Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die schon tot geglaubte Finanzkrise ist schmerzlich in das Bewusstsein der Anleger zurückgekehrt. Belastet von schwachen Vorgaben aus Fernost und einer Hiobsbotschaft aus dem Nahen Osten ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag kräftig unter die Räder gekommen. Der DAX schloss am Ende mit 3,25 Prozent im Minus bei 5.614,17 Indexpunkten. Für den MDAX (Xetra: Nachrichten) ging es daneben um 3,72 Prozent nach unten auf 7.061,77 Zähler. Der SDAX bröckelte um 2,44 Prozent ab auf 3.462,14 Stellen. Der TecDAX verlor 2,90 Prozent auf 768,90 Punkte.
Wegen des Feiertags "Thanksgiving" mussten die europäischen Börsen auf Vorgaben aus den USA verzichten. Allerdings waren die Vorgaben aus Fernost äußerst schwach. Belastet hat aber insbesondere die Sorge vor einer ernstzunehmende Krise im Boom-Emirat Dubai, nachdem die Regierung des Emirats den Dubai Financial Support Fund mit der Restrukturierung des ins Schlingern geratenen staatlich kontrollierten Konglomerats Dubai World und dessen Tochter Nakheel beauftragt hat. In diesem Zusammenhang wurden die Gläubiger von Dubai World um Zahlungsaufschub bis mindestens Mai 2010 gebeten.
Finanzwerte standen in Zusammenhang mit der Dubai-Krise europaweit auf der Abschussliste. Die Aktie der Deutschen Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) gab am Indexende 6,4 Prozent ab. Für die Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) ging es um 3,9 Prozent nach unten. Papiere der Deutschen Börse (Xetra: 581005 - Nachrichten) schlossen 4,3 Prozent schwächer. Titel des Autobauers Daimler, an dem die Araber wesentlich beteiligt sind, kamen um 4,6 Prozent zurück. Daneben hatten die Anleger insbesondere Volkswagen (Xetra: 766400 - Nachrichten) (-6,2 Prozent), Salzgitter (-4,4 Prozent) und Infineon (-4,2 Prozent) auf ihrer Verkaufsliste. Siemens (Xetra: 723610 - Nachrichten) bröckelten um 3,3 Prozent ab. Laut einem Pressebericht droht dem milliardenschweren IT-Projekt der Deutschen Bundeswehr mit der Bezeichnung "Herkules" ein Milliardenfiasko. Dem Bericht zufolge laufen die Kosten für das Großprojekt dramatisch aus dem Ruder. Nun werden im Verteidigungsministerium und im Haushaltsausschuss des Bundestages erste Ausstiegsszenarien diskutiert, hieß es. Im Zuge des Gemeinschaftsprojekts wolle der Bund gemeinsam mit Siemens und dem US-Technologiekonzern IBM die völlig veraltete Informations- und Telekommunikationstechnik der Bundeswehr modernisieren. Anfangs sollte das Großprojekt 6,8 Mrd. Euro kosten, wuchs zur Jahreswende 2008 bereits auf 7,1 Mrd. Euro an und ist heute nicht mehr kalkulierbar. Titel des Salz- und Düngemittelkonzerns K+S gaben 3,6 Prozent ab. Am Vorabend hatte der Konzern eine Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital angekündigt. Durch die Kapitalerhöhung wird ein Bruttoemissionserlös von 686,4 Mio. Euro erwartet, welcher hauptsächlich der Verbesserung der Eigenkapitalausstattung der Gesellschaft auch im Hinblick auf die Zielkapitalstruktur dienen soll. Bereits im Vorfeld hatte es Gerüchte über eine mögliche Kapitalerhöhung beim Salz- und Düngemittelhersteller gegeben. Recht wacker schlug sich die T-Aktie mit einem Minus von 1,2 Prozent. Wie die Deutsche Telekom (Xetra: 555750 - Nachrichten) bekannt gab, hat T-Systems den Bau eines neuen Rechenzentrums in São Paulo (Brasilien) angekündigt. Den Angaben zufolge wird ab 2010 ein viertes Rechenzentrum des ICT-Dienstleisters in der brasilianischen Metropole die wachsende Nachfrage globaler und lokaler Kunden bedienen.
Der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck hat eine tiefgreifende Änderung der Unternehmensstruktur beschlossen. Dadurch solle die Strategie des Konzerns noch effizienter umgesetzt werden. Entsprechend der neuen Geschäftsfeld-Organisation werden auch die Verantwortlichkeiten im Vorstand neu geregelt. Dr. Jürgen Rautert, bislang Mitglied des Vorstands für den Bereich Vertrieb, scheidet im Zuge der Neuordnung der Führungsebene einvernehmlich aus dem Vorstand aus. Wie in der Presse zu lesen war, ist die Entscheidung ein klarer Hinweis darauf, dass das Thema Fusion mit Manroland noch nicht vom Tisch ist. Die Aktie verlor im MDAX 5,6 Prozent. Für KWS SAAT ging es im SDAX (Xetra: Nachrichten) um 6 Prozent nach unten. Der Saatgutspezialist ist mit geringeren Umsätzen in das neue Geschäftsjahr 2009/2010 gestartet. Der Umsatz belief sich auf 65,3 Mio. (Vorjahr: 82,8 Mio.) Euro. Wegen der rückläufigen Getreide- und Rapsumsätze verringerte sich das Betriebsergebnis auf -28,1 Mio. Euro, nach -11,2 Mio. Euro im Vorjahresquartal. KWS will im laufenden Geschäftsjahr das Spitzenniveau des Vorjahres wieder erreichen. Titel des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen gaben 7,4 Prozent ab. Das Unternehmen konnte sein bereinigtes EBT in den ersten neun Monaten von 2,8 Mio. Euro auf 15,3 Mio. Euro steigern. Der Periodenverlust wurde von 13,2 Mio. auf 2,5 Mio. Euro gesenkt.
Im TecDAX stand der Solarsektor schwer unter Beschuss. Hintergrund waren überwiegend negative Kommentare der schweizerischen Großbank UBS. Unter anderem wurde die Aktie von SolarWorld (Xetra: 510840 - Nachrichten) mit "sell" und einem Kursziel von 12,80 Euro (zuvor: 15,00 Euro) eingestuft. Auch bei Q-Cells wurde die Einschätzung auf "sell" belassen. Auch bei Conergy (Xetra: 604002 - Nachrichten) sehen die Schweizer noch weiteres Abwärtspotential. Die Einschätzung "sell" wurde bestätigt. Bei SMA Solar wurde die Einstufung auf "buy" belassen. SolarWorld gaben 4,5 Prozent, Q-Cells 4 Prozent und Conergy ebenfalls 4 Prozent ab. SMA Solar fielen um ein halbes Prozent zurück. Spitzenreiter waren QIAGEN (NASDAQ: QGEN - Nachrichten) mit einem Plus von 1,1 Prozent. Die rote Laterne lag indes bei Roth & Rau (-5,4 Prozent).
Asiatische und US-Börsen:
In den USA fand gestern wegen des Feiertags "Thanksgiving" kein Handel statt. Die Futures notieren derzeit im Minus. So tendiert der Dow Jones Future bei 10.158,00 Punkten (-284,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.734,25 Punkten (-60,00 Punkte) und der S&P Future bei 1.073,10 Zählern (-35,80 Punkte).
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich deutlich schwächer. Nach der negativen Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei (Nachrichten) -Index heute in Tokio mit einem Minus von 3,22 Prozent bei 9.081,52 Punkten.
In China zeigen die Aktienmärkte ebenfalls rote Vorzeichen. So steht der Hang Seng (Nachrichten) derzeit mit 4,76 Prozent im Minus bei 21.153,68 Punkten, während der Shanghai Composite um 2,36 Prozent abgibt auf 3.096,26 Punkte.
Der Markt heute:
Der Bund Future steigt bisher um 0,19 Prozent auf 123,78 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Verlusten starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 5.526 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 5.543,75 Zählern (-1,5 Prozent).
In Deutschland stehen heute Außenhandelspreise zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Japan die Verbraucherpreise, Arbeitslosenzahlen und der Einzelhandelsumsatz, in Frankreich das Verbrauchervertrauen sowie in der EU die Wirtschaftsstimmung und das Geschäftsklima bekannt gegeben. Aus den USA werden heute keine marktbewegenden Konjunkturdaten gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei ad pepper media International N.V., bmp AG, GK Software AG, INDUS Holding AG (Xetra: 620010 - Nachrichten) und ThyssenKrupp AG (Xetra: 750000 - Nachrichten) an.
Wichtige Meldungen:
Der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druckmaschinen AG (ISIN DE0007314007/ WKN 731400) hat am Donnerstag eine tiefgreifende Änderung der Unternehmensstruktur beschlossen.
Die Einhell Germany AG (ISIN DE0005654933/ WKN 565493), ein Anbieter von Lösungen für Heimwerker und Handwerker, fürs Haus sowie für Garten und Freizeit, meldete am Donnerstag ihre Zahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2009. Der Konzernjahresüberschuss nach Minderheiten belief sich auf 11,0 Mio. Euro (Vorjahr: 10,8 Mio. Euro).
Die CompuGROUP Holding AG (ISIN DE0005437305/ WKN 543730) gab am Donnerstag bekannt, dass die ISPRO GmbH mit der Asklepios Klinikgruppe im Rahmen des Asklepios Future Hospital Programms (AFH) eine strategische Allianz geschlossen hat. (27.11.2009/ac/n/m)