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    "Der Dax ist nicht zu teuer"

    AKTUELLER KURS

    SymbolKursVeränderung
    ^DJI15.354,40121,18
    BDT.BE86,35-0,04
    MTRAF69,6860,00
    BAY.MI83,95-0,75
    SIE.TI80,81-0,17

    Herr Schott, die Zinsen sind historisch niedrig, Dax (Xetra: ^GDAXI - Nachrichten) und Dow Jones (DJI: ^DJI - Nachrichten) markieren ein Rekordhoch nach dem anderen. Wohin mit dem Geld? Sind Aktien noch ein Kauf?

    Schott: Diese Frage wird mir derzeit natürlich öfter gestellt. Der Dax ist in den vergangenen 13 Jahren drei Mal über 8.000 Punkte gestiegen, aber wir haben heute eine ganz andere Situation als zur Jahrtausendwende. Die deutschen Standardwerte sind aktuell mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,5 auf Basis der 2013-Gewinne bewertet. Im März 2000 lag das KGV bei über 32. Die heutigen Bewertungen entsprechen dem Durchschnitt der vergangenen zwölf Jahre - trotz Dax-Rekord.

    Deutsche Aktien sind also noch günstig?

    Der Dax hat zwar erstmals in seiner Geschichte die Marke von 8.300 Punkten hinter sich gelassen, aber 8.300 ist nur augenscheinlich eine hohe Zahl. Die Unternehmensgewinne sind heute höher als bei früheren Rekordhochs.

    Und das spricht dafür, dass die Rally weiter geht?

    Die niedrig hängenden Früchte sind sicher schon gepflückt, die größten Kursgewinne eingefahren. Ich wage nicht zu prognostizieren, dass der Dax ohne größere Rückschläge bis auf 9.000 oder sogar 10.000 Punkte steigt, aber möglich ist das. Der Dax ist sicher schon gut gelaufen, aber er ist im historischen Vergleich noch nicht teuer.

    Sie befürchten also nicht, dass sich eine Blase, wie wir sie 2000 erlebt haben, gebildet haben könnte?

    Sicherlich wird bei diesen Kursständen das Risikomanagement wieder wichtiger! Aber der Vergleich zum Jahr 2000 hinkt noch an einer zweiten Stelle. Nicht nur die Unternehmensbewertungen sind heute ganz andere. Zur Jahrtausendwende haben Sie mit zehnjährigen Bundesanleihen Renditen von mehr als fünf Prozent eingefahren, heute ist es gerade mal knapp über ein Prozent. Damit ist der Leidensdruck der Anleger groß. Sie müssen stärker ins Risiko gehen, um nach Steuern, Gebühren und Inflation überhaupt noch positive Renditen zu erzielen.

    Und das treibt sie in Aktien...

    Dividenden-Papiere sind heute aber sehr viel attraktiver als im Jahr 2000. Auch das ist ein Unterschied zu damals. Es sind nicht einzelne Branchen oder Trends, die die Rally treiben. Auch jetzt noch gibt es im Dax und MDax (Xetra: ^MDAXI - Nachrichten) interessante Werte.

    Welche sind das?

    BASF, K+S oder Siemens (TLO: SIE.TI - Nachrichten) sind einen Blick wert, vor allem wenn man der Strategie des Cash-Flow-Investings folgt, also auf hohe Dividenden oder Aktienrückkäufe setzt. Beim Depot-Contest der DAB Bank (Xetra: 507230 - Nachrichten) sind diese drei Werte in unserem ausgewogenen Depot. Diese sind in diesem Jahr noch nicht so gut gelaufen, aber das kann noch kommen. Zuletzt gab es überwiegend positive Nachrichten.

    Sicher, aber nicht rentabel

    Sie treten auch in der Kategorie "Chance" an, in der sie sehr viel spekulativer agieren können.

    In diesem Depot haben wir neben Dax-Werten wie neben BASF, K+S und Siemens auch Werte aus der zweiten und dritten Reihe - beispielsweise eine Bertrandt (Berlin: BDT.BE - Nachrichten) , den Automobilzulieferer Leoni oder auch Metro (Other OTC: MTRAF - Nachrichten) .

    Würden Sie diese Werte auch heute noch kaufen?

    Wir sind zu Beginn des Jahres eingestiegen und natürlich sind die Börsen bereits gut gelaufen. Eine Siemens und eine K+S sind auch heute noch einen Blick wert. Eine Leoni hat bereits ein Kursplus von 20 Prozent verbucht, da wird die Luft langsam dünner. Es kommt natürlich immer auf den Anlagehorizont an...

    Ein gutes Stichwort. Was empfehlen Sie Anlegern, auf deren Tagesgeld-Konto sich immer mehr Geld angesammelt hat, dass aber erst in zwei oder drei Jahren benötigt wird?

    Bei Anlagehorizonten von ein oder zwei Jahren gibt es leider nur einen Tipp: Lassen Sie das Geld auf dem Tagesgeld-Konto liegen. Dort ist es sicher, auch wenn die Zinsen minimal sind und Sie unter dem Strich - also nach Abzug von Steuern und Inflation - sogar Geld verlieren.

    Das klingt ein wenig resignierend. Keine Idee?

    Wenn Sie einen konkreten Verwendungszweck haben, das Geld also in absehbarer Zeit sicher brauchen, ob nun für ein neues Auto oder einen Sabbatical, dann haben Sie derzeit leider keine Alternative. So hart das auch ist. Um in Aktien zu investieren, ist der Anlagehorizont zu gering. Sie schwanken zu stark, um nur kurzfristig zu investieren. Für eine dreijährige Bayer (Mailand: BAY.MI - Nachrichten) -Anleihe bekommen Sie gerade mal 0,5 Prozent Rendite pro Jahr, da können Sie das Geld auch auf dem Tagesgeld-Konto lassen. Wer sein Geld sicher anlegen will, sein Kapital unbedingt erhalten will, aber nur einen kurzen Anlagehorizont hat, der hat derzeit ein Problem. Und das lässt sich nicht so leicht lösen.

    Wer ein bisschen mehr Risiko eingehen mag, findet aber schon noch Lösungen.

    Natürlich, aber wie Sie schon sagen, das Risiko steigt. Wenn der Dax auf 10.000 Punkte steigt - wunderbar. Aber er kann auch auf 6.000 Punkte fallen. Dann fällt das Sabbatical deutlich kürzer aus oder aus dem Golf wird ein Polo.

    Wenn ich dieses Risiko trotzdem eingehen würde...

    ...könnten Sie neben Aktien beispielsweise Mittelstandsanleihen kaufen, die hohe Renditen bieten. Allerdings beobachten wir hier ein Phänomen, das an den Neuen Markt um die Jahrtausendwende erinnert: völlig überkauft, hohes Risiko. Aber natürlich gibt es auch hier wenige Perlen, hohe Qualität. Anleger dürfen sich nicht vom Zinskupon blenden lassen, sondern müssen sich das Unternehmen, das die Anleihe begeben hat, sehr genau ansehen.

    Aufgeschlossen gegenüber Aktien

    Und Junkbonds?

    Für die gilt dasselbe.

    Ohne höheres Risiko also keine Rendite. Das werden Ihre Kunden nicht gerne hören...

    Früher war unser Job vergleichsweise einfacher, das stimmt. Vor ein paar Jahren konnten wir mit einer relativ einfachen Formel Renditen von mehr als fünf Prozent erzielen.

    Wie funktionierte diese Formel?

    35 Prozent haben wir in langlaufende Staatsanleihen angelegt, das brachte etwa fünf Prozent Rendite. Weiter 35 Prozent haben wir in verschiedene offene Immobilien-Fonds investiert. Rendite: ebenfalls um die fünf Prozent. Mit den restlichen 30 Prozent haben wir unser Ding gemacht. Aktien, Unternehmensanleihen - Trendfolge und Stock-Picking mit aktivem Risikomanagement war angesagt.

    Und heute?

    Heute machen wir mit 30 Prozent immer noch unser Ding, die restlichen 70 Prozent sind allerdings eine Herausforderung. Aus offenen Immobilienpublikumfonds haben wir uns zum Glück längst weitgehend verabschiedet, Anleihen bringen - wie gesagt - kaum noch Rendite.

    Wie lösen Sie dieses Problem?

    Wir investieren sehr viel stärker in Aktien, wie auch beim Depot-Contest. Hinzu kommen Unternehmensanleihen mit etwas schwächerer Bonität, bei welchen wir die Unternehmensbilanzen sehr gründlich analysieren. Einen Teil des Investmentkapitals stecken wir in Absolut-Return-Produkte, die aufgrund der Summe ihrer Einzelwetten eine marktunabhängige Rendite bringen. Ein Beispiel ist der Riße Inflation Opportunities FondsUI von Stefan Riße.

    Solche Produkte sind aber erklärungsbedürftig.

    Das stimmt, aber unsere Kunden sind solchen Strategien gegenüber sehr aufgeschlossen.

    Im Gegensatz zur Mehrzahl der Deutschen, die Aktien lieber meiden.

    Es gibt zwei Gruppen von Anlegern in Deutschland. Die einen haben sich mit Aktien in den vergangenen Jahren gleich drei Mal übel die Finger verbrannt. Sie bleiben der Börse seither fern. Die aktuelle Hausse geht an ihnen komplett vorbei. Die anderen sind Sachwerten gegenüber - und dazu gehören ja auch Aktien - sehr aufgeschlossen und können auch Kursschwankungen ertragen. Zu dieser Gruppe gehören unsere Kunden. Sie sind bereit, ein gewisses Risiko einzugehen. Wir bieten ihnen mit unserem aktiven Risikomanagement ein Sicherheitsnetz. Wer nur in Tagesgeld und Bundesanleihen investieren will, braucht uns nicht.

    Was tun mit einer Erbschaft?

    Welche Aktienquote empfehlen Sie derzeit?

    Das hängt natürlich sehr von der persönlichen Situation ab, von der Risikoaversion.

    Auch vom Alter?

    Ja und nein. Wir haben einen 74-jährigen Kunden, der noch immer zu 100 Prozent in Aktien investiert ist. Er ist seit Jahren Börsianer und Schwankungen gewöhnt. Doch das hält er aus. Ihm sind Dividenden und langfristige Kursgewinne wichtiger, als der tägliche Depotstand. Natürlich ist sein Anlagehorizont aufgrund seines Alters endlich. Doch er denkt in Generationen und will sein Wertpapiervermögen vererben.

    Apropos erben: Was tun mit einer größeren Erbschaft?

    Wenn Sie das Geld in den kommenden fünf oder zehn Jahren nicht für eine größere Anschaffung oder zur Sicherung ihres Lebensstandards benötigen, würde ich ein ausgewogenes Depot empfehlen. 50 Prozent des Geldes fließen in Aktien und zwar aufgeteilt in deutsche Titel und Aktien aus den Schwellenländern. Ein paar amerikanische und japanische Aktien sollte man auch noch beimischen. Jeweils 25 Prozent der Erbschaft investiert man in ein gemischtes Anleiheportfolio und in Absolut-Return-Fonds.

    Wie hoch wäre die Rendite?

    Vier bis Fünf Prozent pro Jahr sollten über einen kompletten Börsenzyklus möglich sein. Aber natürlich werden die Kursschwankungen größer als Null sein. Hohe oder doch zumindest passable Renditen ohne Risiko und Kursschwankungen gibt es leider nicht mehr.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Beim Depot-Contest der DAB Bank treten mehr als 30 Vermögensverwalter in den drei Kategorien "Sicherheit", "Ausgewogen" und "Chance" an. Interessierte können die Depotzusammensetzungen unter www.depot-contest.deverfolgen.

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