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Forster flirtet mit Wechsel zu Tata

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Sonntag, 8. November 2009, um 16:36 CET

FRANKFURT. Sein großes Vorbild ist der Polarforscher Ernest Shackleton. Der Brite war 1914 auf einer Antarktis-Expedition im Packeis eingeschlossen, konnte aber allen Widrigkeiten zum Trotz sein Team (NASDAQ: TISI - Nachrichten) wohlbehalten nach Hause bringen. Doch Opel-Aufsichtsratchef und GM (NYSE: GM - Nachrichten) -Europa-Boss Carl-Peter Forster ist der Glaube an ein gutes Ende offenbar abhanden gekommen. Der 55-Jährige verlässt das Unternehmen, bestätigte GM entsprechende Informationen des Handelsblatts.

Der Topmanager hatte sich bis zuletzt für einen Verkauf von Opel an den austro-kanadischen Zulieferer Magna eingesetzt und war nach eigenen Aussagen von der Entscheidung der Detroiter Konzernzentrale, Opel nun doch zu behalten, überrascht worden. Intern hatte Forster bereits vor Wochen in kleiner Runde klargemacht, dass er in diesem Fall persönliche Konsequenzen ziehen werde. In der Opel-Zentrale kam der Schritt darum nicht überraschend.

Forster wird der Autobranche aber aller Voraussicht nach erhalten bleiben. Der Sohn eines deutschen Diplomaten, der perfekt Englisch spricht, flirtet mit einem Wechsel zum indischen Autohersteller Tata, der mit seinem Billigauto Nano vor einem Jahr einen Paukenschlag in der Branche setzte. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, da Forster noch ein anderes Angebot vorliege, hieß es aus seinem Umfeld.

Mit dem Abgang des passionierten Seglers verliert GM in Europa sein Aushängeschild im Management. Forster war es, der den US-Konzern bei den ersten Krisengipfeln im Kanzleramt vertrat. Forster war es auch, der bereits 2005 zusammen mit dem heutigen GM-Finanzchef Fritz Henderson auf Anordnung der Zentrale in Detroit (DETROIT.SN - Nachrichten) eine harte Restrukturierung in Europa durchzog.

Opel verliert mit dem früheren McKinsey-Berater einen wichtigen Fürsprecher. Kaum jemand kennt das Rüsselsheimer Unternehmen so gut wie der Manager mit den freundlichen blauen Augen, der selbst von 2001 bis 2004 als dritter Deutscher die Traditionsmarke mit dem Blitz geleitet hatte. Danach war er nach Zürich in die Zentrale von General Motors Europe gewechselt, in der nach der Neustrukturierung auch für Opel die entscheidenden Weichen gestellt wurden.

Als Henderson nach Detroit ging, stieg Forster dann zum GM-Europachef auf - doch im Konflikt um Opel geriet der in London geborene Ingenieur der Raum- und Luftfahrttechnik am Ende zwischen alle Stühle. Der designierte Käufer Magna wollte ihn im Fall einer Übernahme durch einen eigenen Manager ersetzen - und die Amerikaner nahmen Forster sein Engagement für einen Einstieg des Zulieferers übel.

Doch der Ex-BMW (Xetra: 519000 - Nachrichten) -Manager, der Ruhe auch in kritischen Situationen als wichtige Qualität einer Führungspersönlichkeit nennt, genießt in der Branche einen exzellenten Ruf. Wenn immer in den vergangenen Jahren ein Spitzenjob in der deutschen Autoindustrie zu vergeben war, wurde auch Forsters Name als Kandidat genannt.

Schon bei BMW galt der disziplinierte Arbeiter als Hoffnungsträger. Innerhalb von dreizehn Jahren schaffte er dort den Aufstieg vom Entwicklungsingenieur zum Vorstand für Produktion - scheiterte am Ende aber an Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen BMW-Chef Joachim Milberg. An Shackleton kann Forster sich bei Opel allerdings nicht ganz messen lassen. Der Brite und sein Team steckten immerhin 635 Tage im Packeis fest, bevor ihnen die Rettung aus eigener Kraft gelang. Der Ruf von Opel nach staatlicher Hilfe feiert am 14. November dagegen erst sein einjähriges Jubiläum.