Berlin (dapd-bln). Nach der erneuten Verschiebung der Flughafen-Eröffnung wird in Berlin und Brandenburg weiter über die Folgen debattiert. Zudem gibt es Diskussionen über die Leistungsfähigkeit des bisherigen Flughafens in Tegel, wo jetzt mehr Fluggäste und Flüge abgewickelt werden müssen. Indes herrscht über die Kosten, die durch die Verlegung des Eröffnungstermins auf das Frühjahr entstehen, weiterhin Unklarheit. Die Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens soll nach den neuen Planungen im März 2013 erfolgen - gut neun Monate später als lange Zeit geplant.
Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) plädiert deswegen indirekt für eine kürzere Nachtflugpause in Tegel. Insbesondere das Thema Betriebszeiten müsse für die Übergangszeit nochmals überdacht werden, sagte IHK-Präsident Eric Schweitzer der Nachrichtenagentur dapd. Alle Beteiligten sollten nun möglichst kurzfristig pragmatische Lösungen für die Übergangszeit entwickeln.
Zurzeit gilt für Tegel ein Nachtflugverbot zwischen 23.00 und 06.00 Uhr. Air Berlin (Hannover: AB1000 - Nachrichten) hatte zuletzt gefordert, die Nachtruhe um jeweils eine Stunde auf 0.00 bis 5.00 Uhr zu verkürzen. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) wandte ein, Planungsfehler dürften nicht zulasten der Bevölkerung gehen. "In Tegel sehen wir schon heute, dass die Grenzen der Auslastung erreicht sind", sagte Schweitzer. Der Flughafen Schönefeld habe dagegen noch ungenutzte Kapazitäten.
Der IHK-Präsident sprach zudem von einer "nicht zu unterschätzenden Herausforderung" für Unternehmen, die sich direkt am Flughafen niederlassen wollten und nun von der Verschiebung betroffen sind. Er setze darauf, "dass der Ankündigung, den Berliner Unternehmen Hilfe zu leisten, auch Taten folgen".
Der Flughafen Leipzig hat inzwischen Hilfe für Tegel angeboten. Leipzig könne als Ausweich-Airport dienen, bis der neue Hauptstadtflughafen eröffnet wird, schreibt die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf den Chef der Mitteldeutschen Airport Holding, Markus Kopp. "Wir haben bereits in ersten Vorgesprächen Fluglinien und Reiseveranstalter über diese Option (Euronext: OPTI.NX - Nachrichten) eines Bypasses informiert", sagte Kopp.
Bestätigte Angaben zu den Kosten der Verschiebung gab es bis Samstag nicht. Im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eingeräumt, es könne ein Finanzierungsproblem entstehen. Zum Kreditrahmen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro sagte der Regierungschef, "wir sind da an der Kante" und er könne auch nicht ausschließen, dass diese "eventuell übersprungen" wird.
Auch Flughafenchef Rainer Schwarz bezifferte den finanziellen Mehraufwand bisher nicht. Es würden derzeit mit Partnern und Beteiligten Gespräche geführt, um die entstehenden Kosten "halbwegs dimensionieren" zu können, sagte er am Freitag im RBB. Es gebe noch keine schriftlich eingereichten Schadenersatzforderungen.
Indes berichtete des RBB unter Berufung auf einen Insider aus dem Planungsstab der Flughafengesellschaft, bereits um den bis vor kurzem noch geplanten Termin am 3. Juni zu halten, seien der Flughafengesellschaft zusätzliche Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro entstanden. Mit zahlreichen Bauunternehmen seien sogenannte Terminsicherungsverträge abgeschlossen worden. Für zusätzliches Personal erhielten die Unternehmen dabei eine Zusatzzahlung, heißt es in dem Bericht. Die Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Ramona Pop, geht von Mehrkosten bis zu einer halben Milliarde Euro aus.
Die Brandenburger Piratenpartei fordert wie zuvor schon die Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus die Offenlegung aller von der Flughafengesellschaft dem Aufsichtsrat vorgelegten Berichte zur Bauentwicklung des Flughafens. "Es ist absolut notwendig, dass die Protokolle der Aufsichtsratssitzungen und auch die Controlling-Berichte öffentlich gemacht werden, um Transparenz herzustellen", sagte der Landesvorsitzende Michael Hensel.
Der Brandenburger Landtag wird sich am Montag (21. Mai) in einer Sondersitzung mit dem geplatzten Eröffnungstermin beschäftigen. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) will dazu eine Regierungserklärung abgeben.
dapd

