WAS IHRE FREUNDE LESEN

    EU verhängt Rekordbuße gegen globales Bildröhren-Kartell

    AKTUELLER KURS

    SymbolKursVeränderung
    TOSBF4,892-0,11
    PHIA.AS22,520,08
    066570.KS80.000,00-400,00
    MAT1.BE6,750,72

    Brüssel (dapd). Millionen Käufer von Fernsehern und Computerbildschirmen haben zu viel für ihre Geräte gezahlt, weil ein globales Kartell den Markt für Bildröhren dreist unter sich aufteilte. Die EU-Kommission holte am Mittwoch zum Gegenschlag aus und verdonnerte sieben namhafte internationale Firmen zu einer Rekordbuße von 1,47 Milliarden Euro. "Heute bekommen sie ihre verdiente Strafe", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaqín Almunia in Brüssel. Die Buße ist die höchste, die in der EU je gegen ein Kartell verhängt wurde.

    Mitgemacht haben Samsung, Philips (Amsterdam: PHIA.AS - Nachrichten) , LG Electronics (KSE: 066570.KS - Nachrichten) , Technicolor (Euronext: TCHNR.NX - Nachrichten) , Panasonic (Berlin: MAT1.BE - Nachrichten) , die Panasonic-Tochter MTPD, Toshiba (Other OTC: TOSBF.PK - Nachrichten) und der taiwanische Konzern Chunghwa. "Von 1996 bis 2006 trafen diese Unternehmen Preisabsprachen, teilten Märkte und Kunden untereinander auf und beschränkten ihre Produktion", teilte die Kommission mit. Die Bildröhren oder Kathodenstrahlröhren steckten bis zur Einführung der Flachbildschirme in fast jedem TV-Gerät oder Computerbildschirm. Die Komponenten machen 50 bis 70 Prozent des Preises aus. "Das lässt erahnen, welcher Schaden den Verbrauchern entstanden ist", sagte Almunia.

    Philips kündigte umgehend Berufung gegen die Brüsseler Entscheidung an. Doch sind sich die Kartellwächter ihrer Sache sicher. Seit 2007 ermittelten sie gegen das globale Netzwerk, auch in den USA und Asien laufen Verfahren oder wurden schon Strafen verhängt. Es habe sich um ein "Kartell wie aus dem Lehrbuch" gehandelt, sagte Almunia. Die oberste Führungsriege habe in "Green Meetings" die Strategie ausgeheckt - und sich anschließend beim Golfspielen entspannt.

    In "Glass Meetings", die teilweise wöchentlich stattfanden, wurden die Einzelheiten ausgekungelt. Damit hätten die Manager nicht nur die Kunden geprellt, sondern womöglich auch die Einführung der moderneren LCD- und Plasma-Technologien gebremst, sagte Almunia. Und der Rechtswidrigkeit ihrer Machenschaften waren sie sich bewusst, wie Protokolle der Gespräche zeigen. Manche Unterlagen hätten die Aufforderung enthalten: "Folgendes Schriftstück bitte nach Kenntnisnahme vernichten." Mit Betriebsstättenbegehungen wurde minutiös überprüft, dass die illegalen Absprachen auch exakt eingehalten wurden.

    Der Firma Chunghwa wurde die Buße nach der Kronzeugenregelung vollständig erlassen, sie hatte als erste in Brüssel ausgepackt. Die höchsten Einzelstrafen wurden Philips und LG Electronics aufgebrummt: 313 beziehungsweise 296 Millionen Euro, zudem 392 Millionen Euro für eine Kooperation der beiden. Panasonic erhielt ein Bußgeld von 157 Millionen Euro sowie 93 Millionen Euro für Kooperationen mit Toshiba beziehungsweise MTPD. Für Samsung sind es 151 Millionen Euro, für Technicolor knapp 39 Millionen und für Toshiba eine Einzelstrafe von 28 Millionen Euro.

    Eine Firma hatte angegeben, die ursprüngliche Buße würde sie in den Ruin treiben. Daraufhin senkte Almunia den Betrag. Die Unternehmen können nun vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) ziehen, um die Strafen anzufechten oder eine Minderung zu erreichen. Die Kommission ermutigte die geschädigten Verbraucher und Unternehmen aber auch, vor ihren nationalen Gerichten auf Schadenersatz zu klagen.

    © 2012 AP. All rights reserved

    Meistgelesene Artikel

    • Neun Tipps zum Steuersparen
      Neun Tipps zum Steuersparen Klüger kaufen - Do., 23. Mai 2013 15:45 MESZ
      Neun Tipps zum Steuersparen

      Ob Sie eine Steuererklärung abgeben müssen oder dürfen – die Experten von Finanztest raten dazu, in jedem Fall eine Erklärung zu machen. Denn für die meisten gibt es Geld zurück. Sollte sich wider Erwarten eine Nachzahlung ergeben, kann eine freiwillige … Continue reading →

    • Der große Test: Auslandsreise-Krankenversicherungen
      Der große Test: Auslandsreise-Krankenversicherungen

      Urlaub – die schönste Zeit des Jahres. Wenn man ausgerechnet am Urlaubsort in fernen Ländern krank wird oder bei einem Unfall zu Schaden kommt, ist es besonders wichtig, gut versichert zu sein. Finanztest hat passend zum Beginn der Ferienzeit 40 … Continue reading →

    • DR Real Estate AG / Veröffentlichung einer Mitteilung nach § 37x WpHG 21.05.2013 09:30 Zwischenmitteilung nach § 37x WpHG, übermittelt durch die DGAP - ein Unternehmen der EquityStory AG. Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent verantwortlich. Zwischenmitteilung im 1. Halbjahr 2013 der DR ...

    • Schnäppchen verleiten einen schnell dazu, mehr zu kaufen, als man eigentlich benötigt. (Bild: thinkstock)
      Versteckte Fallen beim Einkauf Kühn empfiehlt - Do., 23. Mai 2013 17:53 MESZ
      Schnäppchen verleiten einen schnell dazu, mehr zu kaufen, als man eigentlich benötigt. (Bild: thinkstock)

      Die meisten von uns denken, sie machen beim Einkaufen oft echte Schnäppchen. Aber einige der so populären „Spartipps“ könnten Sie auf lange Sicht viel kosten. Hier sind fünf versteckte Kostenfallen beim Einkauf - und Wege, wie Sie sie umgehen.

    • Leipzig (ots) - Im spektakulären Goldschatz-Fall des Rechtsanwalts Gregor Gysi verklagt jetzt der Linksfraktionschef Gysi seinen Anwaltskollegen und FDP-Präsiden Wolfgang Kubicki. Nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" (Freitag-Ausgabe) hat Kubicki eine Aufforderung von Gysis Rechtsbeiständen zur Abgabe einer …

     

    Aktuelle Nachrichten