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FRANKFURT. Der GM-Verwaltungsrat habe entschieden, dass die Amerikaner die deutsche Tochter doch behalten wollen, teilte das Unternehmen am späten Dienstagabend mit. Der Konzern werden nun umgehend seinen Restrukturierungsplan für Opel der deutschen und den übrigen europäischen Regierungen vorstellen, kündigte GM (NYSE: GM - Nachrichten) -Boss Fritz Henderson an.
Der US-Konzern vollzieht damit auf den letzten Metern der Trennung von Opel eine radikale Kehrtwende. Die Amerikaner brüskieren mit ihrer Entscheidung die Bundesregierung und stoßen Arbeitnehmer und Opel-Management vor den Kopf. Das monatelange Ringen um Opel endet für die Deutschen damit vorerst in einem Scherbenhaufen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) äußerte sich "sehr betroffen und zugleich verärgert" über die Entscheidung. "Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze", sagte Koch. Er erwarte, dass GM den vom Staat gewährten Brückenkredit fristgemäß zum 30. November zurückzahle, "damit der deutsche Steuerzahler keinen Schaden nimmt".
GM hatte angesichts von Bedenken der EU-Kommission den geplanten Verkauf an Magna bereits Mitte Oktober vorerst auf Eis gelegt und eine Entscheidung auf die Verwaltungsratssitzung vertagt. Das hatte bereits Spekulationen genährt, dass die Amerikaner den Deal mit dem Zulieferer noch komplett kippen könnten. Auch in der Bundesregierung war zuletzt die Sorge gewachsen, dass GM noch in letzter Minute einen Strategieschwenk vollziehen könnte. Die Opel-Treuhand, die formal noch die Mehrheit an Opel hält, hatte ihre von Brüssel angeforderte schriftliche Auskunft über den Opel-Deal bis nach der Verwaltungsratssitzung ausgesetzt. Die EU-Kommission hatte Zweifel an dem Deal geäußert und eine schriftliche Klarstellung verlangt, dass das Votum für Magna allein aus wirtschaftlicher Überzeugung und nicht auf politischen Druck hin erfolgte.
Eine Einigung der Opel-Arbeitnehmer über einen Sanierungsbeitrag für das neue Unternehmen ist damit wieder obsolet. Die europäischen Mitarbeiter wollten über einen Lohnverzicht jährlich 265 Mio. Euro einbringen, wie der Gesamtbetriebsrat am Dienstag mitteilte. Die Arbeitnehmer hatte ihre Zugeständnisse aber daran geknüpft, dass Magna und dessen russischer Partner Sberbank tatsächlich den Zuschlag für Opel erhalten. Der kanadische Autozulieferer Magna und die Sberbank wollten 55 Prozent von Opel übernehmen. GM sollte 35 Prozent am neuen Unternehmen halten.
Der Beirat der Opel-Treuhand äußerte sich am Abend zurückhaltend. Der Vorsitzende des Beirats, Fred Irwin, sagte zu der Entscheidung: "Ich hoffe, auch im Interesse der Beschäftigten bei Opel, dass dieser Beschluss Opel zu neuer wirtschaftlicher Stabilität verhilft". Die Treuhand verwaltet 65 Prozent von Opel; die restlichen 35 Prozent liegen bei GM.
Nachdem die Bundesregierung versicherte, dass sie die versprochenen Kreditbürgschaften über 4,5 Milliarden Euro grundsätzlich auch anderen Bietern als dem Magna-Sberbank-Konsortium (4847.KL - Nachrichten) gewährt hätte, wollen Top-Manager von GM die Europa-Tochter nun selbst behalten. Sie setzen darauf, dass GM selbst auch eine entsprechende Bürgschaft erhält und Opel damit sanieren könnte. Entsprechende Ansprüche hatte GM bereits in den vergangenen Wochen signalisiert. Im September hatten sich die Amerikaner zwar im Grundsatz schon darauf geeinigt, Opel mehrheitlich an Magna zu verkaufen. Doch die Verständigung ist bis heute nicht rechtlich bindend. Die Beschäftigten von Opel wollen sich gegen einen möglichen Verbleib bei GM wehren.