Deutschlands Ausfuhrwirtschaft droht wegen der Euro-Krise einen empfindlichen Dämpfer zu erleiden. Diese Befürchtung äußerten deutsche Topökonomen gegenüber der FTD. "Die extreme konjunkturelle Abkühlung in der Euro-Zone, der Schweiz und in Osteuropa belastet auch die exportorientierte deutsche Wirtschaft stark", sagte Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung. Gleichwohl knackten die deutschen Exporte im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 1000 Mrd. Euro. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden Waren im Wert von 1060 Mrd. Euro ins Ausland verkauft - 11,4 Prozent mehr als 2010. Allerdings handelt es sich um einen nominalen Wert, ohne Herausrechnung von Kalender- und Saisoneffekten.
Und die beeindruckende Jahresbilanz hat einen weiteren Schönheitsfehler: "Vor allem die Euro-Randländer wie Spanien, Griechenland und Portugal kaufen kaum mehr Investitionsgüter aus Deutschland", sagte Joachim Scheide, Konjunkturchef am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Im Dezember sanken die deutschen Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat mit 4,3 Prozent so stark wie seit der schweren Rezession Anfang 2009 nicht mehr. Die Exportschwäche sei auch der Grund dafür, dass die gesamte deutsche Wirtschaft in diesem Winter (Stuttgart: A0XFUK - Nachrichten) nicht wachse, sagte IfW-Konjunkturchef Scheide. Die Binnenwirtschaft, so glauben diese Experten, könne das nicht kompensieren. "Dafür ist die Inlandsnachfrage zu schwach", sagte Bofinger. Eine Berechnung der FTD zeigt, dass Finanzkrise und Europas Konsolidierungsprogramme zu einer drastischen tektonischen Verschiebung der wichtigsten deutschen Absatzmärkte geführt haben. So hat China seinen Anteil an den deutschen Exporten binnen wenigen Jahren von rund drei Prozent auf über sechs Prozent verdoppelt. Chinas Wirtschaft ist damit erstmals wichtiger geworden als die Italiens. Mit einem Ausfuhranteil von 6,1 Prozent ist die Volksrepublik nunmehr auf Platz fünf der wichtigsten Handelspartner und rangiert damit gleichauf mit Großbritannien, das zunehmend an Bedeutung einbüßt. Klar verloren haben neben Italien die anderen Randländer der Euro-Zone. "Besonders die kontinentweiten Konsolidierungsprogramme sind verantwortlich dafür, dass der deutsche Exportanteil in die Euro-Zone zunehmend sinkt", sagte Andreas Scheuerle, Ökonom bei der Dekabank. So nahmen Spaniens Unternehmen und Verbraucher der deutschen Wirtschaft im Jahr 2006 noch rund 4,6 Prozent ihrer Exporte ab. Bis Ende 2011 schrumpfte dieser Wert auf 3,3 Prozent. Italien rutschte von 6,2 auf 5,9 Prozent Anteil an den Ausfuhren ab.
Dass der Alte Kontinent nicht stärker an Bedeutung verliert, liegt vor allem an den beiden deutschen Haupthandelspartnern in Europa. Die Ausfuhranteile nach Frankreich und in die Niederlande bleiben seit Jahren stabil. Die Dezember-Zahlen sind ein Beleg für das jähe Ende des Wachstums der deutschen Wirtschaft im letzten Quartal 2011. In einer ersten Schätzung ging das Statistikamt im Januar davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt von Oktober bis Dezember um etwa 0,25 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft ist. Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex und der Einkaufsmanagerindex deuteten zuletzt aber auf eine Erholung hin. Auch die Turbulenzen an den Finanzmärkten wegen der Schuldenkrise haben nachgelassen. "Wenn das so bleibt, kann Deutschland spätestens im Frühjahr zu Wachstum zurückkehren", sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank. Die Branche gibt sich optimistisch. Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), sieht den Außenhandel 2012 auf dem Weg zu neuen Rekordmarken. Den Einbruch am Jahresende interpretiert er als leichten Rückgang. Seinen Optimismus stützt er auf die positiven Entwicklungen in Brasilien, Russland, Indien und China - den sogenannten BRIC (Chicago Options: ^RBRCUSD - Nachrichten) -Staaten.





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