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    Bordeaux zieht an den Himalaya

    Chinesen wollen vieles - nur nicht "made in China", lautete eine Faustregel französischer und italienischer Luxushäuser. Weshalb von Prada bis Burberry zwar alle eifrig Boutiquen zwischen Schanghai und Chengdu eröffnen, aber ja keiner öffentlich dort fertigen möchte. Ausgerechnet der Weltmarktführer im Geschäft mit den teuren, schönen und leckeren Dingen des Lebens, LVMH , denkt inzwischen anders. Die LVMH-Tochter Moët Hennessy kündigte am Donnerstag an, gemeinsam mit dem chinesischen Winzerhaus Vats künftig in Südchina, am Fuße des Himalaja, einen Premiumrotwein produzieren zu wollen.

    Ein mutiger Schritt. Denn bislang schwören die Chinesen, die sich inzwischen auf Platz fünf der eifrigsten Weintrinker vorgearbeitet haben, auf französische Weine. Insbesondere klassische Bordeauxweine stehen hoch im Kurs, was schon die Fälschungsrate zeigt. So werden zwar in China pro Jahr etwa drei Millionen Flaschen Lafite Rothschild verkauft, doch das ehrwürdige Château produziert lediglich 200.000 Flaschen - von denen natürlich längst nicht alle die Grande Nation verlassen. Für eine leere Lafite-Flasche, ist zu lesen, zahlen Fälscher bis zu 400 Euro. Kein Wunder also, dass der geplante chinesische Grand Cru sich eng an den Vorgaben aus Bordeaux orientiert: Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc sind eben die Trauben, die auch die Winzer dort verarbeiten. Die Kombination aus Boden, Sonnentagen und mildem Klima im jetzt gefundenen, 30 Hektar großen Anbaugebiet sei ideal, um einen kräftigen, bordeauxartigen Wein zu produzieren, sagte Moët-Hennessy-Chef Christophe Navarre bei einer Eröffnungsfeier in Shangri-La.

    Er wird auch die gerade veröffentlichte Studie des britischen Marktforschungsunternehmens Wine and Spirits Research gelesen haben. Demnach wird der Weinkonsum in China weiter rasant steigen - allein zwischen 2011 und 2015 um 54 Prozent. Das lässt die Westler mutig werden. Zwar hat sich Moët Hennessy schon zuvor als Produzent nach China gewagt - 2007 übernahm der Hersteller die Mehrheit am Spirituosenproduzenten Wenjun, vergangenes Jahr investierte man in eine Premiumsektproduktion in Ningxia. Aber an etwas so Komplexes wie Rotwein wagte er sich bislang nie. Wie erfolgreich die Franzosen damit sein werden, kann nicht so schnell überprüft werden. Die ersten Weine werden frühestens in vier Jahren erwartet.

     

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