Studie von J.P.Morgan AM zeigt Investorenverhalten nach der Krise. Fundamentale vor quantitativen Ansätzen favorisiert.Die europäischen institutionellen Anleger haben trotz volatiler Märkte das Vertrauen in die Aktienmärkte nicht verloren: Obwohl sie für die nächsten zwölf Monate weiterhin eine hohe Volatilität befürchten, werden fast zwei Drittel ihre geplante Aktien-Allokation beibehalten und ein Viertel die Aktienquote sogar erhöhen. Dies zeigt die Studie "Market Pulse: How institutional investors are investing a year on from the credit crisis" von J.P. Morgan Asset Management. Hierfür haben 194 institutionelle Investoren aus 14 europäischen Ländern im Spätsommer 2009 Einblicke in ihre Markterwartungen, ihre Portfoliostrukturierung und geplanten Umschichtungen sowie ihre Investmentstrategie gewährt.
Deutsche Institutionelle sind bei der Befragung mit 13 Prozent nach den Briten (24,4 Prozent) am stärksten vertreten, gefolgt von Schweizern (12,4 Prozent), Niederländern (10,9 Prozent) und Schweden (9,3 Prozent). "Auch wenn sich die Ergebnisse von Land zu Land naturgemäß unterscheiden, zeigt sich doch ein klarer Trend: Institutionelle Anleger flüchten nicht aus Aktieninvestments, im Gegenteil, sie wollen sie noch ausbauen", unterstreicht Peter Schwicht (Foto), Leiter von J.P. Morgan Asset Management in Deutschland und zugleich für das institutionelle Geschäft in Kontinentaleuropa verantwortlich.
Aktienquote europäischer Anleger vergleichsweise niedrig
Dass 24,2 Prozent der befragten europäischen Anleger ihre Aktienquote steigern wollen, begründet Schwicht mit der im internationalen Vergleich niedrigen Basis. Die geplante Aktienallokation beträgt bei kontinentaleuropäischen Institutionen 29 Prozent, bei den deutschen sogar nur 27 Prozent, während sie in Großbritannien bei 56 Prozent und in den USA bei 54 Prozent liegt. In diesen beiden Märkten ist folglich die Tendenz etwas höher, Risiko abzubauen.
Favorisierte Anlageregionen sind für die Befragten derzeit die globalen Schwellenländer und Asien. Dort erwarten sie für die nächsten zwölf Monate die höchsten Aktienerträge. Zudem sind 44 Prozent der institutionellen Anleger überzeugt, dass sich Large Caps besser als Small Caps entwickeln werden. Für alternative Investments erwarten sie eine Erholung, insbesondere für Absolute Return/Hedge Fonds (63 Prozent), Rohstoffe (56,4 Prozent) oder Infrastruktur (43,6 Prozent). Entsprechend ist eine Allokation von 13 bis 14 Prozent (Deutschland: 10 Prozent) in alternative Anlageklassen geplant.
Nichtsdestotrotz ist bei den kontinentaleuropäischen Anlegern die Portfolioaufteilung sehr konservativ: Sie legen rund 57 Prozent in Anleihen und Liquidität an (Deutschland: 63 Prozent). So verwundert es nicht, dass sie mittelfristig steigende Anleihenrenditen erwarten.
Fokus auf fundamentalen Prozessen
Auch wenn die befragten Investoren ihre Allokation weitgehend beibehalten werden, hat sich durch die Erfahrungen der letzten Monate doch ihre Einstellung zu Anlageprozessen und wie sie zukünftig Erträge generieren wollen geändert. So hat eine signifikante Verlagerung von quantitativen Ansätzen auf fundamentale Prozesse stattgefunden. Während 59 Prozent der befragten Investoren ihren fundamentalen Anteil ausbauen wollen, ist dies bei quantitativen Ansätzen nur für 11 Prozent der Fall. Diese will ein Drittel sogar reduzieren. Vor allem größere Institutionen mit einem verwalteten Vermögen von über 20 Milliarden Euro lassen den Trend erkennen: 80 Prozent dieser Gruppe bevorzugen fundamentale Prozesse.
Damit einher geht bei allen Befragten der Wunsch nach Stilreinheit und Klarheit, beispielsweise hinsichtlich Benchmarkabweichungen. "Institutionelle Anleger wollen nach der Krise ganz genau wissen, wie sie investieren", bestätigt Schwicht. "Diese Rückbesinnung auf das Wesentliche wird sicherlich auch Auswirkungen auf die Auswahl ihrer Asset Manager haben, denn Einfachheit und Transparenz haben derzeit höchste Priorität."
Passive Investments weniger stark gefragt
So sind aktuell Shorting-Strategien weniger favorisiert, insbesondere marktneutrale Konzepte spielen aber nach wie vor eine Rolle in der Allokation. Parallel hat sich die Dynamik bei passiven Investments verlangsamt und ETFs sind nicht mehr so gefragt: So bevorzugt mehr als ein Drittel der befragten Institutionellen weiterhin ein rein aktives Management. Für einzelne Anlageklassen haben allerdings zwei Drittel der Befragten schon einmal passive Anlageformen gewählt. Favorisiert werden von 73,9 Prozent der Befragten dabei Indexfonds, ETFs nutzen 35,9 Prozent und Futures 29,3 Prozent.
Neben klassischen passiven Investmentmöglichkeiten wie Large Caps werden vereinzelt auch Märkte wie Japan für passive Investments vorgesehen. "Hier sind die aktiven Asset Manager gefordert, die langfristigen Chancen der Alphagenerierung und der Risikobegrenzung durch ihre Managementleistung zu vermitteln", betont Schwicht.