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DAX/Wall Street: Unbeirrt auf Kurs

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, Samstag, 7. November 2009, um 0:23 CET

Frankfurt (BoerseGo.de) -  Der deutsche Aktienmarkt profitierte heute ein bisschen von einer relativ freundlichen Wall Street, die mit durchwachsenen Zahlen gut zurecht kam (nachfolgender Wall Street Bericht).

Bis zum Xetra-Schluss avancierte der DAX heute 0,13 Prozent auf 5.488 Punkte. Im Vergleich zur Vorwoche gewann der Index 1,4 Prozent. Lang & Schwarz indizieren heute Nacht einen Anstieg auf 5.508 Punkte.

Tagessieger wurde die Deutsche Lufthansa. Der Airline-Betreiber wurde von seiner Kollegin British Airways beflügelt. Die Londoner, Nr. 3 im Europäischen Fluggeschäft, verkündeten heute früh, dass sich Passagieraufkommen und Erträge stabilisierten. Eine frohe Botschaft für die Branche, die unter konjunkturbedingt knappen Geschäftsreisen litt.

Der Flop des Tages hieß SAP, ohne dass es dafür Nachrichten gab.

Wall Street: Auf den zweiten Blick

New York (BoerseGo.de) - Was der Unterschied zwischen "auf den ersten Blick" und "auf den zweiten Blick" ausmacht, demonstrierte heute wieder die Wall Street. Der Aktienmarkt musste heute wieder Konjunkturdaten verarbeiten, die "auf den ersten Blick" recht negativ aussahen.

Kurz vor Börsenstart lief der Arbeitsmarktbericht vom Oktober über die Ticker. Die Zahl der verlorenen Jobs war höher als erwartet, nämlich 190.000 Jobs statt wie erwartet 175.000.

Die Arbeitslosenquote kletterte auf 10,2% und damit über die psychologisch und politisch heikle Marke von 10%. Die Arbeitslosenrate war damit wieder so hoch wie zuletzt in der Rezession von 1983.

"Auf den zweiten Blick" zeigte sich aber eine Verbesserung des Arbeitsmarktes. Die Oktoberzahl lag um 29.000 unter der Septemberzahl. Ausschlaggebend war aber, dass die Zahlen der beiden Vormonate deutlich herunterrevidiert wurden. Der September wurde von 263.000 auf 219.000 korrigiert und der August von 201.000 auf 154.000. Danach wurden in den beiden Monaten 91.000 Jobs weniger gestrichen als ursprünglich gemeldet.

Stützend wirken außerdem zahlreiche Broker-Upgrades, vor allem bei marktführenden Aktien wie General Electric (Mischkonzern), Macy`s (Kaufhäuser) oder Amazon.com (E-Commerce), deren Kursgewinne den Gesamtmarkt stabilisierten. Dahinter steht die Erwartung, dass die Konzerne, auch wegen der Konjunkturerholung, bessere Geschäfte machen.

Entlastung von Unternehmen und Verbrauchern

Gestützt wurde der Markt auch vom Öl, das zeitweise um rund 3% billiger wurden. Davon profitierten vor allem die konsumnahen Aktien, erklärte das Wall Street Journal. Weil die Verbraucher weniger Geld an den Tankstellen und für die Heizkostenabrechnung ausgeben müssen, bleibt ihnen mehr zum Einkaufen.

Der konjunktursensible Transportsektor war der Gewinner des Tages mit plus 1,1% - dem fallenden Ölpreis sei Dank.

Die Eigenheimbauer gewannen 0,8%. Der Steuerkredit für Eigenheimkäufer soll verlängert werden.

Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, bröckelte 0,1%. Der Bankensektor gab 0,2% ab. Die Chip-Titel verbilligten 0,4%. Der Ölsektor büßte 0,6% ein.

Der Dow Jones Industrial Average avancierte 0,17 Prozent auf   10.023 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 gewann 0,25 Prozent auf 1.069 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite Index stieg 0,34 Prozent auf 2.112 Punkte.

Im Vergleich zur Vorwoche fielen die Gewinne etwas deutlicher aus:

Dow Jones plus 3,2 Prozent

S&P 500 ebenfalls plus 3,2 Prozent

Nasdaq plus 3,3 Prozent

Dow Jones Average: Wiederentdeckung

Tops:

Der Top des Tages war General Electric mit einem Gewinn von 6,2 Prozent auf 15,33 Dollar. Die Aktie war in den vergangenen Wochen vernachlässigt worden. Der Mischkonzern (Kraftwerke, Flugzeugturbinen, Universal Hollywood-Studios, Kreditkarten, Plastik, Finanzgeschäfte und vieles mehr) wurde heute gleich von 2 Broker wiederentdeckt.

Analyst Steven E. Winoker vom Broker Sanford C. Bernstein & Co. wertete das Konglomerat von Market-Perform auf Outperform auf. Das Risiko der Finanztochter GE Captial sei zurück gegangen, hieß es. Winoker sieht verbesserte Gewinnchancen für 2010 und noch bessere für 2011.

Auch Analyst Christopher Glynn Oppenheimer & Co. beförderte das Rating von Perform (etwa: Neutral) auf Outperform. Glynn  verbesserte das Kursziel von $17 auf $18. Die Aktie habe sich seit Mitte Oktober deutlich schwächer als der Gesamtmarkt entwickelt (underperformed) und biete jetzt eine günstige Einstiegsgelegenheit. Das Risiko, dass sich das Konglomerat zusätzliches fremdes Kapital beschaffen müsse, sei minimal. Das Portfoli der Finanztochter (Forderungen, Wertpapiere & dergleichen) stabilisiere sich. Vor allem bei den Verbraucherkredite nehmen die Ausfälle ab. Außerdem sei das Kern-Infrastrukturgeschäft (etwa Kraftwerksanlagen) unterbewertet.

Das Wall Street Journal berichtete außerdem, der Mischkonzern mach dabei Fortschritte, sein 80%-ige Beteiligung an dem Medienkonzern NBC Universal an den Kabelnetzbetreiber Comcast zu verkaufen.

Der Versicherungs-Riese The Travelers belegte Platz 2 mit einem Tagesgewinn von 2,5 Prozent auf 51,90 Dollar. Das war wohl auch Goldman Sachs zu verdanken. Die Bank hob den New Yorker Finanzkonzern und seinen Branchenkollegen XL Capital jeweils von Neutral auf Buy, berichtete Reuters. Gründe dafür waren zwar nicht zu erfahren. Die Konjunkturerholung senkt aber die Risiken der Assekuranzkonzerne und die Rally steigert den Wert ihrer Vermögensanlagen.

Die konsumnahen Aktien profitierten vom billigeren Öl, erklärte das Wall Street Journal: Die Baumarktkette Home Depot belegte jedenfalls mit plus 1,8 Prozent auf 26,08 Dollar Platz 3.

Auf Platz 4 kam der Haushalts-Riese Procter & Gamble (Ariel, Gillette, Pampers, Wella) mit plus 0,9 Prozent auf 61,04 Dollar.

Flops:

Walt Disney verlor 1,5 Prozent auf 28,56 Dollar.

S&P 500: Rückmeldung

Tops:

Starbucks sprang 7,2 Prozent auf 21,12 Dollar. Die weltweit größte Café -Kette hatte lange Zeit geschwächelt, wegen der Rezession und dem wachsenden Konkurrenzdruck. Gestern Abend meldeten die Seattler sich aber wieder zurück. Der Dienstleister schlug die Gewinn & Umsatzerwartungen der Analysten und hob zugleich den Ausblick an. Beat and Raise, heißt das an der Wall Street.

JP Morgan bekräftigte heute das Rating overweight und schraubte das Kursziel von $17 auf $23 hoch. "Wir glauben der Ausblick auf die künftige Umsatz- und Gewinnmargenentwicklung ist sehr konservativ und sehen daher signifikanten Aufwärts-Spielraum für die Aktie", erklärten die New Yorker.

Die Transportwerte, vor allem die Airlines, wurden vom Öl beflügelt:

Continental Airlines kletterte 8,8 Prozent auf 12,77 Dollar.

Delta Air Lines stieg 6,3 Prozent auf 7,79 Dollar.

Macy's sprang 6,4 Prozent auf 19,18 Dollar. Der Kaufhausbetreiber meldete gestern - wie viele US-Einzelhändler -, dass sich die Verkäufe im Oktober verbesserten. Das war bereits der 2. Monat mit einer Verbesserung. JP Morgan reagierte heute darauf und beförderte den Einzelhandels-Titel von Neutral auf Overweight. Die Aktie besäße deutliches Kurspotential, erklärte JP Morgan-Analyst Charles Grom.

Grom erwartet -  wegen den besseren Verkaufszahlen -     für das laufende Quartal einen signifikanten Gewinnanstieg. Der Dienstleister profitiere außerdem von den strukturellen Verbesserungen bei seinen Flaggschiffen, der Marke Bloomingdale und dem New Yorker Kaufhaus Macy´s. Der Analyst rechnet daher damit, dass der Warenhausbetreiber die Konsens-Gewinnerwartung für Q3 schlägt und auch in Q4 gut abschneidet.

Auch andere Analysten zeigten sich beeindruckt. Deborah Weinswig, Analystin der Citigroup, pickte Macy's als eine ihrer Top-Aktien für die Weihnachtssaison.

Edison International stieg 3,1 Prozent auf 33,19 Dollar. Der Stromversorger schlug die Gewinnerwartungen der Wall Street.

XL Capital stieg 3,8 Prozent auf 17,22  Dollar. Der Versicherer wurde - neben dem Dow-Titel The Travelers - bei Goldman Sachs von Neutal auf Buy befördert.

Flops:

American International Group (AIG) verlor 9,7 Prozent auf 35,48 Dollar. Gestern gab es noch ein Plus von 8,5 Prozent. Die heutigen Q3-Zahlen des vom Staat gestützten Versicherers fanden wohl wenig Gefallen, obwohl der gestürzte Finanzriese die Gewinn-Erwartungen schlug.

Nasdaq: Beat-and-Raise

Nvidia sprang 7,3 Prozent auf 13,16 Dollar. Der Grafikchip-Spezialist schlug gestern Abend im Rahmen der Q3-Zahlen die Erwartungen der Wall Street gleich dreifach: Bei Gewinn, Umsatz & Ausblick. Damit schloss sich der Technologiekonzern der Legion von Unternehmen, die das von der Wall Street begehrte "Beat-and-Raise" liefern.

Der Intel-Rivale Advanced Micro Devices (AMD) gewann nachrichtenlos  4,4 Prozent auf 5,04 Dollar

Intel begnügte sich mit plus 0,2 Prozent auf 18,93 Dollar

Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, bröckelte dagegen 0,4 Prozent auf 301 Punkte.

JDS Uniphase kletterte 6,4 Prozent auf 6,46 Dollar. Der Netzwerkausrüster lieferte gestern Abend ebenfalls ein "Beat-and-Raise" -Resultat

Microsoft avancierte 0,2 Prozent auf 28,52 Dollar.

Die Familie der Smartphone-Hersteller entwickelte sich durchwachsen. Immerhin ist der Markt um die Käufer der "schlauen" aber kostspieligen Handys heiß umkämpft.

Apple avancierte 0,2 Prozent auf 194,34 Dollar. Vielleicht bremsen die Nachrichten über einen angeblich schlappen Verkaufsstart des iPhones in China.

Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, gewann dagegen 1,6 Prozent auf 58,72 Dollar. Dort setzen sich die Investoren anscheinend allmählich über die Analysten hinweg. Die Kanadier genießen jedenfalls zur Zeit nicht das Wohlwollen der Broker. Die Analysten beklagen den wachsenden Konkurrenzdruck auf dem heiß umkämpften Markt für Smartphones, jedenfalls bei den Verbrauchern. Darunter leide der BlackBerry-Hersteller ganz besonders, heißt es.

Heute schloss sich die UBS den Klagen an. Die Schweizer dampften ihr Kursziel von $84 auf $67 ein. Man stimme den allgemeinen Befürchtungen zu, dass die Kanadier im Geschäft mit den Verbrauchern Marktanteile einbüßen und dass der Wettbewerbsdruck die Gewinnmargen komprimiert, hieß es. Allerdings bleibe das Stammgeschäft mit den Unternehmen weiterhin stark. Dort könnten die Kanadier ihre Dominanz verteidigen, beschwichtigte die UBS.

Palm verlor 2,2 Prozent auf 11,32 Dollar. Dort drückt ebenfalls die Angst vor der Schlacht um die Smartphone-Käufer

Motorola, dessen neues Smartphone (mit Google-Android-Betreibssystem) gestern noch gefeiert wurde, verlor 4,5 Prozent auf 8,89 Dollar.

Internet: Beschleunigung voraus

Das Online-Kaufhaus Amazon.com gewann 4,6 Prozent auf 126,60 Dollar. Seit Jahresanfang sind das 146%. Das 52-Wochen-Tief lag im November 2008 auf 34,68 Dollar. Möglich machten das die Q3-Zahlen, die Investoren und Analysten den blick auf das Wachstumspotential öffneten.

Trotz labilem Wall Street-Umfeld betrat die Aktie heute Neuland und kletterte auf ein neues Allzeithoch. Dafür sorgte auch Analyst Jeffrey Lindsay vom Broker Sanford Bernstein. Lindsay beförderte das Online-Kaufhaus von  Market Perform auf Outperform  und katapultierte sein Kursziel von $125 auf $160. (Der bisherige Spitzenreiter war JP Morgan mit Kursziel $150).

Lindsay glaubt, dass die Wall Street das Potential des E-Commerce-Pioniers unterschätzt und die Aktie daher unterbewertet. Amazon.com würde gleich dreifach unterschätzt:

Lindsay erwartet, dass sich das Umsatzwachstum im laufenden  Weihnachtsquartal (dem saisonalen Geschäftshöhepunkt) auf 41% gegenüber Vorjahr beschleunigt. Der Konsens geht dagegen nur von 32% Wachstum aus (Q3: 28%, Q2: 14%). In 2010 sollte der Internethändler eine Wachstumsrate von mindestens 35% erreichen, so  Lindsay. Dafür sollten auch höhere Ausgaben der (kaufkräftigen) Amazon-Kunden und 30 neue Produktkategorien sorgen.

Der Bernstein-Analyst glaubt außerdem, dass die Schätzungen der Wall Street für die Gewinnmargen zu niedrig sind (4,6% in Q4 und 5,1% in 2010). Lindsay geht von 5,3% in Q4 und 5,4% in 2010 aus.

Lindsay geht außerdem davon aus, dass der Markt die "freien Kassenzuflüsse" (free cash flow = Mittel, die für Investitionen frei zur Verfügung stehen) unterschätzt.

Der Rivale Ebay avancierte 0,4 Prozent auf 23,34 Dollar. Der Konzern kam heute wieder einen Schritt weiter, jedenfalls beim angestrebten Verkauf der ungeliebten Tochter Skype. Der Dienst, der kostenloses Telefonieren via Internet anbietet, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Daher strebte der Online-Auktionator wieder den Verkauf von Skype an und fand dafür auch Interessenten.

Schwierigkeiten bereiteten aber die Gründer und früheren Eigentümer von Skype, die Ebay und den Telefondienst wegen einer angeblichen Patenverletzung verklagten und damit den Verkauf behinderten. Jetzt kam es aber zu einer Einigung zwischen Ebay und den Skype-Gründern, meldet das Wall Street Journal. Damit sei der Weg für den Verkauf frei (Wert etwa 2 Mrd. Dollar).

Blue Nile kletterte 4,1 Prozent auf 61,10 Dollar. Der Online-Juwelier zählte zu den Unternehmen, die gestern im Rahmen ihrer Q3-Zahlen und Ausblick besser abschnitten als erwartet. Heute gibt es dazu eine Analystenreaktion. Die Deutsche Bank verbesserte ihr Rating von Sell auf Hold. Das Kursziel wurde um $20 auf $50 korrigiert, bleibt also unter dem aktuellen Kurs des Nasdaq-Papiers. Die Frankfurter sehen zwar bessere Geschäftsaussichten, auch wegen Marktanteilsgewinnen zu Lasten traditioneller Juweliere, halten aber die Aktie weiterhin für zu teuer.

Die Online-Videothek Netflix bröckelte 0,9 Prozent auf 55,86 Dollar.

Der Bereich Portale/Suchmaschinen und Content stand ein bisschen im Schatten:

Google verteuerte sich 0,5 Prozent auf 551,10 Dollar.

Yahoo legte 0,3 Prozent auf 15,94 Dollar zu.

Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, kletterte 3,4 Prozent auf 409,74 Dollar. Dort regt natürlich die Wachstumsbeschleunigung der chinesischen Wirtschaft an.

Rohstoffe: Getrennte Wege

Öl: Billigere Energie entlastet die Konjunktur

Das Öl wurde heute wieder billiger, gut für die Konjunktur. An der New York Mercantile Exchange fiel der Dezember-Kontrakt für Crude um 2,27 Dollar und schloss auf 77,35  Dollar.

Gold: Kontrastprogramm

Das Gold bot ein Kontrastprogramm zum Öl und setzte einfach seinen Anstieg fort. Der Gold-Kontrakt für Dezember stieg heute an der New York Mercantile Exchange um 6,70 Dollar und schloss auf 1.096,00 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 1.095,85  Dollar.

Ausblick: Ruhige Phase?

Montag:

 

 

Dienstag:

 

Mittwoch:

US-Feiertag (Veterans Day) aber Börsen geöffnet

Donnerstag:

14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche

16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche (wegen Veterans Day verschoben)

Quartalszahlen: Walt Disney, Wal-Mart (inoffizielles Ende der Q3-Saison)

Freitag: