Im Tiefpunkt Ende Juni unterschritt die Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) die Marke von 80 US-Dollar, ein Fass Brent kostete weniger als 90 US-Dollar. „Doch inzwischen haben sich die Ölpreise in Richtung 90 bzw. 105 US-Dollar hochgekämpft“, stellt Dr. Dora Borbély von der DekaBank fest. Ein Blick auf die grobe Entwicklung des Ölpreises zeige, dass er sich seit Anfang 2011 in der Tendenz seitwärts bewegt habe. WTI pendelte um 90 US-Dollar, Brent um 100 US-Dollar. Eine derartige Performance erwartet Borbély auch für die nächsten sechs bis zwölf Monate: „Zwar kühlt sich die Weltkonjunktur ab, doch die enorme Überschussliquidität lässt die Rohölmärkte nicht kalt und wirkt dem konjunkturellen Abwärtsdruck der Ölmärkte entgegen.“ Für das volkswirtschaftliche Analystenteam von ING Investment Management befänden sich die Rohölvorräte der OECD derzeit auf einem Niveau, das dem Fünfjahresdurchschnitt entspreche. In Europa seien die Vorräte jedoch zu niedrig. Schätzungen zufolge habe sich das Angebot auf dem Weltmarkt durch die derzeitigen Iran-Sanktionen der EU und der USA pro Tag um rund eine Million Barrel verknappt. Lieferengpässe aus Libyen, Nigeria und Argentinien kämen hinzu. Das strukturelle Überangebot an WTI bleibe den ING-Experten zufolge aber bestehen. Faktoren wie die Umkehrung der Fließrichtung in der Seaway-Pipeline, höhere Ölimporte der USA aus Kanada und die Förderung von Schieferöl spielten hier eine Rolle. Borbély erwartet ein Ende der Seitwärtsphase des Ölpreises erst ab der zweiten Jahreshälfte 2013. „Eine vorherige stärkere Verteuerung von Öl wäre nur dann vorstellbar, wenn die Risikofreude der Finanzmarktteilnehmer deutlich zunehmen sollte“, so die Expertin. „Eine allgemeine Lockerung der Geldpolitik, die nicht unwahrscheinlich ist, würde hierfür nicht ausreichen.“ Im Jahresdurchschnitt 2012 sieht Borbély den Preis für WTI bei 95 US-Dollar und für nächstes Jahr bei 103 US-Dollar. Die Marke Brent komme auf einen Durchschnittspreis von 107 bzw. 108 US-Dollar je Fass.Getreidepreise explodierenDie Agrarpreise haben sich seit Juni von den anderen Rohstoffgruppen abkoppeln können. „Der GSCI-Index (Total Return) für die Agrarstoffe liegt im Vergleich zum Jahresanfang fast 20 Prozent im Plus, während alle anderen Bereiche unter den Werten von Anfang Januar tendieren“ sagt Borbély. Grund dafür seien die derzeitigen Nachrichten über die globalen Getreideernten. Die Aussichten hätten sich verschlechtert. In den USA führten Hitze und Trockenheit zu Abwärtsrevisionen der Mais- und Weizenernte. „Bei Mais hält sich zwar noch die Erwartung eines globalen Angebotsüberschusses, aber angesichts der ungünstigen Witterung im Mittleren Westen der USA werden die Ernteerwartungen dort merklich nach unten geschraubt“, so die Deka-Expertin. Das treibt die Preise nach oben: „Seit Juni sind die Agrar-Subindizes des DJ UBS (DJI: ^DJUBAGTR - Nachrichten) für Mais und Getreide um ca. 50 Prozent gestiegen, während der Subindex für Sojabohnen um über 30 Prozent angezogen hat“, stellen die ING-Volkswirte fest. Den Hauptgrund für die Missernten führen die Experten vor allem auf die ungünstige Witterung zurück. Bei anhaltend schlechten Nachrichten von der Wetterfront sei eine Fortsetzung der Verteuerung von Agrarrohstoffen nicht auszuschließen.Goldpreis auf dem Niveau von 2011Trotz zunehmender Sorgen um die Weltwirtschaft leide der Goldpreis unter Formschwankungen und sank auf 1.600 US-Dollar je Feinunze. Lange Zeit sei er von den US-Realzinsen beeinflusst worden: „Es gab einen starken inversen Zusammenhang zwischen der Netto-Positionierung der Goldspekulanten und den US-Realzinsen“, analysiert Borbély. Mit sinkenden Realzinsen hätten nicht kommerzielle Goldanleger verstärkt auf steigende Goldpreise gesetzt, wodurch das Edelmetall teurer wurde. Nachlassender Aufwärtsdruck seitens der Spekulanten habe aber durch eine starke physische Nachfrage nach Münzen oder Barren und durch den verstärkten Goldankauf von Zentralbanken in den vergangenen Quartalen wettgemacht werden können. „So ist die gesamte Goldnachfrage seit Mitte 2011 nicht gefallen – aber auch nicht gestiegen – und der Goldpreis bewegt sich derzeit auf ähnlichen Niveaus wie Mitte 2011“, stellt die Deka-Analystin fest. Für den Jahresdurchschnitt 2013 erwartet sie insgesamt aber einen Anstieg auf etwa 1.700 US-Dollar. (PD)
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