Sao Paulo (dapd). Der Chemiekonzern BASF und das Erdölunternehmen Shell sind von einem brasilianischen Gericht zur Zahlung von mehreren hundert Millionen Dollar an einen Fonds für erkrankte Arbeiter verurteilt worden. Betroffen waren die brasilianischen Tochtergesellschaften beider Konzerne, die insgesamt 382 Millionen Dollar (303 Millionen Euro) aufbringen müssen. BASF (TLO: 323600.TI - Nachrichten) kündigte Berufung an.
Das Geld soll möglicherweise mehr als 1.000 Arbeitern zu gute kommen, die bei der Herstellung von landwirtschaftlichen Chemikalien erkrankt sind. Das gesamte nun in den Fonds eingezahlte Geld solle eingefroren werden, bis die Schadensersatzklage der Arbeiter abgeschlossen sei, erklärte die Staatsanwaltschaft.
Bereits zuvor hatten zwei Gerichte die Unternehmen zu Zahlungen angewiesen. Allerdings war der Fall dann vor einer höheren Instanz angefochten worden. Richterin Maria Ines Correa Targa warf den Konzernen "verwerfliches Verhalten" vor und sagte, diese hätten versucht, sich ihren Verpflichtungen zu entziehen. BASF und Shell (London: RDSB.L - Nachrichten) wiesen dies energisch zurück.
Die Staatsanwaltschaft hatte jüngst erklärt, Hunderte Angestellte einer Produktionsanlage in der Stadt Paulinia seien bei der Herstellung von landwirtschaftlichen Chemikalien erkrankt und benötigten sofort Hilfe. Die 1977 in Betrieb gegangene Anlage war zunächst im Besitz von Shell und wurde im Jahr 2000 von BASF übernommen, bevor sie 2002 geschlossen wurde.
BASF macht geltend, dass das Fabrikgelände bereits vor dem Erwerb kontaminiert gewesen sei. Der Chemiekonzern hatte aus diesem Grund im vergangenen Jahr Klage in Brasilien eingereicht, damit ein Gericht Shells vollständige Verantwortung für jegliche Schäden feststellen sollte.
Der Staatsanwaltschaft zufolge haben ehemalige Arbeiter der Anlage sowie Menschen, die in der Nähe gelebt haben, zahlreiche gesundheitliche Schäden erlitten, darunter Prostatakrebs, Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und Schilddrüsenerkrankungen. Mindestens 61 frühere Arbeiter seien in den vergangenen Jahren gestorben.
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