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    Hewlett-Packard-Belegschaft pfeift ihre Chefs aus

    Rüsselsheim (dapd). Das Management des IT-Konzerns Hewlett-Packard (HP) steht wegen der geplanten Streichung von 850 Jobs durch Schließung des Standorts Rüsselsheim in der Kritik. Auf einer Betriebsversammlung warfen die Beschäftigten der Geschäftsführung am Mittwoch vor, "kopflos und wahllos" Existenzen zu zerstören. Unternehmenssprecher, die die beabsichtigte Standortschließung begründeten, wurden ausgepfiffen und als "Lügner" beschimpft. Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) kündigte an, um die Jobs zu kämpfen.

    Für den IT-Dienstleister mit Konzernsitz in den USA arbeiten an seinem hessischen Standort am Main 1.320 Informatiker, Programmierer und Systemadministratoren. Kunden sind oft die Entwicklungsabteilungen anderer Unternehmen, wohin HP-Spezialisten auch ausgeliehen werden. "Wie wollen Sie künftig in Deutschland Qualität garantieren, wenn Sie Jobs ins Ausland verlagern", fragte ein Mitarbeiter die zur Betriebsversammlung erschienenen Geschäftsführer.

    "Irgendetwas muss schief gelaufen sein"

    Die Unternehmenssprecher blieben Antworten schuldig. Nicht erklären konnten sie, warum die Beschäftigten am vergangenen Freitag von der geplanten Standortschließung zuerst im Radio hörten, noch bevor die Mitarbeiter per Mail informiert wurden. "Irgendetwas muss da schief gelaufen sein", sagte Personaldirektor Ernst Reichart auf der Betriebsversammlung. "Unfug, Quatsch, Lüge", schallte es ihm von den Beschäftigten in der Rüsselsheimer Stadthalle entgegen.

    Das lauteste Pfeifkonzert erntete Geschäftsführer Michael Eberhardt, der den Beschluss zur Schließung des hessischen Firmensitzes mit den Worten verteidigt hatte: "Effizienz bemisst sich nicht an der Zahl der Standorte." HP will von den 850 Jobs, die in Rüsselsheim wegfallen sollen, 400 nach Bulgarien auslagern. 250 IT-Spezialisten, die von dem Unternehmen derzeit an das benachbarte Opelwerk ausgeliehen sind, könnten ihre Arbeitsplätze behalten und direkt bei dem Autohersteller angestellt werden. Konkrete Zusagen erhielt auf der Betriebsversammlung jedoch keiner der Betroffenen.

    Verspätete Mitarbeiter-Mail ist "ein Unding"

    Die Stadtverordnetenversammlung stehe hinter den Beschäftigten, sagte Oberbürgermeister Burghardt. Die an die Belegschaft zu spät verschickte E-Mail mit dem Schließungsbeschluss nannte der CDU-Politiker "ein Unding". Burghardt konnte dem Vorhaben von HP, in Bulgarien billigere Jobs zu kreieren, nichts abgewinnen. "Andere Unternehmen haben solche Auslagerungen längst bereut", sagte der Oberbürgermeister, der für sein klares Statement in der Stadthalle Beifall bekam.

    Dem Rüsselsheimer HP-Standort werden auch Jobs zugerechnet, die das Unternehmen bei Kunden in Hamburg oder München eingerichtet hat. Mitgezählt werden ebenso sogenannte Home Offices, häusliche Arbeitsplätze von Mitarbeitern. Welche dieser Anstellungen nun bedroht sind, konnte die Unternehmensführung am Mittwoch nicht genau mitteilen. Betroffene sollten per Mail nachfragen, empfahl Personaldirektor Reichart und zog sich mit diesem Hinweis neuen Zorn der Belegschaft zu.

    Vor Beginn der Betriebsversammlung hatten über 700 HP-Beschäftigte mit einem Zug durch Rüsselsheim gegen die Schließung des Standorts demonstriert und die Rücknahme der Entscheidung gefordert.

    dapd

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