Beobachter gehen davon aus, dass Europas Börsen nach den jüngsten Kursschwankungen wieder Fahrt aufnehmen werden. Vergangene Woche verloren die die Börsen weltweit: Der deutsche Leitindex Dax konnte sich im Laufe der Woche noch im Plus halten, gab aber dann am Freitag wegen der aufkommenden Konjunkturskepsis der Anleger nach. Auf Wochenbasis fiel er daher um 0,4 % auf 5663,15 Punkte und notiert damit auf dem Niveau, das er vor der Berg- und Talfahrt Ende Oktober erreicht hatte.
Der Stoxx 50 sank um 1,7 %. Der Nikkei verlor 1,7 %. Der Dow Jones gab 0,46 % ab, der
Nasdaq Composite (NASDAQ: Nachrichten) verlor im Vergleich zur Vorwoche 1,01 %, der S&P 500 (Nachrichten) gab leicht um 0,19 % nach.
Nun trauen die Börsenexperten dem Dax (Xetra: Nachrichten) sogar zu, dass er auch noch das Jahreshoch von 5888 Zählern übertrifft. "Am Aktienmarkt deutet vieles daraufhin, dass dem Dax der Sprung über den Jahreshöchstkurs bald gelingen wird", meint Werner Bader, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg. Er weist unter anderem auf die Geldschwemme hin: "Liquidität steht angesichts rekordniedriger Geldmarktzinsen mehr als genug für Anlagezwecke zur Verfügung."
Als Hauptgrund für weitere Kursgewinne betrachtet auch Thomas Körfgen, Geschäftsführer bei SEB Asset Management, das reichlich vorhandene Geld: "Die Liquidität ist immens im Markt vorhanden", sagt Körfgen, der auch darauf verweist, dass der Dezember in bis dahin guten Aktienjahren Anlegern meist auch noch einmal Kursgewinne beschert.
Die Aktienstrategen von Goldman Sachs (NYSE: GS - Nachrichten) widmen der Saisonbewegung im Dezember und Januar eine Kurzstudie: Der Dezember zeige sich grundsätzlich als guter Aktienmonat. Das gelte besonders, wenn die Börsenkurse zuvor ohnehin bereits gestiegen sind, schreiben die Experten, die die Kursbewegungen seit 1974 untersucht haben. "Wir meinen, dass das dieses Jahr ähnlich ist." Als eine Begründung für Kursgewinne zum Jahresende in guten Börsenjahren wird meist angeführt: Anleger, die bis dahin wenig in Aktien investiert haben, erhöhen ihre Aktienquote rasch noch - um zu kaschieren, dass sie Rally eigentlich verpasst haben.
Teil 2: In den USA hält sich die Euphorie in Grenzen In den USA äußern sich Marktbeobachter nicht ganz so optimistisch: Sam Stovall, Chef-Investmentstratege bei Standard & Poors meint, dass die Börsen erst im Dezember zum Schlussspurt ansetzen. "Es gibt ein Sprichwort unter Börsianern: Weihnachten gehört den Bullen, Thanksgiving gehört den Bären", sagt Stovall, "Das könnte sich in diesem Jahr bewahrheiten." Thanksgiving ist am 26. November, also in einer Woche. Auch ein Blick auf die anstehenden Daten lässt nicht auf starke US-Börsen hoffen. "Es sind kaum positive Nachrichten aus dem Unternehmenssektor zu erwarten, die die Märkte nach oben ziehen könnten", sagt Howard Simons, Stratege bei Bianco Research. "Die Anleger scheuen das Risiko und horten derzeit lieber Bargeldbestände." Auch Anleihen seien keine attraktive Alternative.
Es gibt aber auch Anleger, die mit ihrem Ertrag in diesem Jahr zufrieden sind und daher in diesen Tagen auf den sicheren Hafen Staatsanleihen setzen. So legte der Bund-Future in der vergangenen Woche merklich zu. Auf Wochenbasis stieg der Terminkontrakt um 1 % auf 122,61 Stellen. Auch US-Rentenpapiere legten besonders im kurzfristigen Bereich deutlich zu. Die Rendite der zweijährigen Papiere erreichte mit 0,68 % auf den tiefsten Stand seit elf Monaten.
In der kommenden Woche stehen Daten zur Geldmenge und zu den deutschen Verbraucherpreisen an. Analysten leiten daraus vorwiegend positive Impulse für den Rentenmarkt ab. "Der geringe Preisdruck dürfte die Inflationsängste des Finanzmarktes mildern und dem Bund-Future weiteren Auftrieb geben", sagt Birgit Figge, Rentenmarktanalystin der DZ Bank.
Etwas skeptischer sind die Experten der Landesbank Berlin (Xetra: 802322 - Nachrichten) : "Kurzfristig erwarten wir, dass sich die Renditen der Bonds auf beiden Seiten des Atlantiks in einer Seitwärtsbewegung entwickeln."
Der Ifo-Index, der am Dienstag veröffentlicht wird, könnte eine Signalwirkung am Rentenmarkt auslösen, sagt Kornelius Purps, Rentenmarktexperte der Unicredit (Mailand: UCG.MI - Nachrichten) . "Rentenwerte sind derzeit gut unterstützt. Sollte die Erwartungskomponente des Ifo-Index nur minimal negativ ausfallen, kann das dem Rentenmarkt einen Schub geben", meint Purps.
Dem Euro trauen die Analysten in den kommenden Tagen weitere Stärke zu. "Kurzfristig könnten der höhere Risikoappetit und der deutliche Zinsnachteil des Dollar den Euro-Dollar-Kurs noch in Richtung 1,52 treiben", sagt Antje Praefke von der Commerzbank .