Blessing verspricht noch mehr

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, Mittwoch, 25. November 2009, um 16:07 CET

FRANKFURT. Die Commerzbank sieht sich bei der Integration der Dresdner Bank auf Kurs, muss aber vorerst mehr Geld für den Umbau in die Hand nehmen. Auf Dauer soll sich das rechnen: Die vom Staat mit 18 Mrd. Euro gestützte Bank will so deutlich mehr Synergien heben - was auch den Gewinn steigen lassen würde. An ihren Ziel, spätestens 2012 mit der Auszahlung des Staates zu beginnen, hält Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus fest. Zunächst mussten die Frankfurter aber erneut ihre Prognose für die Risikovorsorge im laufenden Jahr nach unten schrauben. Überzeugen konnten die Ankündigungen die Börsianer nicht - die Aktie verlor in der Spitze 3,5 Prozent.

"Wir setzen unsere Strategie konsequent und in Teilen sogar schneller um als ursprünglich geplant", sagte Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) -Chef Martin Blessing anlässlich des Investorentages. Die Übernahme der Dresdner von der Allianz im vergangenen Herbst kurz vor dem Lehman-Kollaps hatte die Bank an den Rand des Abgrunds gebracht. Seither hält der Bund gut ein Viertel der Aktien.

Zusätzliches Einsparpotenzial - ohne Auswirkung auf Arbeitsplätze

Blessing betonte gestern nochmals die Logik des Dresdner-Kaufs. Ab 2013 werde die Bank jährlich die Gesamtkosten um 2,4 Mrd. Euro senken. Ursprünglich hatte das Management lediglich 1,9 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Weiteres Sparpotenzial liegt unter anderem in der Investmentbank, im gemeinsamen Einkauf, bei den Raumkosten und in der IT. Zusätzliche Stellenstreichungen über den veranschlagten Abbau von 9000 Arbeitsplätzen hinaus soll es dabei aber nicht geben. Um die zusätzlichen Synergien zu heben, erwartet die Commerzbank allerdings auch höhere Umbaukosten, die sich nun in Summe auf 2,5 Mrd. Euro belaufen sollen. "Wir investieren einmal 500 Mio. Euro und sparen so Jahr für Jahr 500 Mio. Euro zusätzlich", sagte Finanzchef Eric Strutz. "Eine Investition die sich lohnt."

Bei der Risikovorsorge musste die Bank den Investoren allerdings nochmals schlechte Nachrichten überbringen. Die erst vor wenigen Wochen um 600 Mio. Euro auf 4,2 Mrd. Euro angehobene Prognose wurde nochmals leicht erhöht. Jetzt geht die Commerzbank sogar von 4,3 Mrd. Euro aus. "Wir werden 2010 noch Belastungen aus der Finanzmarktkrise sehen", räumte Risikomanagement-Chef Stefan Schmittmann ein. Diese würden aber sinken. Eine konkrete Prognose wollte er jedoch nicht wagen. 2012 rechne die Bank dann mit einer Risikovorsorge von etwa zwei Mrd. Euro. Dies liege nach wie vor über den relativ niedrigen Werten der Jahre 2005 und 2006. Es zeige, dass die Bank weiter konservativ vorgehe.

Blessing bekräftigte, die Bank werde 2011 wieder schwarze Zahlen schreiben. Bei einem "sehr positiven" Marktumfeld sei dies auch schon im kommenden Jahr möglich. 2012 soll dann ein operatives Ergebnis von mehr als vier Mrd. Euro eingefahren werden, was einer Verzinsung des Eigenkapitals vor Steuern von etwa 16 Prozent entspricht. Damit gibt sich die Commerzbank deutlich bescheidener als etwa Branchenprimus Deutsche Bank, der trotz der Finanzkrise und eines Milliardenverlustes weiter 25 Prozent anpeilt. Kritiker monieren, dass damit höhere Risiken einher gehen - und folglich die Gefahr neuer Schieflagen steigt.

Mit 1,8 Mrd. Euro soll in drei Jahren das Mittelstandsgeschäft fast die Hälfte zum operativen Gewinn beisteuern. Für den Privatkundenbereich wird eine Milliarde Euro angepeilt, für das Investment-Banking - in Teilen die ehemalige Dresdner Kleinwort - weitere 800 Mio. Euro. Der Rest kommt aus dem nach wie vor schwer unter faulen Krediten leidenden Osteuropasparte sowie den Bereichen Staats-, Immobilien- und Schiffsfinanzierung. Die hausinterne Bad Bank, in der 38 Mrd. Euro an mehr oder weniger toxischen Wertpapieren gebündelt sind, soll 2012 ein Ergebnis um die Nulllinie liefern.

Binnen fünf Jahren muss die Commerzbank sich auf Druck der EU von ihrem Immobilienfinanzierer Eurohypo trennen. Blessing stellte klar, es gebe keinen Zeitdruck. Zugleich wies er darauf hin, dass ein möglicher Verkaufserlös zur Abbezahlung der staatlichen Hilfen eingesetzt werden könnte. Allerdings gebe es auch noch andere Instrumente wie etwa eine Kapitalerhöhung oder die Freisetzung von Eigenkapital durch den Ausstieg aus bestimmten Geschäften.

Die Schiffsfinanzierung, die derzeit unter massiven Problemen leidet, ist hiermit aber offenbar nicht gemeint. "Wir haben nicht geplant, dort komplett auszusteigen", betonte Blessing und legte damit ein Bekenntnis zur Tochter Deutsche Schiffsbank ab.