Frankfurt/Main (dapd). Der mögliche Vergleich zwischen der Deutschen Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) und den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch droht laut Medienberichten vom Wochenende am Widerstand der Bank zu scheitern. Auf jeden Fall verzögere er sich um weitere zwei bis vier Wochen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Finanzkreise. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte ebenfalls Finanzkreise mit der Aussage, dass die Zustimmung der Bank zu einem Vergleich mit Kirch in Höhe von rund 800 Millionen Euro "so gut wie ausgeschlossen" sei.
Allerdings beharren die Erben des 2011 gestorbenen Kirch laut einer Vorabmeldung der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe) auf der angeblich bereits ausgehandelten Summe von 812 Millionen Euro. Einen deutlich geringeren Betrag werde die Kirch-Seite nicht akzeptieren, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise. Sollte die Bank die Summe nicht zahlen, werde auf allen Ebenen weiter gestritten.
Ein Sprecher der Kirch-Erben wies den Bericht entschieden zurück. Die Zeitung erwecke den Eindruck, ihre Darstellung beruhe auf Aussagen der Kirch-Seite. "Dies ist unzutreffend und entspricht nicht der Wahrheit", sagte er.
Kirch und in der Nachfolge seine Erben hatten die Bank in einer fast zehnjährigen Prozessfehde auf Schadenersatz im Milliardenhöhe verklagt. Auslöser war ein Fernsehinterview mit dem damaligen Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzenden Rolf Breuer im Februar 2002, in dem Breuer die Kreditwürdigkeit Kirchs anzweifelte. Kirch sah in der Äußerung den Grund für die Pleite seines Medienimperiums. "Das Interview war meine Schlachtung," sagte er später.
Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, im Vorstand der Deutschen Bank zeichne sich eine klare Mehrheit gegen den Kompromiss ab. Die Manager fürchteten Klagen der Aktionäre. Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte einen Kommentar zu den Berichten ab.
Laut "Spiegel" unterstützt aber ein neues, bislang unbekanntes Gutachten die Argumentation der Deutschen Bank, dass nicht Breuers Äußerung der Grund für den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums war. Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers kämen zu dem Schluss, dass Kirchs Mediengruppe bereits zum Zeitpunkt der umstrittenen Breuer-Interviews überschuldet war.
Über den möglichen Vergleich, den der im Mai scheidende Bank-Chef Josef Ackermann ausgehandelt haben soll, hatten diverse Medien Mitte Februar berichtet. Ackermann hatte angekündigt, seinen Nachfolgern an der Spitze der Deutschen Bank das Haus "besenrein" hinterlassen zu wollen. Die Erledigung der Altlast Kirch würde zu diesem Versprechen passen.
Die Bank ist bei ihrer Entscheidung aber in einer Zwickmühle, da sie bei einem millionenschweren Kompromiss auch Breuer in Regress nehmen könnte. Das Geldinstitut könne jedoch nicht mit den Kirch-Erben einen "Vergleich zulasten Breuers" schließen, zitierte die "Süddeutsche Zeitung" einen ungenannten Deutsche-Bank-Manager.
dapd





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