Vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Bundesnetzagentur in Bonn hat deren Chef Jochen Homann den schleppenden Ausbau neuer Stromtrassen beklagt. "Es geht zu langsam", sagte Homann. 1800 Kilometer Hochspannungstrassen seien 2009 geplant worden. "Davon sind erst 214 Kilometer gebaut und elf Kilometer in Betrieb genommen."
Die Übernahme von Stromnetzen durch die Kommunen lehnte Homann ab. "Zu viele kleine Einheiten machen keinen Sinn", sagte er der "Tageszeitung". Mit hunderten kleinen Netzen drohe ein erhöhter Verwaltungsaufwand.
Es gebe auch Probleme beim Anschluss der Windparks auf dem Meer ans Netz, sagte Homann weiter. Unklar sei die Finanzierung weiterer Leitungen zwischen den Windparks und dem Festland. Derzeit seien etwa Haftungsfragen bei den Offshore-Windparks ungeklärt. "Unfälle, wie die Kollision von Schiffen mit Plattformen für den Bau von Windanlagen, sind heute kaum zu tragbaren Preisen versichert", sagte Homann. Er forderte eine "ausgewogene Haftungsregelung". Alle beteiligten Unternehmen bräuchten die Berechenbarkeit von Risiken.
Merkel besucht die Bundesnetzagentur am Dienstag zusammen mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Peter Altmaier (CDU). Sie will sich persönlich für einen zügigen Ausbau der Stromnetze einsetzen.



