WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Facebook: Von Gewinnern und Verlierern

    AKTUELLER KURS

    SymbolKursVeränderung
    YHOO27,000,42
    T36,94-0,28
    EVR40,70-0,50
    FB25,66-0,10
    IVSBF30,200,06

    Es sollte die Krönung einer beispiellosen Unternehmensgeschichte werden, der Börsengang des Jahrhunderts, der Beweis, dass im Silicon Valley einfach alles möglich ist. Aber herausgekommen ist ein Desaster, dessen Schockwellen heute noch spürbar sind im Reich der digitalen Glücksritter. Eine Mär von Größenwahn der Wall Street, Raffgier, Pleiten, Pech und Pannen. Am Ende machte der Facebook (NasdaqGS: FB - Nachrichten) -Börsengang vor genau einem Jahr einige wenige unfassbar reich und viele andere arm.

    Die Erwartungen waren gigantisch. Eine Börsenbewertung von 100 Milliarden Dollar stand im Raum für ein Soziales Netzwerk im Grundschulalter. 2004 gegründet hatte Mitgründer und CEO Mark Zuckerberg in nur acht Jahren aus dem kleinen studentischen Freundschaftsnetz ein Unternehmen mit Milliardenumsatz und damals schon über 800 Millionen Mitgliedern gemacht. Die 100 Milliarden Dollar waren viermal so viel,wie Google (NasdaqGS: GOOG - Nachrichten) bei seinem Börsengang in 2004 bewertet wurde.

    Facebook-Finanzchef Partick Pichette wusste den grenzenlosen Hype geschickt auszunutzen.

    Im letzten Moment wurde die Zahl der Aktien für den Börsengang nochmal um 25 Prozent angehoben. Noch mehr Altaktionäre wollten aussteigen. Ein Warnsignal? Ein ungewöhnlicher Schritt, ja, aber wer wollte in der heißesten Phase des Börsenrauschs da den Miesepeter spielen?

    Am Morgen des 18. Mai 2012 läutete Mark Zuckerberg in sicherer Entfernung zur Wall Street vom kalifornischen Menlo Park aus per Fernbedienung die Glocke der Nasdaq zum Handelsauftakt - und die Hölle brach los. Begleitet von schweren Pannen beim Computerhandel, erlebte die Aktie für wenige Minuten einen leichten Anstieg über den Ausgabekurs von 38 Dollar, um einen beispiellosen Absturz hinzulegen. Aus den sicher geglaubten Zeichnungsgewinnen wurden schwere Verluste, die sich praktisch ohne Halt ausweiteten.

    Die Zeit der Schwarzmaler war gekommen: "In fünf bis acht Jahren wird Facebook genauso verschwunden sein wie Yahoo (NasdaqGS: YHOO - Nachrichten) ", orakelte Eric Jackson, Gründer von Ironfire Capital im Juni 2012 auf CNBC. Der Shootingstar der ersten Internet-Blase Anfang der 2000er Jahre ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst.

    Am 4. September wurde mit 17,73 Dollar ein bislang absoluter Tiefpunkt beim Facebook-Kurs erreicht, fast 50 Milliarden Dollar Börsenwert waren ausradiert. Aktionäre verklagten die Banken, die Börse und Facebook. Immer mehr Details kamen ans Licht. Analysten einiger Großbanken sollten angeblich vor der breiten Öffentlichkeit mit Insiderinformationen bedient worden sein. "Rückblickend nach einem Jahr muss man sagen, dass der Börsengang wirklich ein absolutes Desaster war", fasst es Andrew Stoltmann, Anwalt aus Chicago, spezialisiert auf Finanzmärkte, gegenüber der Mercury News zusammen.

    Allerdings nicht für jeden. Altinvestoren machten bei jeder Gelegenheit Kasse, so wie Peter Thiel. Der deutschstämmige Investor (Other OTC: IVSBF - Nachrichten) der ersten Stunde sackte insgesamt rund eine Milliarde Dollar ein. Investiert hatte er 500000 Dollar. Facebook-Mitgründer Eduardo Saverin gab kurz vor dem Börsengang seine US-Staatsbürgerschaft zurück und wanderte nach Singapur aus. Das wird ihm Schätzungen zufolge alleine rund 600 Millionen Dollar Steuerzahlungen auf sein Milliardenvermögen ersparen haben. Die verbalen Wutwellen waren bis ins politische Washington spürbar, Saverin wurde zur Symbolfigur der verhassten "ein Prozent", der Megareichen, die das Land angeblich schamlos ausbeuten. Sogar der selbst wenig zimperliche Internet-Milliardär Marc Cuban konnte da kaum an sich halten und verbreitete per Twitter: "That pisses me off", "Das kotzt mich an."

    Zuckerberg selbst strich rund 1,4 Milliarden Dollar beim IPO ein, was aber gering ist vergleichen mit seinem gesamten Anteil von fast 29 Prozent an Facebook. Der macht ihn immer noch zu einem der reichsten Männer der Welt. Seine Zusage, für mindestens ein Jahr auf weitere Aktienverkäufe zu verzichten, brachte etwas Ruhe in die aufgeheizte Stimmung nach dem Börsengang, als viele Investoren ihre Wunden leckten.

    Doch im Silicon Valley war die Sektlaune erst einmal vorbei. Die Geldgeber hielten die Börsen fest geschlossen, laut dem MoneyTree-Report der National Venture-Capital Association lagen die Neuinvestments in Start-Ups im Quartal des Börsengangs bei bei 7,3 Milliarden Dollar, um dann auf 6,5 und 6,4 Milliarden zu fallen. Im ersten Quartal 2013 waren es noch 5,9 Milliarden.

    Am vergangenen Freitag stand Facebook dann wieder bei 26,25 Dollar. Ein Level, das nach Meinung der Analysten von Evercore Partners (NYSE: EVR - Nachrichten) jetzt angemessen erscheint. Das Kursziel wurde aktuell von 28 auf 26 Dollar zurückgenommen.

    Getragen wurde die teilweise Erholung von harten Maßnahmen, die Facebook den Anschluss an die mobile Internetwelt gesichert haben, das mit Abstand größte Problem der vergangenen zwölf Monate. Neue, auf Smartphones zugeschnittene Werbeformen zeigten Erfolg. Lagen die Werbeeinnahmen mit den gut 700 Millionen mobilen Facebook-Nutzern vor einem Jahr noch bei null, bestreiten sie jetzt fast 30 Prozent des Werbeumsatzes. Ein respektabler Kraftakt, wie auch Kritiker einräumen. Gleichzeitig wuchsen Umsätze und Nutzerzahlen weiter, wenn auch nicht so stark wie erhofft. Die Fragezeichen über dem fast vollkommen werbebasierten Geschäftsmodell Facebooks bleiben.

    Die Akzeptanz des gerade erst eingeführten "Facebook-Handys" ist noch unklar, erste Berichte sprechen von anämischen Verkäufen. AT&T (NYSE: T - Nachrichten) knüppelte den Preis für das Gerät bereits von 99 Dollar mit Vertrag auf 99 Cent herunter. Doch Investoren zeigen auch Zuversicht in die neue, profitorientierte Haltung des CEO. Vor einem Jahr war es ihm noch egal, wo das Geld herkommt. Heute muss jedes Projekt bei Facebook eine Möglichkeit zur Monetarisierung aufzeigen.

    Nimmt man das Vertrauen der eigenen Mitarbeiter in die Führung als Maßstab, dann steht dem Social Network unter Mark Zuckerberg ohnehin eine große Zukunft bevor. Laut Mashable.com lag die Zustimmungsrate der Mitarbeiter für den CEO im vergangenen Jahr bei sozialistischen 99 Prozent, wie aus Zahlen von Glassdoor hervorgeht. Glassdoor ist eine Jobseite, die Mitarbeitern die Möglichkeit bietet, ihre Chefs anonym zu bewerten.

    Chase Coleman, den 37-jährige Shootingstar unter den New Yorker Hedgefonds-Managern, kann das jedoch nicht überzeugen. Er hatte vor dem Börsengang bereits angefangen, eine Position von 54 Millionen Aktien in Facebook zusammenzukaufen, ein Drittel davon warf er beim IPO auf den Markt. Laut Börsenmitteilung hatte er Ende Dezember 2012 dann das letzte Stück verkauft. Forbes rechnet vor, dass der Profit bei insgesamt über einer Milliarde Dollar gelegen haben dürfte. Das hat Coleman offenbar gereicht. Geht es weiter aufwärts? Wer weiß. Aber man soll sein Glück halt nicht unnötig herausfordern.

    Meistgelesene Artikel

    • DGAP-News: Rickmers issues bond of up to EUR200 million NewsAktuell/Ots - Mi., 15. Mai 2013 02:00 MESZ

      DGAP-News: Rickmers Holding GmbH & Cie. KG / Key word(s): Bond Rickmers issues bond of up to EUR200 million 15.05.2013 / 08:02 Rickmers issues bond of up to EUR200 million - Coupon range between 8.5 and 9.125 percent p.a. - Subscription period from 27 ...

    • St. Gallen (ots) - Die Notenstein Privatbank setzt ihre erfolgreiche Positionierung im Schweizer Markt fort und baut den Bereich Institutionelle Kunden aus. Das bestehende Team wird in den kommenden Monaten um erfahrene Persönlichkeiten verstärkt: Neu werden per 1. Dezember 2013 Aris Prepoudis ...

    • Chemnitz (ots) - Chemnitz - Mit einem neuen Hilfsmittel will Sachsens Polizei künftig schneller als bisher verbotene Musik von Rechtsextremisten aufspüren. Wie die Chemnitzer "Freie Presse" (Dienstagausgabe) berichtet, hat das Landeskriminalamt eine Software entwickelt, die CDs oder Streams von Internetradios automatisch …

    • Baierbrunn (ots) - - Querverweis: Audiomaterial ist unter http://www.presseportal.de/audio und http://www.presseportal.de/link/multimedia.mecom.eu abrufbar - Zelten ist eine wunderbare Sache, um den Urlaub in der Natur zu verbringen und es schont zugleich den Geldbeutel. Wem das klassische ...

    • Northville, Michigan (ots/PRNewswire) - Maxion Wheels ("Maxion" oder das "Unternehmen") gab heute bekannt, dass seine Anlage in Limeira, Brasilien, eines von sieben Unternehmen ist, das mit dem Fiat Qualitas Award in den Kategorien für Metallmaterialien und Antriebsstrang ausgezeichnet wurde. Darüber ...