Berlin (ddp-bln) Die Auswirkungen des jüngsten Unfalls bei der Berliner S-Bahn auf den weiteren Betrieb sind weiter unklar. Eine Bahnsprecherin sagte am Montag, 14 sogenannte Viertelzüge (Zwei-Wagen-Züge) der betroffenen Baureihe könnten derzeit nicht genutzt werden. Verkehrsstaatssekretärin Maria Krautzberger hatte am Vormittag im parlamentarischen Stadtentwicklungsausschuss von 16 Viertel-Zügen gesprochen. Am Sonntag war im Betriebshof Grünau eine S-Bahn des Typs 480 ohne Fahrgäste bei einer Rangierfahrt entgleist.
Ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamts (EBA) sagte, die Untersuchungen zur Unfallursache dauerten an Ein Schaden an Bremsen oder Rädern könne inzwischen ausgeschlossen werden. Probleme bei diesen Komponenten innerhalb der Baureihe 481 sorgen seit dem Sommer für großangelegte Sonderprüfungen innerhalb des S-Bahn-Fuhrparks. Mit der Prüfung des Grünauer Zuges sei die dem Bundesverkehrsministerium zugeordnete Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle befasst, sagte der EBA-Sprecher.
Die fehlenden 14 Viertelzüge waren am Montag von der S-Bahn auf den Linien S1 und S2 eingespart worden Statt als sogenannter Dreiviertelzug fuhr die S1 (012750.KS - Nachrichten) zwischen Frohnau und Wannsee nur als Halbzug und erst zwischen Oranienburg und Frohnau als Dreiviertelzug. Die seit Montag wiedereingesetzte S2 zwischen Buch und Lichtenrade fuhr als Halbzug, zwischen Bernau und Blankenfelde verkehrte sie als Dreiviertel-Zug. Über die Situation am Dienstag konnte die S-Bahn noch keine Angaben machen.
Angesichts der neuerlichen Sicherheitsmängel forderte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling, die Abberufung des Vorstands für Personenverkehr bei der S-Bahn-Mutter Deutsche Bahn AG (DB), Ulrich Homburg Der Manager habe Parlamentarier, den Senat und die Öffentlichkeit hinsichtlich der S-Bahn-Sicherheit innerhalb der vergangenen Wochen «nach Strich und Faden belogen», sagte Hämmerling zur Begründung.
Die DB wies die Äußerungen Hämmerlings als «in keiner Weise nachvollziehbar» zurück Homburg sowie dem ganzen DB-Konzernvorstand gehe es um die lückenlose Aufklärung aller Missstände bei der S-Bahn Berlin GmbH und die schnellstmögliche Wiederherstellung des gewohnten Angebots für die Fahrgäste.
Laut Krautzberger hat die S-Bahn bislang 13,4 Prozent ihrer Jahresleistung nicht erbracht Vor diesem Hintergrund behalte der Senat Zuschüsse in Höhe von mindestens 31 Millionen Euro für 2009 ein. Konsequenzen habe auch der Einsatz kürzerer Züge, weil das ebenfalls ein Qualitätsmangel sei. «Das werden wir der Bahn ganz klar in Rechnung stellen», sagte die Staatssekretärin.
Nahverkehrsexperten gegen unterdessen davon aus, dass es mit Einsetzen der Frostperiode zu weiteren Schwierigkeiten im S-Bahn-Netz kommen wird Wie bereits Ende 2008 soll die reibungslose Wartung von Weichen nur bedingt gewährleistet sein. Fahrdienstleiter hätten Alarm geschlagen, sagte Betriebsrat Heiner Wegner am Rande der Ausschusssitzung.
Die Fahrdienstleiter warnten vor mangelhaft funktionierenden oder gar fehlenden Weichenheizungen In einem fünf Punkte umfassenden Aufruf forderte der Betriebsrat unter anderem, den Fahrdienstleitern wieder die Verantwortung für das Einschalten und Überwachen der Weichen zu übertragen. Dieser Bereich war ausgelagert worden. Zugleich sollten stillgelegte Weichenheizungen wieder in Betrieb genommen werden. Gefordert wurde auch eine bessere Personalausstattung bei den Signaltechnikern.
(ddp)