WIESBADEN/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Optimismus in der Wirtschaft wächst, aber die Konjunktur bleibt höchst anfällig für Rückschläge. Die Rezession vom Jahresanfang ist endgültig vorüber. Die Stimmung der Unternehmen ist so gut wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Doch die Erholung hängt vor allem an den Eingriffen des Staates im In- und Ausland. Wenn diese Programme auslaufen, dürfte das Wachstum an Fahrt verlieren.
ERSTE SCHÄTZUNG BESTÄTIGT
Mit einem Plus von real 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal ist die Wirtschaft im dritten Quartal deutlich gewachsen. Damit bestätigte das Statistische Bundesamt am Dienstag seine erste Schätzung. Das war das stärkste Plus seit Anfang 2008. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Wirtschaftsleistung aber um 4,7 Prozent geschrumpft. Wegen des schlechten Starts ins Jahr wird die Wirtschaft trotz der Aufholjagd im Gesamtjahr 2009 so stark einbrechen wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik. Experten erwarten ein Minus von vier bis fünf Prozent. Weil 2010 allenfalls ein Wachstum von zwei Prozent erwartet wird, dürfte das Niveau vor der Krise erst 2013 wieder erreicht werden.
"Die Rezession ist bei weitem noch nicht ausgestanden", warnte der Konjunkturexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung ifo, Klaus Abberger. Erst nach dem Ende der staatlichen Konjunkturprogramme werde sich zeigen, wie stark die Eigendynamik der Wirtschaft sei. "Die Risiken sind noch da."
DEUTSCHE WIRTSCHAFT ARBEITET SICH WEITER AUS KRISE
Bereits jetzt ist die Stimmung aber euphorisch - weit mehr, als die Zahlen erwarten lassen. Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung legte im November deutlich stärker als erwartet von 92 auf 93,9 Punkte zu. "Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich weiter aus der Krise", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Insbesondere in der Industrie mehre sich die Zuversicht.
Trotz des achten Anstiegs in Folge ist das Stimmungsbarometer aber noch weit von seinem Niveau vor der Finanzkrise entfernt. In den Boomjahren 2006 und 2007 lag der Index durchgehend bei weit über 100 Punkten. Inzwischen erreichte er aber zumindest das Niveau unmittelbar vor dem Schock durch die Lehman-Pleite im September 2008. Der ifo-Index wird jeden Monat aus einer Befragung von rund 7000 Unternehmen erhoben und gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft.
DETAILS ZUR KONJUNKTUR ZEICHNEN SCHWÄCHERES BILD
"Die Details zur Konjunktur zeichnen ein schwächeres Bild, als es die Zahlen nahelegen", sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank. "Die Zahlen sind auf den zweiten Blick ernüchternd." Antriebsmotor für die Wirtschaft waren im dritten Quartal die Investitionen und der Export - doch beide florierten vor allem wegen staatlicher Konjunkturprogramme. Bei den Investitionen habe der Bau von staatlichen Aufträgen profitiert, private Unternehmen hätten dagegen lediglich veraltete Maschinen ersetzt oder rationalisiert. Die Exporte zogen wegen staatlicher Anreize im Ausland an.
Die schwerste Rezession seit Beginn der Bundesrepublik ist nun aber endgültig überwunden. Der überraschend schnell eingesetzte Aufwärtstrend aus dem Frühjahr mit plus 0,4 Prozent setzt sich fort. Im nächsten Jahr soll die Konjunktur wieder auf Wachstumskurs gehen. Für 2010 sagen die fünf "Wirtschaftsweisen" ein Wachstum von 1,6 Prozent voraus, einige Volkswirte bis zu 2,0 Prozent.
VERLÄNGERUNG DER KURZARBEITER-REGELUNG
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte auf dem Arbeitgebertag in Berlin eine Verlängerung der Kurzarbeiter-Regelung an. Jedoch soll die Bezugsdauer von 24 auf 18 Monate reduziert werden. Die Verlängerung soll nächste Woche im Kabinett abgesegnet werden. Experten schätzen, dass es ohne Kurzarbeit in der Krise in Deutschland etwa eine halbe Million Arbeitslose mehr gegeben hätte./mt/DP/jha/
---- Von Marion Trimborn, dpa ----