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    Facebook - Fantasie versus Fakten

    AKTUELLER KURS

    SymbolKursVeränderung
    DWDF.EX18,170,00
    MSTF.EX25,620,00
    MSFT34,870,79
    AXPF.EX41,760,00
    GOOG909,185,31

    =Wieviel ist Facebook wert? Der Markt sagt aktuell 90 Milliarden US-Dollar (bei 2,74 Milliarden ausstehenden Aktien). Die nackten Zahlen rechtfertigen eine solche Bewertung nie und nimmer. Es braucht einiges an Fantasie, um ein Szenario zu zeichnen, in dem Facebook soviel oder noch mehr Wert ist. Lesen Sie, wie Sie jetzt am besten mit der Aktie verfahren!?

    Kurz zur aktuellen Lage: Warum gibt es aktuell soviel Aufregung um die Begleitumstände des Börsengangs? Facebook hat am 09. Mai seine IPO-Unterlagen modifiziert und darauf hingewiesen, dass die zunehmende Bedeutung des Mobile Internets (durch Smartphones und Tablet-Computer) sich negativ für Facebook auswirken kann. Denn die Werbeeinnahmen über BannerAds fallen auf Smartphones aktuell quasi komplett unter den Tisch.

    Irritierende Informationspolitik=

    Warum dies Facebook erst während der Roadshow im Wertpapierprospekt ergänzt hat, ist die große Frage. Wurde das bewusst gemacht, um beim Börsengang mehr Aktien zu einem höheren Preis verkaufen zu können? Oder wollte man den Passus ursprünglich ganz rauslassen, wurde dann aber von der Rechtsabteilung quasi dazu aufgefordert, um sich vor möglichen Klagen zu schützen? Immerhin war dieser Mobile-Malus im Geschäftsmodell zuvor nicht öffentlich kommuniziert worden.

    Morgan Stanley (EUREX: DWDF.EX - Nachrichten) , das beim Börsengang führend war (Lead-Underwriter), wird dagegen vorgeworfen, man habe nur ausgewählte Kunden über die unmittelbar vor dem Börsengang reduzierte Umsatzwachstums-Schätzung der eigenen Analysten für Facebook informiert. Andererseits dürfen die am IPO beteiligten Investmentbanker unmittelbar vor und nach dem Börsengang aus Gründen der Neutralität aber gar keine Analysen zum betreffenden Wert veröffentlichen.

    Letztlich würde es dann bei einem moralischen Vorwurf bleiben: Dürfen die IPO-Banken einen erhöhten Ausgabepreis durchdrücken, obwohl Facebook unmittelbar zuvor vor einer möglicherweise schlechteren operativen Entwicklung warnt? Ich sage: Letztlich zählt Angebot und Nachfrage. Und wenn es bei 38 US-Dollar genug Abnehmer für die Aktie gibt, so ist es moralisch nicht verwerflich, wenn man die Aktie dann auch zu diesem Preis an die Interessenten verkauft.

    Die Gier der Anleger

    Denn: Jeder potenzielle Facebook-Aktionär hatte Zugang zum veränderten Börsenprospekt (S-1 Filing) und Facebook hat öffentlich auf die Änderung hingewiesen. =Das Problem war und ist aus meiner Sicht ein anderes: Die Gier der Anleger! Mit Dollarzeichen in den Augen haben sich wohl im Vorfeld die wenigsten für die Veränderung im Wertpapierprospekt interessiert - und sind daher selbst Schuld, wenn sie nun auf Verlusten sitzen.

    Stattdessen galt es quasi als Gesetzmäßigkeit, dass Facebook angesichts der gigantischen Entwicklung in der Vergangenheit und dem ungeheuren Medienrummel einfach steigen MUSS. Zudem hatten und haben wohl viele das Vorbild Google im Hinterkopf, die ja nach kurzen Startschwierigkeiten auch an der Börse eine überragende Erfolgsstory wurden.

    Genau hier wird es nun spannend: Meiner Ansicht nach ist der Vergleich von Facebook mit Google (NasdaqGS: GOOG - Nachrichten) zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechtfertigt. Facebook wie Google verdienen zwar beide ihr Geld überwiegend mit Werbung. Der entscheidende Unterschied: Werbung über Google AdWords ist für die Werbetreibenden wesentlich zielgerichteter und daher wertvoller. Denn: Bei Google sucht der User ohnehin schon nach dem betreffenden Stichwort. Da ist die Wahrscheinlichkeit ungefähr um den Faktor 10 höher, dass er auch auf eine entsprechende Werbeeinblendung klickt.

    Begrenztes Wachstum mit Werbebannern

    Zudem sind die Internet-User über Jahre hinweg so geprägt worden, dass Werbebanner einfach zu ignorieren sind. Durchschnittlich klickt ein Facebook-Kunde nur auf einen von 2.000 Werbebannern. Da zudem auch das absolute User-Wachstum zwangsläufig nachlässt (bei bereits 900.000 Millionen registrierten Benutzern gegenüber weltweit 2,4 Milliarden Internetnutzern), wird es für Facebook schwierig in dem Bereich weiter stark zu wachsen - und das wäre unbedingt nötig, um in die exorbitant hohe Bewertung hineinzuwachsen.

    Wahrscheinlich wird es Facebook mit der Zeit gelingen, noch besser auf den einzelnen User zugeschnittene Werbung zu schalten und damit auch die Einnahmen zu erhöhen. Möglicherweise schafft es Facebook auch die Zeit zu erhöhen, die der durchschnittliche User auf den eigenen Seiten verbringt. Das alles ist aber zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.

    Dieses Problem war bereits vor dem Börsengang abzusehen. Ich schrieb im Januar:

    "Die entscheidende Frage für Anleger aber ist: Kann Facebook weiter so schnell profitabel wachsen, um die bei einer prognostizierten Marktkapitalisierung von 100 Milliarden US-Dollar entstehenden Bewertungsmultiples zu rechtfertigen?"

    Endgültig sind es nun 3,7 Milliarden US-Dollar Umsatz geworden. Analysten prognostizieren für 2012 ca. fünf Milliarden US-Dollar Umsatz und ein Gewinn je Aktie von 0,55 US-Dollar. Das ergibt ein KGV von 60 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 18. Hinzu kommt ein Cashbestand von satten 14 Milliarden US-Dollar mit dem man natürlich spannende kleinere Unternehmen zukaufen kann (wie jüngst die Photo-App Instagramm).

    Die Bewertung ist hoch, wäre aber für ein extrem schnell wachsendes und hoch profitables Unternehmen wie Facebook auch nicht völlig überzogen.

    Nur eine Wachstumsdelle oder ein strukturelles Problem?

    Genau hier liegt aber der Knackpunkt: Durch die oben beschriebene Problematik im Mobile-Sektor rechnen Analysten auch für 2013 mit einem deutlich rückläufigen Wachstum. Der Umsatz soll dann gegenüber 2012 um 30 Prozent und der Gewinn je Aktie gar nur um 18 Prozent steigen. Von 2011 auf 2012 wird immerhin noch eine Gewinnsteigerung von 28 Prozent prognostiziert.

    Das reicht aber beides bei weitem nicht aus, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen. Nach der simplen Bewertungsmetrik der fundamentalen Bewertungskennzahlen müsste Facebook den Gewinn in den kommenden Jahren auch um 60 Prozent steigern, damit ein KGV von 60 angebracht wäre.

    Zugegeben: Die obige Sichtweise ist natürlich sehr nüchtern und etwas fantasielos. Fantasie und Potenzial sind ohnehin die meistgehörten Begriffe, wenn man sich mit Facebook-Bullen unterhält. Die gigantische Herausforderung liegt darin, basierend auf den 900 Millionen Usern ein profitableres Geschäftsmodell zu entwickeln. Sprich: Wie kann Facebook pro User mehr Gewinn erzielen?

    Hier kommen nun die 15 Prozent der Gesamtumsätze ins Spiel, die außerhalb der Werbung erzielt werden.

    Diese kommen überwiegend über Facebook Credits zustande. Mit diesen Credits bezahlen Internet-Gamer, die Spiele wie Farmville spielen, echtes Geld für virtuelle Güter, die sie im Spiel voranbringen. Das ist ein Riesengeschäft mit dem 2011 rund 300 Millionen US-Dollar umgesetzt wurden - bei gigantischen Gewinnmargen. Die Kosten für die Entwicklung der Spiele liegen ja bei den Spieleherstellern wie Zynga. Facebook verdient alleine dadurch, dass über die Facebook-Plattform gespielt wird. 

    Bisher wird der Großteil der Credits von den Usern über Zynga-Spiele gekauft. Doch Konkurrenten wie die etablierten Computerspiele-Hersteller Electronic Arts drängen mit Macht in diesen Bereich. So wird es Facebook gelingen, die Einnahmen in diesem Bereich weiter zu streuen und damit zu erhöhen.

    Doch auch hier ist das Potenzial nicht unendlich. Nur ein kleiner Teil der User spielt überhaupt auf Facebook und ein noch kleinerer Teil dieser User (ca. 5 Prozent) ist bereit für virtuelle Güter echtes Geld auszugeben.

    Dennoch gibt es hier eine große Chance für Facebook: Wenn es nämlich gelingt, Facebook Credits als Standardwährung für den Handel der User untereinander zu etablieren. Selbst wenn Facebook dann an jeder Transaktion nur einen kleinen Prozentsatz verdient, könnten die Umsätze in diesem Bereich explodieren.

    Eine andere Chance ist die Etablierung einer eigenen sozialen Suchmaschine. Im Unterschied zu normalen Suchmaschinen wie Google, die auf bestimmten Algorithmen basieren, könnte eine Facebook-Suchmaschine die Seiten bei den Suchergebnissen ganz oben anzeigen, die die meisten User gut finden. Facebook sammelt hier ja ständig Daten über den "Like-Button".

    Beim Google-Ranking dagegen spielt vor allem eine Rolle mit wieviel anderen Seiten die betreffende Seite verlinkt ist. Je mehr Verlinkungen, umso höher ist das Ranking. Bei dieser Methode landen aber nicht zwangsläufig qualitativ hochwertige Seiten an vorderster Stelle. Durch die sogenannte Suchmaschinen-Optimierung (SEO) kann man hier künstlich hohe Rankings erzeugen.

    Facebook kooperiert aktuell mit Microsoft (EUREX: MSTF.EX - Nachrichten) (die ja an Facebook beteiligt sind) und versucht die eigene Suchmaschine Bing mit Facebook besser zu verzahnen, um eben dieses Ziel einer sozialen Suchmaschine zu erreichen.

    Das könnte das "Sucherlebnis" der User verbessern und im besten Fall dafür sorgen, dass Microsoft (NasdaqGS: MSFT - Nachrichten) /Facebook dem Platzhirsch Google bei der Internetsuche Marktanteile abnehmen.

    Darüber hinaus sind auch im E-Commerce-Sektor lukrative Kooperationen denkbar. Das Problem: Bisher ist das alles noch in der Entwicklungsphase. Die Umsetzung wird entscheidend sein und die Konkurrenz schläft nicht.

    WKN / US-Kürzel:                       A1JWVX / FB

    Börsenwert:                              88 Mrd. USD

    KGV 12e/13e:                            60 / 49

    KUV 12e/13e:                            17 / 14

    Akt. Kurs:                                   31,87 USD

    So hat Zynga vor kurzem eine Kooperation mit dem Kreditkartenhersteller American Express gestartet, der es User erlaubt über eine Art Prepaid-Karte virtuelle Farmville-Dollars zu verdienen und diese gegen Käufe von Produkten in der echten Welt einzutauschen. American Express (EUREX: AXPF.EX - Nachrichten) will sich so neue Kundenkreise erschließen.

    MEIN FAZIT:

    - Auf Basis der fundamentalen Bewertungskennzahlen und der neuesten Analystenprognosen ist Facebook auf dem aktuellen Niveau zu teuer.

    - Auf Grund des riesigen Potenzials durch die einmalig große Kundenbasis von über 900 Millionen Nutzern muss Facebook aber ein Sonderstatus zugesprochen werden.

    - Es gibt viele Möglichkeiten, die Monetarisierung des von Usern generierten Contents zu verbessern, sprich, ein noch umsatzstärkeres und profitableres Geschäftsmodell zu etablieren. Beispielsweise der Aufbau einer eigenen Internetbank kombiniert mit E-Commerce-Funktionen oder die Etablierung einer sozialen Suchmaschine in Kooperation mit Microsoft, die Google ernsthaft Marktanteile abnehmen könnte.

    - Kurzfristig ist das Sentiment allerdings gegen Facebook gerichtet, was vor allem mit den Problemen von Facebook im Mobile Internet-Sektor zu tun hat und dem daraus resultierenden Kursverfall in den letzten Tagen.

    - Ich empfehle eine trendorientierte Vorgehensweise. Das heißt, die Aktie zunächst meiden. Wenn es gelingen sollte den IPO-Preis zurückzuerobern, kann man eine erst Testposition kaufen. Gelingt es dann anschließend, das bisherige Allzeit-Hoch bei 45,00 US-Dollar zu knacken, würde ich die Position aufstocken.

    Viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage wünscht Ihnen

    Ihr

    Armin Brack

    Chefredakteur Geldanlage-Report   

    www.geldanlage-report.de        

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