Die teilverstaatlichte britische Bank Lloyds bietet im Rahmen ihrer Rekord-Kapitalerhöhung neue Aktien mit einem hohen Abschlag auf den Börsenkurs an: 36,5 Millionen neuer Aktien würden zu einem Preis von 37 Pence je Anteilsschein platziert, teilte das Institut am Dienstag mit. Dies bedeutet einen Diskont von 59,5 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Montag. Analysten hatten einen Ausgabepreis von rund 35 Pence erwartet. Die Aktie der Bank legte am Vormittag leicht zu.
Lloyds will über die Ausgabe neuer Aktien knapp 13,5 Mrd. Pfund einsammeln. Es wäre die größte Kapitalerhöhung aller Zeiten in Großbritannien. Der Schritt ist Teil eines Finanzierungspakets im Gesamtvolumen von 22,5 Mrd. Pfund, mit dem sich Lloyds zumindest teilweise aus der staatlichen Obhut lösen will: Anders als der Konkurrent Royal Bank of Scotland wird Lloyds aus der teuren staatlichen Absicherung problematischer Wertpapiere aussteigen.
Lloyds gehört zu den britischen Banken, die am schwersten von der Wirtschaftskrise getroffen wurden. Das Institut hatte sich mit der Übernahme des ins Straucheln geratenen heimischen Rivalen HBOS verhoben.
Der Staat sprang stützend ein und hält jetzt 43 Prozent an dem Geldhaus. Um ihren Anteil stabil zu halten, beteiligt sich die Regierung mit 5,7 Mrd. Pfund an der Kapitalerhöhung. Lloyds hat allerdings noch 2,8 Millionen Kleinaktionäre, was die Transaktion komplex macht. Die Anteilseigner sollen am Donnerstag über die Details der Kapitalerhöhung abstimmen. Da die Transaktion mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung von 24 Mrd. Pfund ausmacht, ist der Verwässerungseffekt enorm.
Die restlichen rund 9 Mrd. Pfund des Finanzierungspakets hat das Institut über neuartige Zwangswandelanleihen eingenommen. Alte Anleihen wurden dabei in neue Contingent Convertibles ("Coco") getauscht. Das Geschäft gilt als potenziell wegweisend für die Finanzbranche und wird daher genau beäugt. Grund: Coco-Bonds könnten zu einem neuen Sicherungsinstrument der Branche werden. Die Papiere verwandeln sich automatisch in stabilisierende Aktienbeteiligungen an der Bank, wenn deren Kernkapitalquote, etwa als Folge einer Krise, unter fünf Prozent sinkt.
Als Lehre aus der aktuellen Finanzkrise wird derzeit nach Wegen gesucht, um die Eigenkapitalausstattung der Banken zu verbessern. Damit sollen die Institute widerstandsfähiger gegen künftige Turbulenzen werden. Die Zwangswandelanleihen sollen zudem sicherstellen, dass Investoren künftig zur Rettung einer Bank beitragen, bevor der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird.