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    Dijsselbloem als Nachfolger von Eurogruppen-Chef Juncker im Gespräch

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    Brüssel (dapd). Nächster Chef der Eurogruppe könnte übereinstimmenden Berichten zufolge der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem werden. Mehrere deutsche und internationale Medien berichteten am Montag, die Staats- und Regierungschefs der Währungszone hätten sich auf den 46-Jährigen als Nachfolger des luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker verständigt, der das einflussreiche Amt spätestens Ende Januar niederlegen will. Kommenden Monat solle die Entscheidung von den Finanzministern formal bestätigt werden. Nach dapd-Informationen spricht einiges dafür - nicht zuletzt, weil kaum Alternativen in Sicht sind.

    Dijsselbloem vertritt eines der vier verbliebenen Länder mit der Top-Bonitätsnote AAA in Europa, dessen Regierung zudem für einen strikt stabilitätsorientierten Haushaltskurs eintritt - was Berlin gefallen dürfte. Er spricht zudem fließend Englisch und gilt als konzilianter Typ, was eine Vermittlerrolle im Gremium der 17 Finanzminister begünstigen würde. Obwohl erst seit 5. November (Xetra: A0Z24E - Nachrichten) im Amt, genießt Dijsselbloem einen guten Ruf im Umfeld der Eurogruppe: Diplomaten, die öfter mit ihm zu tun haben, beschreiben ihn als angenehm ruhigen, freundlichen Charakter, der keineswegs beratungsresistent sei und dennoch selbstbewusst auftrete.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte die Personalie nach dem EU-Gipfel am Freitag ebenso wenig kommentieren wie Frankreichs Staatspräsident François Hollande. Merkels Sprecher Steffen Seibert ergänzte am Montag knapp, das Thema werde "dann entschieden, wenn es nötig ist, entschieden zu werden". Dijsselbloems Sprecherin hatte vor dem Wochenende erklärt, ihr Chef werde bei einer möglichen Übernahme des Amtes Finanzminister bleiben. Seit er ins Den Haager Kabinett aufgerückt ist, hat der Niederländer erst an einem formellen Ratstreffen mit seinen europäischen Ressortkollegen teilgenommen.

    Der Beste des Rests

    Neben Dijsselbloem wurde bislang auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) als Nachfolger Junckers gehandelt, der dem mächtigen Gremium seit 2005 vorsteht. Allerdings stehen im Herbst Bundestagswahlen an, aus denen eine neue Regierung ohne CDU-Beteiligung hervorgehen könnte. Gegen den französischen Finanzminister Pierre Moscovici spricht wiederum der Widerstand Berlins gegen eine "Pariser Lösung", gegen die österreichische Ressortchefin Maria Fekter ihr loses und häufig undiplomatisches Mundwerk. Auch der Name des finnischen Regierungschefs Jyrki Katainen wurde genannt, tauchte zuletzt aber nicht mehr auf.

    Juncker steht der Eurogruppe seit 2005 vor und hat sich in dieser Zeit als fachlich kompetenter und charismatischer Vermittler zwischen großen und kleinen Mitgliedstaaten, Nordfraktion und Südländern bewährt. Auch Dijsselbloem vertritt einen kleineren Mitgliedstaat und könnte damit Sorgen über eine deutsche oder französische Dominanz in dem Gremium begegnen. Allerdings ist er anders als Juncker nicht eben dafür bekannt, mit Humor manch dröge Sitzung und Pressekonferenz aufzulockern - was dem Luxemburger oft hoch angerechnet wurde und manchen Konflikt zu entschärfen vermochte.

    In der Krise hat die Eurogruppe zunehmend an politischem Einfluss gewonnen, da sie die Wirtschafts- und Finanzpolitik der 17 Mitgliedstaaten koordiniert und über Hilfsanträge von Euro-Sorgenkindern wie Griechenland und Spanien berät.

    Jeroen René Victor Anton, wie Dijsselbloem mit vollem Vornamen heißt, ist studierter Agrarökonom und zweifacher Familienvater. Anfang der 1990 Jahre war als Mitarbeiter des Europäischen Parlaments tätig, später saß er zwölf Jahre im niederländischen Repräsentantenhaus, wo er es bis zum Vize-Fraktionschef der sozialdemokratischen Partei brachte, der er seit 1985 angehört. Bei seinem Amtsantritt im November versprach er: "Als Finanzminister werde ich die öffentlichen Kassen weiter in Ordnung bringen, in unserem eigenen Interesse." Dieses Ziel könnte Dijsselbloem als Eurogruppen-Chef gleich europaweit verfolgen.

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