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Bob Lutz soll Opel-Chefaufseher werden

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Freitag, 6. November 2009, um 18:07 CET

ebe/mz/HB HAMBURG. General Motors (NYSE: GM - Nachrichten) will seine europäische Tochter Opel unter die Kontrolle des US-Managers und GM-Mann Bob Lutz Aufsichtsratschef bei dem Autobauer werden. Das berichtet das Magazain "Der Spiegel" ohne Nennung von Quellen.

Unterdessen bestätigte GM Medienberichte, wonach Noch-Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster das Unternehmen verlässt. Forster, der auch Chef der Europa-Aktivitäten von GM ist, hatte sich für einen Verkauf von Opel an Magna eingesetzt und war nach eigenen Aussagen von der Entscheidung der Detroiter Konzernzentrale, Opel nun doch zu behalten, überrascht worden.

GM werde sofort extern auf die Suche nach einem neuen Chef für Opel Europa gehen, kündigte der gerade der Insolvenz entronnene, ehemals größte Autobauer der Welt an. GM werde dabei mit dem Opel-Management und den Betriebsräten zusammenarbeiten. Ziel sei eine starke und nachhaltige Zukunft der Marken Opel und Vauxhall. "Wir erwarten, dass unsere Vorschläge für die Zukunft von Opel und Vauxhall kommende Woche fertig sind", erklärte GM-Chef Fritz Henderson. Derzeit gebe es keine Überlegungen, weitere Änderungen im Opel-Management vorzunehmen, fügte Henderson hinzu.

Henderson und Nick Reilly, der Forster zunächst ersetzen soll, wollen dem Vernehmen nach am Sonntag nach Deutschland reisen, um das Feintuning des Sanierungsplans zu übernehmen und das Opel-Management auf Linie zu bringen. Wenn der Plan fertig sei, werden Henderson & Co. bei Regierungen der beteiligten Länder (Deutschland, Großbritannien, Spanien) vorsprechen und Staatshilfen anfragen. Das "Wall Street Journal" berichtet, Reilly könne womöglich nur ein Übergangskandidat für GM Europe sein, weil er bisher das komplette internationale Geschäft von GM leitet.

Die vier Bundesländer mit Opel-Standorten entschlossen sich am Freitag auch zu einem demonstrativen Paukenschlag. Der Ländervertreter in der Opel-Treuhand, Dirk Pfeil, muss demnach das Gremium verlassen. Grund sei ein kompletter Vertrauensverlust, heißt es in Medienberichten. Pfeil habe sich abfällig über das Verhalten von Politikern in den Verhandlungen zum Opel-Verkauf geäußert. Sein Nachfolger solle der nordrhein-westfälische Wirtschaftsstaatssekretär Jens Baganz (CDU) werden.

Der Schritt hat nur wenig praktische Bedeutung, denn mit dem Verzicht von GM auf den Teilverkauf seiner europäischen Tochter hat sich die vorrangige Aufgabe des Gremiums mit Sitz in Frankfurt erledigt, nämlich die Verhandlungen mit möglichen Investoren zu überwachen.

GM kann bei der Sanierung von Opel durchaus auf staatliche Hilfe hoffen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten hatten signalisiert, dass sie auch nach dem Scheitern des Opel-Magna-Deals die Opel-Beschäftigten nicht im Regen stehenlassen wollten. Die Bundesregierung will dabei das GM-Konzept abwarten, bevor sie weitere Maßnahmen erwägt. Dies sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans am Freitag in Berlin. Es gebe Signale, dass GM das Konzept in der nächsten Woche vorstellen könnte.

Im Wirtschaftsministerium wies man darauf hin, dass etwaige Hilfszusagen, die an den Erhalt von Standorten geknüpft sind, nach EU-Recht nicht zulässig sind.

In diesem Zusammenhang forderte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz die EU-Kommission zu einer strengen Prüfung künftiger Staatshilfen auf. Die Kommission müsse verhindern, dass Mitgliedsstaaten mit den Hilfen nur die Arbeitsplätze im eigenen Land schützten. GM werde zur Restrukturierung von Opel/Vauxhall vor allem die Regierungen in Großbritannien, Spanien und Polen um Staatsgarantien bitten, schrieb Franz an EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes.

Über das Ausmaß des geplanten Stellenabbaus bei Opel wollte GM-Chef Henderson keine Angaben machen. "Alle Geschäftspläne der jüngsten Zeit, sei es unserer oder von Magna, sahen eine substanzielle Reduzierung der Kapazitäten sowie der Belegschaft vor", sagte Henderson. GM-Vize John Smith hatte erklärt, der Konzern wolle rund 10 000 Stellen streichen, das wäre jeder fünfte Arbeitsplatz in Europa. Das würde in etwa dem Magna-Konzept entsprechen. Die Kosten für die Sanierung bezifferte Henderson auf drei Mrd. Euro.

Am Donnerstag waren tausende Opel-Mitarbeiter an den vier großen deutschen Standorten auf die Straßen gegangen. Sie protestierten gegen bei der Sanierung durch GM befürchtete Massenentlassungen und Werkschließungen. Der GM-Konzern droht der Belegschaft mit Insolvenz, wenn die Betriebsräte nicht zu Zugeständnissen bereit sind. Für Opel arbeiten in Deutschland mehr als 25 000 Menschen.

"Ohne klares Konzept und ohne Erfüllung unserer Bedingungen wird es keine tariflichen Zugeständnisse geben", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber den "Stuttgarter Nachrichten". Als Bedingung nannte er etwa die Gründung einer Aktiengesellschaft, die in Europa eigenständig über Modellpolitik und Investitionen entscheiden kann. Verhandlungsgrundlage für die IG Metall sei nach wie vor das Magna-Konzept. Auf dessen Grundlage sei vor dem GM-Rückzieher ein Modell zur Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter ausgehandelt worden.

Die Obama-Regierung wies indessen jede Mitverantwortung für die Opel-Entscheidung von GM von sich. "Die US-Regierung war daran nicht beteiligt", sagte Philip Gordon, für Europa zuständiger Staatssekretaer im US-Aussenministerium dem Handelsblatt. "GM ist ein Privatunternehmen". Tatsächlich befindet sich GM jedoch zu 60 Prozent in Staatshand.

Gordon sagte, die Regierung in Washington habe auch erst von dem Beschluss der GM-Zentrale erfahren, als das Unternehmen seine Ankündigung machte. Der Staatssekretär wies Spekulationen zurück, die jüngste Verärgerung könne das transatlantische Verhältnis belasten. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun sagte Gordon am Freitag in Washington.

Dessen ungeachtet könnte die Lutz-Personalie für einigen Wirbel sorgen: Der 77-jährige Lutz ist für den Niedergang von GM als Entwicklungschef mitverantwortlich. In Rüsselsheim dürfte der Wechsel als weiterer Affront gewertet werden. Als Sanierungsbeauftragten will GM-Boss Fritz Henderson Nick Reilly nach Europa schicken, der bisher das Asien-Geschäft und die Marke Chevrolet verantwortet.

Die Billig-Marke machte Opel bislang das Leben schwer, weil GM mit ihr in Wachstumsmärkte expandierte, während Opel zur europäischen Regionalmarke degradiert wurde. Auch Lutz wird von Opel-Managern dafür mitverantwortlich gemacht, dass sich die Marke in den vergangenen Jahren nicht weiterentwickeln konnte.

Lutz hatte schon eine lange Karriere in der Autoindustrie hinter sich: Er war schon bei BMW (Xetra: 519000 - Nachrichten) , Ford und Chrysler, als er 2001 im Alter von 69 Jahren zu General Motors kam. Dort war er für die weltweite Produktentwicklung verantwortlich - und damit für die erfolglose Modellpolitik.

Der Manager verstand es aber, seine Beziehungen zu GM-Boss Henderson zu pflegen, der ihn aus dem Ruhestand wieder in die Führungsmannschaft von GM zurück holte. Opel-Manager fürchten, dass Lutz alle internen Kritiker der US-Konzernzentrale in Europa absetzen könnte, um sie durch getreue GM-Manager zu ersetzen.