Brüssel/Berlin (dapd). Die deutsche Wirtschaft hebt sich mit einem Mini-Wachstum und guten Aussichten positiv vom Schrumpfkurs der Eurozone ab. Während die Krisenstaaten im Süden zu rigidem Sparen gezwungen sind und damit den Währungsraum in die Rezession ziehen, zeigt die deutsche Wirtschaftsstimmung nach oben. Die EU-Kommission rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaft im Euroraum von 0,3 Prozent, wie es in der am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturprognose heißt. Die deutsche Wirtschaft soll dagegen um 0,6 Prozent wachsen.
Das deutsche Wachstum ist zwar im langjährigen Vergleich immer noch gering, allerdings stehen laut der EU-Prognose in der Eurozone nur die Slowakei und Estland mit 1,2 Prozent besser da. Die Kluft zwischen der Bundesrepublik und den schwachen Euro-Staaten wie Griechenland, Portugal oder Spanien wächst.
Deutsche Wirtschaft "breit aufgestellt"
Deutschland darf hoffen, den kleinen Dämpfer zum Jahreswechsel bereits überwunden zu haben. Das wichtigste Konjunkturbarometer, der Ifo-Geschäftsklimaindex, stieg von 108,3 Punkten im Januar auf 109,6 Zähler im Februar - stärker als erwartet. "Zurzeit sind wir wieder in einer Erholungsphase", sagte Gernot Nerb, Konjunkturexperte am Münchner Ifo-Institut, der Nachrichtenagentur dapd. Von einem Aufschwung wollte er aber nicht sprechen.
Deutschland profitiere davon, dass die Wirtschaft "breit aufgestellt" sei, sagte Nerb, also eine große Palette an gefragten Waren produziere und zugleich in viele Länder exportiere, gerade auch außerhalb Europas. So würden die Auswirkungen der Krise in der Nachbarschaft abgefedert.
Besonders stark von der Krise in Europa und der Konjunkturabkühlung in China werden allerdings die deutschen Maschinenbauer getroffen. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) rechnet dieses Jahr mit einer stagnierenden Produktion. Im vergangenen Jahr war er noch von einem Wachstum um vier Prozent ausgegangen.
Rezession in Griechenland und Portugal besonders schlimm
Im Herbst hatte die EU-Kommission noch mit einem durchschnittlichen Wachstum von 0,5 Prozent in den 17 Ländern der Eurozone gerechnet. Es sind vor allem Griechenland und Portugal, die die Währungsunion in die Rezession ziehen. Für Hellas prognostiziert die EU ein Minus von 4,4 Prozent, nach einem Einbruch von 6,8 Prozent in 2011. In Lissabon verschärft sich die Lage: Nach einem Minus von 1,5 Prozent rechnet die Kommission für das laufende Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,3 Prozent.
Düster ist auch die Entwicklung in Italien, dort kippt die Konjunktur von plus 0,2 Prozent im vergangenen auf minus 1,3 Prozent im laufenden Jahr. Die gleiche Tendenz in Spanien: Dort rauscht die Konjunktur mit einem Prozent ins Minus. Immerhin erreicht Irland - neben Portugal und Griechenland der dritte Staat am Eurotropf - ein schwaches Wachstum von 0,5 Prozent in diesem Jahr.
Für einen Kurswechsel sieht EU-Währungskommissar Olli Rehn aber keinen Anlass. "Die Länder, die ein Hilfsprogramm haben, sollten sich an den Plan halten." Trotz der düsteren Zahlen bemühte er sich auch um Optimismus. "Es bleiben Risiken, aber wir sehen Zeichen der Stabilisierung." In der zweiten Jahreshälfte könne das Wachstum zurückkehren, und sogar "schneller als erwartet". Dann rechnet Brüssel mit einem schrittweisen Anziehen von Investitionen und Verbrauch.
Die Inflation geht laut Prognose nur langsam zurück, auf 2,3 Prozent in der EU und 2,1 Prozent in der Eurozone. Für die gesamte EU rechnet die Kommission mit einem Nullwachstum. In den zehn Nicht-Euro-Ländern läuft die Konjunktur deutlich runder als in der Währungszone.
dapd







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