Hannover (dapd-nrd). Beim Bau des Tiefwasserhafens JadeWeserPort hat es möglicherweise weitere Probleme gegeben. An der Kaimauer seien Hohlräume aufgetaucht, die mit Beton verfüllt werden müssten, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Olaf Lies am Mittwoch in Hannover. Zudem gebe es Zweifel daran, dass die Versicherung bei den bereits bekannten Schlosssprengungen hafte. Die Landesregierung hält jedoch weiter an dem Termin für die Inbetriebnahme am 5. August fest.
Lies befürchtet, dass durch die aufgetretenen Hohlräume die Standfestigkeit der Kaimauer gefährdet ist. In der Fraktion sei deshalb nun ein Fragenkatalog erarbeitet worden, die Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) in einer Wirtschaftsausschusssitzung am Freitag beantworten soll.
Auch zu dem Versicherungsschutz für die bereits bekannten Risse in der Kaje fordert die SPD Antworten. Die Allianz habe erklärt, dass sie lediglich für Schäden einstehe, die nach Fertigstellung des Bauwerks auftreten. Schäden, die durch unsachgemäße Arbeiten während des Baus entstanden seien, würden nicht übernommen, berichtete Lies. "Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler dann in der Pflicht ist, für die Schäden zu bezahlen."
Nach Angaben von Lies belaufen sich die Sanierungskosten für die mittlerweile 225 Schlosssprengungen alleine für den ersten Abschnitt der Kaimauer auf 50 Millionen Euro. Bode hatte eine Belastung des Steuerzahlers bislang ausgeschlossen.
Auf die Berichte über Hohlräume reagierte sein Sprecher am Mittwoch ebenfalls gelassen. Diese seien bereits bekannt und Teil der Sanierung, sagte er. An der Inbetriebnahme von Deutschlands erstem Tiefwasserhafen am 5. August ändere sich nichts.
Diesen Termin sieht die SPD allerdings weiterhin in Gefahr. Lies sprach von "Pfusch am Bau". Er habe "große Sorge", dass es deswegen bei dem Termin im Sommer nicht bleiben könne und, dass dieser nur aus politischen Gründen gehalten werde. "Es gibt immer Hinweise auf Probleme, die dann von der Landesregierung bagatellisiert werden", sagte er. Bode habe das Problem nicht mehr im Griff.
Auch Experten halten den Termin im August inzwischen für unwahrscheinlich. "Es ist nicht auszuschließen, dass hier eine ähnliche Katastrophe wie beim Flughafen Berlin-Brandenburg droht", sagte Jan Ninnemann, Spezialist für maritime Logistik und Professor der Hamburg School of Business Administration.
Bis heute tauche die Destination Wilhelmshaven auch nicht in den Fahrplänen der relevanten Reedereien auf, obwohl sie doch den Tiefwasserhafen ab August mit regelmäßigen Linien-Diensten anbinden sollen. Ninnemann sprach auch die Hinterlandanbindung des Hafens an, die noch einige Jahre zum "Problemfall" werde.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Bode wird am Donnerstag den JadeWeserPort besuchen, um Journalisten vor Ort den Stand des Bauvorhabens zu erläutern.
dapd

