Kurz vor Ende seiner Amtszeit räumt Deutsche-Bank -Chef Josef Ackermann eine weitere unliebsame Affäre aus dem Weg. Das Kreditinstitut will die Anleger des umstrittenen Lebensversicherungsfonds Kompass Life 3 auszahlen und den Fonds auflösen. Mit diesem Produkt konnten Anleger auf die Lebenserwartung von Menschen spekulieren. Das Abfindungsangebot gilt für 10.000 Anleger, die 200 Mio. Euro investiert hatten.
Das Angebot reiht sich ein in die Bemühungen von Ackermann, einige Altlasten noch während seiner im Mai endenden zehnjährigen Amtszeit aus der Welt zu schaffen. Der Schweizer will seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen nach eigenem Bekunden ein geordnetes Haus hinterlassen. Dazu gehören die jüngste Einigung mit der Stadt Mailand über umstrittene Zinswetten sowie die angestrebte Einigung im Fall Leo Kirch. Die Bank arbeitet nach fast zehn Jahren gerichtlicher Auseinandersetzung an einem Vergleich mit den Vertretern des inzwischen verstorbenen Medienunternehmers.
Im aktuellen Fall geht es um ein fragwürdiges Beteiligungsangebot. Der Kompass Life 3 ist einer von drei US-Lebensversicherungsfonds der Deutschen Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) , in die Anleger insgesamt etwa 700 Mio. Euro einzahlten. Anders als seine Vorgängerprodukte handelte er jedoch nicht mit echten Policen. Die Anleger investierten stattdessen in ein Zertifikat, in dem fiktive Versicherungen von 500 realen Menschen verpackt wurden. Die Referenzpersonen im Alter von 70 bis 90 Jahren wählte die Bank selbst aus. Je eher sie starben, desto größer war der Gewinn der Anleger. Je länger sie lebten, desto mehr verdiente die Bank. Als Basis für die Renditekalkulation diente die von Gutachtern geschätzte Restlebensdauer der Personen. Kritik an dem Produkt kam selbst aus der Branche. Das Fondskonzept sei mit der Unantastbarkeit der menschlichen Würde kaum in Einklang zu bringen, empörte sich vor wenigen Wochen die Ombudsstelle des Bundesverbands deutscher Banken. Als Grund für die Auflösung des Fonds gab die Deutsche Bank gestern die "öffentliche Diskussion um die Berechtigung des Produkts" an.
Die betroffenen Anleger sollen in den nächsten Wochen ein Schreiben mit dem Rückkaufangebot erhalten, wie eine Bank-Sprecherin sagte. Das Institut will den Kapitaleinsatz komplett erstatten, nach Abzug der bisher erhaltenen Ausschüttungen. Ausgabeaufschläge sind bei dem Fonds nicht angefallen. Der Fonds wurde 2007 aufgelegt und sollte ursprünglich noch bis 2015 laufen. Zum Ende hätten die Anleger jedoch erhebliche Verluste erwartet. "Es war bereits absehbar, dass die Modellrechnungen nicht aufgehen", sagte Rechtsanwalt Karl-Georg von Ferber. Die Deutsche Bank habe mit veralteten Sterbetafeln gerechnet und die Lebensdauer der Referenzpersonen viel zu kurz eingeschätzt. Von Ferber vertritt zahlreiche Fondszeichner, die die Deutsche Bank auf Schadensersatz verklagt haben. Ackermann will sich mit einem besseren Image der Bank in der Öffentlichkeit verabschieden. "Kein Geschäft ist es wert, dafür den guten Ruf aufs Spiel zu setzen", hatte er erst jüngst betont. So prüft die Bank derzeit auch den Rückzug aus Spekulationen mit Agrarrohstoffen. Während die Verbraucherorganisation Foodwatch Ackermann Wortbruch vorwirft, ist die Entscheidung nach Angaben eines Bank-Sprechers noch nicht gefallen.





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