzer. Deutschkenntnisse sind keine Voraussetzung für die Teilnahme.

    Aber auch darüber hinaus organisiert die Handwerkskammer für die Beteiligten ein "Rundum-sorglos-Paket", wie Budick es nennt. Die Kammer bucht die Flüge für Vorstellungsgespräche und Probearbeiten, holt die Spanier vom Flughafen ab, trägt Kosten für Anreise und Unterkunft. Werden die Bewerber tatsächlich eingestellt, helfen Budick und ihr Team (NYSE: TISI - Nachrichten) bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen, beim Familiennachzug; sie organisieren Sprachkurse und Fortbildungen und leisten einen Mietkostenzuschuss in der Anfangszeit.

    "Man bricht alle Zelte ab und geht ins Ungewisse"

    Drei spanische Elektriker hat Budicks Team bereits vermittelt. "Sehr wahrscheinlich" klappe es auch bald mit zwei Schreinern, einem Bäcker, einem Kfz-Mechatroniker und drei weiteren Elektrikern. Budick berichtet auch von Entscheidungsschwierigkeiten mancher Spanier, die sie aber sehr gut verstehe. "Man bricht alle Zelte ab und geht ins Ungewisse", sagt Budick.

    Das Engagement der Kammer gründet aber nicht nur auf dem Bedarf der Mitgliedsbetriebe, sondern auch aus dem Bemühen, Fehler aus der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Man wolle keine Gastarbeitermentalität wie in den 1960er Jahren schaffen, sagt Budick. "Das Ziel ist von vorneherein, dass die Bewerber langfristig beschäftigt werden, sich zu Hause fühlen und eine Existenz aufbauen", sagt Budick.

    dapd

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