Berlin (dapd). Während sich Kritiker der Euro-Rettungsschirme durch den negativen Ausblick der US-Ratingagentur Moody's bestätigt fühlen, bleiben Anleger und Bundesregierung gelassen. Investoren verlangten für Bundesanleihen am Dienstag nur unwesentlich höhere Zinsen als am Tag zuvor. Der DAX verlor zwar am Morgen an Wert, lag aber am Nachmittag sogar im Plus.
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zeigte sich überzeugt, dass die Stabilitätsmaßnahmen wirkten und betonte die Stärke der hiesigen Wirtschaft. Diese sei "weiterhin strukturell in sehr guter Verfassung", sagte er der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Das Finanzministerium in Berlin wies darauf hin, dass Moody's das höchste Rating für Deutschland bestätigt habe. Die Senkung des Ausblicks nehme es als "Meinung" zur Kenntnis.
Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte: "Vor diesem Hintergrund wiederholen wir unser starkes Bekenntnis, die Stabilität der gesamten Eurozone sicherzustellen."
Das Münchner Ifo-Institut dagegen sieht sich in seiner Kritik an immer neuen Rettungspaketen bestätigt. Die Ratingagentur Moody's habe die Gefahren verdeutlicht, die in den Hilfskrediten für die Schuldenstaaten stecken, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen der Nachrichtenagentur dapd. Aus den Krediten könnten für die Gläubigerstaaten wie Deutschland bald echte Kosten werden.
Eine Staatspleite Griechenlands würde die deutschen Steuerzahler nach einer aktuellen Schätzung der Dekabank kurzfristig 83 Milliarden Euro kosten.
Die Allianz-Tochter Pimco geht davon aus, dass Deutschland künftig weniger kreditwürdig sein wird als zuletzt. "Wir erwarten, dass es in Zukunft zu einer weiteren Bonitätsverschlechterung kommen wird", sagte der Leiter des deutschen Pimco-Portfoliomanagements, Andrew Bosomworth. Das AAA-Rating der Bundesrepublik werde zunehmend infrage gestellt werden. Pimco werde ihren Bestand an deutschen Staatsanleihen weiter verringern, sagte Bosomworth.
Der haushaltspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Otto Fricke, versteht die Einschätzung der Ratingagentur als Warnung. Wenn Deutschland im Zuge der Euro-Rettung "weitere Milliarden an Hilfen aufnimmt, ohne dass sich in den Ländern etwas ändert, dann geht es in eine negative Richtung", sagte Fricke dem Sender n-tv.
Der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, beklagt dagegen ein "Störfeuer der Ratingagenturen". Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer, sieht "keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Finanzierung der Staatsschulden in Deutschland". Die Finanzmärkte würden "hierdurch von ihrer Einschätzung von Wertpapieren des Bundes als sicherem Hafen nicht abweichen".
Moody's hatte in der Nacht zum Dienstag den Ausblick für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg auf negativ gesenkt und dies mit dem "Ausmaß der Ungewissheit über den Ausblick für den Euroraum" begründet. Die möglichen Auswirkungen plausibler Szenarien über Mitgliedstaaten rechtfertigten nicht mehr einen stabilen Ausblick. So wäre nach Moody's Einschätzung ein griechischer Austritt aus dem Euro "eine materielle Bedrohung für den Euro".
dapd

