Das Warten geht weiter. Die Anleger halten die Kursbewegungen des Dax (Xetra: ^GDAXI - Nachrichten) in engen Grenzen. Am frühen Nachmittag notierte er mit 8.469 Punkten knapp drei Zähler unter seinem Vortagsschlusskurs. In der zweiten Reihe konnte nur der TecDax (Xetra: ^TECDAX - Nachrichten) mit 0,4 Prozent auf 973 Zähler im Positiven verweilen. Der MDax hingeben gab sein Plus nach einen kurzzeitigen Rekordhoch bei 14.245 Punkten schnell wieder ab. Zuletzt lag er 0,1 Prozent im Minus auf 14.184 Punkte.
An der Börse richten sich heute alle Augen auf Ben Bernanke. Der Fed-Chef wird gegen 16:00 Uhr (MEZ) im Kongress den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank erläutern. Besonders im Fokus steht dabei das Anleihekaufprogramm der Fed. Sollten Bernanke neben einer schärferen Geldpolitik eine Reduzierung des Kaufprogramms ankündigen, dürfte die Börsenrally in den USA und Deutschland ein jähes Ende finden.
Die US-Börsen eröffneten im Vorfeld der Anhörung durchgehend freundlich. Der Dow Jones, der S&P 500 und der Nasdaq starteten jeweils 0,1 Prozent im Plus.
Börsianer gehen davon aus, dass Bernanke an seiner bisherigen Marschrichtung festhalten und keine Drosselung der Wertpapier-Käufe signalisieren wird. Sie gründen diese Einschätzung auf Aussagen des einflussreichen Fed-Mitglieds James Bullard, der am Dienstag bei einer Vorlesung in Frankfurt diese Maßnahmen verteidigt hatte. Bislang kauft die Fed zur Stützung der Wirtschaft seit einem halben Jahr Anleihen im Wert von rund 85 Millionen Dollar auf - und das jeden Monat. Angesichts des schwächeren Dollars scheinen sich aber nicht alle Anleger wirklich sicher zu sein, ob der Fed-Chef die Anleihe-Käufe fortsetzen wird. Gegenüber dem Dollar konnte der Euro rund 0,1 Prozent zulegen auf 1,2917 Dollar.
"Wenn die Fed nach den zuletzt guten Konjunkturdaten versuchen will, ihre massive Unterstützung langsam zurückzufahren, dann muss sie die Märkte sehr vorsichtig darauf vorbereiten", sagte ein Händler.
"Spätestens mit der Rede von US-Notenbankpräsident Ben Bernanke vor dem US-Kongress wissen Anleger, dass die Märkte fast reine Notenbankmärkte geworden sind", kommentiert Daniel Saurenz von Feingold Research. "Dax, Dow Jones (DJI: ^DJI - Nachrichten) und EuroStoxx sind auf eine expansive Geldpolitik angewiesen, wenn die Rallye weitergehen soll. Dies wird durch das gespannte Warten auf das Sitzungsprotokoll der Fed noch unterstrichen."
Analysten treiben Metro (Other OTC: MTRAF - Nachrichten) ins Plus
Bei den Einzelwerten waren neue Meldungen dünn gesät, weshalb Analystenstimmen besonderes Gewicht erhielten. So verhalf Tui (Xetra: TUAG00 - Nachrichten) eine Kurszielanhebung durch JP Morgan Chase (Other OTC: JFTTL - Nachrichten) kurzzeitig für ein deutliches Plus. Später gaben die Papiere etwas nach. Zuletzt notierten die Aktien des Reiseveranstalters 0,5 Prozent fester.
Metro profitierte deutlicher von einer positiven Einstufung. Die Experten von Morgan Stanley (Xetra: 885836 - Nachrichten) bewerteten die Aktie mit "overweight", was sie um rund 6,8 Prozent steigen ließ.
Im Dax zählten am Nachmittag BMW-Aktien mit einen Minus von 1,2 Prozent und Daimler (Xetra: 710000 - Nachrichten) mit einem Abschlag von 1,2 Prozent zu den größten Verlieren. Als einziger Autobauer im Dax konnte sich Volkswagen (Other OTC: VLKAY - Nachrichten) dem negativen Trend entziehen. Die Papiere von Europas Nummer eins im Automobilbau lagen 0,7 Prozent im Plus. VW profitierte am Mittwoch von einer "outperform"-Empfehlung und einen angegebenen Kursziel von 200 Euro der Bank Macquarie.
Merck (Other OTC: MKGAY - Nachrichten) setzte sich mit einem Plus von 2,7 Prozent an die Spitze im Dax. Thyssen (Xetra: 750000 - Nachrichten) -Krupp lag mit einem Aufschlag von 2,5 Prozent direkt dahinter. Einen direkten Auslöser für die Gewinne war bis zum Nachmittag nicht auszumachen.
Die Deutsche Bank konnte einen Tag vor ihrer Hauptversammlung Boden gutmachen. Die von Skandalen belastete größte Bank Deutschlands verteuerte sich am Mittwoch um 0,7 Prozent. Bei der morgigen Aktionärsversammlung sollen neue Finanz- und Rechtsexperten ernannt werden. Von ihnen wird es abhängen wie die Deutsche Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) mit den bevorstehenden Rechtsstreitigkeiten umgehen wird, die im vergangen Jahr die Bilanzen erheblich belastet haben.
Die Commerzbank rutschte im Nachmittagshandel mit einem Minus von 0,3 Prozent auf die hinteren Plätze im Dax. Grund für den Verlust ist die negative Einstufung der Nomura. Die Experten der Bank senkten ihre Rating von "neutral" auf "reduce".
Der kriselnde britische Konkurrent Lloyds hingegen konnte heute ein positives Ausrufezeichen an seine Anleger entsenden. Entgegen der Erwartungen müsse die Bank keine Kapitalerhöhung vornehmen, um die strengeren Eigenkapital-Vorschriften (Basel III) zu erfüllen. Die Aktie reagierte auf diese Meldung mit einem Sprung ins Plus um 2,7 Prozent. Im kommenden Jahr werde die Kernkapitalquote auf mehr als zehn Prozent steigen. Für Ende 2013 hatte Lloyds eine Quote von neun Prozent in Aussicht gestellt.







