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Die laxen Dänen und ihr "AAA"

Die Schulden eines durchschnittlichen dänischen Haushalts sind drei Mal so hoch wie das verfügbare Einkommen. Damit belegen die Skandinavier laut Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Spitzenplatz. Dennoch gehört Dänemark zum erlesenen Kreis jener zwölf Länder weltweit, deren Bonität von den großen Ratingagenturen mit der Bestnote "AAA" bewertet wird.

Die hohen Privatschulden der Dänen zeigen, dass das verbreitete Klischee von sparsamen Nord- und laxen Südeuropäern so nicht stimmt. Die Verbindlichkeiten einer durchschnittlichen italienischen Familie beispielsweise machten 2010 laut Daten des europäischen Statistikamts Eurostat lediglich 66 Prozent des Haushaltseinkommens aus. Die Ratingagenturen konzentrieren sich in ihren Analysen allerdings auf die Staatsschulden. Hier steht Dänemark vergleichsweise gut da: Zwar überstieg das Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr nach vorläufigen Schätzungen mit vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) die im EU-Stabilitätspakt vorgesehene Obergrenze von drei Prozent. Die Gesamtschulden liegen mit rund 44 Prozent des BIP aber weit unter dem EU-Durchschnitt. Isolierte Betrachtung der Staatsschulden ist problematisch Dass eine isolierte Betrachtung der Staatsschulden wenig sinnvoll ist, zeigt das Beispiel Irland. Noch 2008 waren die Schulden des Inselstaats so niedrig wie die Dänemarks heute. In den folgenden drei Jahren stieg die Quote wegen Rezession und Bankenrettung von 44 auf 108 Prozent des BIP. Die Misere der irischen Banken wiederum entstand durch die lockere Kreditvergabe - auch an Privatkunden. Die Schulden der irischen Haushalte lagen 2010 bei 200 Prozent der verfügbaren Einkommen.

Es gibt weitere Parallelen zu Dänemark: In beiden Ländern endete 2007 ein Immobilienboom. Und auch der dänische Finanzsektor kriselt. Seit 2008 mussten rund ein Dutzend Banken vom Staat gestützt werden. Die beiden größten waren die Roskilde Bank im August 2008 und Amagerbanken vor knapp einem Jahr. An den Kosten für ihre Abwicklung wurden die Gläubiger beteiligt: Inhaber von Bankanleihen mussten Abschreibungen in Kauf nehmen. Infolgedessen haben die übrigen Finanzinstitute Schwierigkeiten, Abnehmer für ihre Anleihen zu finden. Bankenrettung in Irland deutlich teurer Der staatliche Bankenrettungsfonds Finansiel Stabilitet hat deshalb Garantien für Bankanleihen aufgelegt. Zusammen mit den Bürgschaften für die Absicherung der Reste von Amagerbanken und anderen zur Abwicklung bestimmten Instituten belaufen sich die Risiken für die Steurzahler laut dem letzten Zwischenbericht vom Juni auf 172 Mrd. Dänische Kronen (23 Mrd. Euro). Das entspricht knapp einem Zehntel des dänischen BIP von rund 240 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Irland zahlte für die Stabilisierung seines Bankensektors mehr als 60 Mrd. Euro - bei einer Wirtschaftsleistung von 155 Mrd. Euro.

Eine Wiederholung des irischen Dramas in Dänemark ist auch deshalb unwahrscheinlich, weil die Bedeutung des Bankensektors für die Gesamtwirtschaft geringer ist. Die Summe der Vermögenswerte aller dänischen Banken lag Ende November laut Zahlen der Notenbank in Kopenhagen bei 837 Mrd. Euro. Das ist das Dreieinhalbfache des BIP. In Irland aber liegt die kombinierte Bilanzsumme der Banken sechs Mal so hoch wie die Wirtschaftsleistung. Die vergangenen Jahre überstand die dänische Wirtschaft deutlich besser als die irische. Zwar brach das BIP in den Krisenjahren 2008 und 2009 auch in Dänemark kräftig ein, anders als Irland kehrte das skandinavische Land aber schon 2010 auf den Wachstumspfad zurück. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei sechs Prozent, in Irland beträgt sie rund 14 Prozent. Und auch wenn das Ende des Immobilienbooms in Dänemark Probleme für die Banken mit sich brachte, ist die Lage vergleichsweise stabil: Laut IWF stagnieren seit Mitte 2010 die Hauspreise. In Irland dagegen stürzten sie im vergangenen Jahr erneut um 15 Prozent ab. Die Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch zeigen sich deshalb trotz der Probleme im dänischen Finanzsektor gelassen. "Dänemark zählt nicht zu den Ländern, um die wir uns besondere Sorgen machen", sagte der bei Fitch für Länderratings zuständige Managing Director Edward Parker Anfang der Woche der Nachrichtenagentur Bloomberg. Ähnlich äußerte sich Per Tornqvist von S&P.

 

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