Der Dax gönnt sich eine kurze Pause. Nachdem er gestern auf einem neuen Allzeithoch von 8.339 Punkten schloss, kam er heute mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 8.354 Punkten kaum vom Fleck. Bereits kurz nach der freundlichen Eröffnung ging dem Leitindex die Kraft aus. Dabei waren die Vorgaben aus den USA und Asien vielversprechend.
Der Dow Jones schloss gestern angeführt von stark notierenden Bank-Aktien 0,8 Prozent im Plus. Der Nikkei kam sogar auf ein Plus von 2,3 Prozent. Angetrieben wurden die Kurse von Hoffnungen um die Weltwirtschaft.
Wie das Ifo-Institut mitteilt, dürften sich das Klima der Weltwirtschaft dank positiver Entwicklungen in Asien leicht verbessern. Das Barometer für die globale Nachfrage im zweiten Quartal sei zum zweiten Mal in Folge gestiegen, teilten die Münchner Forscher am Mittwoch mit. "Es mehren sich die Anzeichen für eine Stabilisierung der Weltkonjunktur", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Sowohl die Beurteilung zur aktuellen Lage als auch der Ausblick für die nächsten sechs Monate hätten sich etwas verbessert.
Der kräftigen asiatischen Konjunktur stehen allerdings die maroden Volkswirtschaften der Euro-Zone entgegen. Besonders hart traf es heute Italien. Das Land steckt in der längsten Rezession seit Jahrzehnten. Die Wirtschaftskraft büßte zum Jahresauftakt 0,5 Prozent ein. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schrumpft damit schon seit sieben Quartalen in Folge und damit so lange wie noch nie seit Beginn der Statistik 1970.
Die wirtschaftliche Entwicklung der übrigen Ländern der Euro-Zone gibt ebenfalls keinen Anlass zur Freude. Wie die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Brüssel mitteilte, sank das BIP in den 17 Euro-Ländern um 0,2 Prozent.
Die schwierige Konjunkturlage ging auch an Deutschland nicht spurlos vorbei. Laut dem Statistischen Bundesamt legte das deutsche BIP lediglich 0,1 Prozent zu und damit viel weniger als erwartet. Darüber hinaus korrigierten die Statistiker ihre Angaben zum vierten Quartal 2012: In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres schrumpfte die Wirtschaft demnach um 0,7 Prozent. Die Zahlen belegen, dass die realen deutschen Wirtschaftszahlen immer weniger mit den Kursen an den Börsen korrelieren. Die Zahlen stützen zudem die Analysen skeptischer Börsianer, die mittelfristig einen Rückgang der Kurse an den Aktienmärkten erwarten, da sie davon ausgehen, dass die Kurse vom billigen Geld der EZB hochgezüchtet sind.
Bei den Einzelwerten sorgten heute die Aktien der Commerzbank (Xetra: CBK100 - Nachrichten) für Furore. Bereits vor Handelsbeginn war die zweitgrößte Bank Deutschland Gesprächsthema Nummer Eins auf dem Handelsparkett. Doch nicht nur in Frankfurt wird über die Commerzbank debattiert. Das Hin und Her der Krisenbank beschäftigt mittlerweile auch die Bundesregierung.
Im Mittelpunkt lag heute die Kapitalerhöhung der Commerzbank. Um Geld von den Anleger zu bekommen, musste die sie ihre Anteilsscheine für gerade einmal 4,50 Euro je Aktie anbieten. Die Bezugsrechte, die den Altaktionären nun zur Verfügung stehen, tendieren bei einem Kurs von 3,27 Euro. Zeitgleich verkaufte der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin 89 Millionen bezugsrechtslose Papiere zu je 7,00 Euro, womit sich die Beteiligung des Staates von 25 auf 17 Prozent verringerte.
Commerzbank-Aktionäre haben sich verspekuliert
Zur Überraschung aller auf dem Parkett ergab sich aus der Mischung aus Kapitalerhöhung und Anteilsreduzierung der SoFFin ein überraschender Anstieg auf 7,96 Euro. Zusammen mit den Bezugsrechten ergab sich somit ein sattes Plus von knapp 15 Prozent. "Das ist Wahnsinn. Anders als mit Deckungskäufen ist das nicht zu erklären", sagte ein Börsianer. Offenbar müssten diejenigen Anleger, die auf einen weiteren Kursverfall gewettet hatten, wieder bei der Commerzbank einsteigen, um ihre Verluste zu minimieren. Der Trubel um die Commerzbank-Aktien war so groß, dass sie bis zum Vormittag knapp 60 Prozent des Geschäfts im Dax (Xetra: ^GDAXI - Nachrichten) ausmachten. Allein in den ersten beiden Handelsstunden wechselten fünf Mal so viele Commerzbank-Titel den Besitzer wie sonst üblich.
Der angeschlagene Thyssen (Xetra: 750000 - Nachrichten) -Krupp-Konzern verschärft sein Sparprogramm und will 3.000 Stellen in der Verwaltung streichen. Insgesamt sollen in den kommenden drei Jahren dadurch rund 250 Millionen Euro eingespart werden. Das Unternehmen hatte in diesem Jahr bereits die Streichung von 2000 Stellen in seinem europäischen Stahlgeschäft angekündigt. Der Konzern hat nach erneuten Abschreibungen auf seine Stahlwerke in Übersee tiefrote Zahlen geschrieben. Diese Abschreibungen haben Spekulationen auf dem Börsenparkett aufgeworfen, nach denen ein bevorstehender Verkauf unmittelbar bevorstehe. Die Aktie konnte davon profitiere. Sie stieg um 2,6 Prozent.
Ein starkes Europa-Geschäft und erfolgreiche Kostensenkungsmaßnahmen trieben die Aktien des Windturbinenherstellers Nordex nur kurz an. Zwar konnte das Hamburger Unternehmen seine Verlust stark verringern, allerdings nahmen zahlreiche Anleger angesichts eines Kursplus von 113 Prozent seit Jahresanfang Gewinne mit. Die Aktie sank in der Folge um 2,5 Prozent.
Im MDax machte TUI (Xetra: TUAG00 - Nachrichten) den Anlegern Lust auf Aktien. Das Ziel des neuen Konzernchefs Friedrich Joussen, im Geschäftsjahr 2014/15 wieder eine Dividende zu zahlen, gefielen den Investoren. Zuletzt hatte der Konzern für das Jahr 2007 eine Dividende ausgeschüttet. Die Pläne des Unternehmens sähen auf den ersten Blick vielversprechend aus und auch die Quartalszahlen seien gut gewesen, schrieb Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. Die Aktien stiegen um 3,9 Prozent.

